Waldbrände in NRW sind teuer: Das verlieren private Waldbauern druch das Feuer

Damit ist er nicht allein. In Nordrhein-Westfalen gibt es nach Angaben des Landesbetriebs Wald und Holz mehr als 150.000 private Waldbesitzer in NRW. Denen gehören etwa zwei Drittel aller Waldflächen im Land. Das heißt: Die Krisen in den Wäldern merken die privaten Waldbesitzer direkt.

Viel Arbeit für einen Ertrag in Jahrzehnten

Die Arbeiten im Wald erledigt der 54-Jährige, der hauptberuflich als Fleischabteilungsleiter im Einzelhandel arbeitet, weitgehend selbst. Den Wald bewirtschaftet er nebenberuflich, die Fläche hatte er von seinem Schwiegervater geerbt. Die Kosten für neue Pflanzen, die Pflanzung und den Schutz vor Wildtieren schätzt er auf ein paar tausend Euro. Doch das Geld alleine bilde Aufwand und Kosten kaum ab: "Immer, wenn ich kann, bin ich im Wald. Das geht stundenmäßig in die Tausende."

Unter guten Bedingungen könne er das Holz aus seinem Wald nach seiner Einschätzung einmal für 60.000 bis 70.000 Euro verkaufen. Doch bis dahin vergehen 60 bis 80 Jahre. Genau das macht die Entscheidung nach dem Brand schwierig. Noch weiß er nicht, ob er die zerstörte Fläche erneut aufforsten wird. Dabei sind die privaten Waldbesitzer wichtig für die NRW-Holzwirtschaft. Rund zwei Drittel der Wälder in NRW gehören über 150.000 Privatpersonen.

Wiederaufforstung je nach Wald teuer

Für private Waldbesitzer kann ein Waldbrand schnell teuer werden. Holz, das eigentlich erst Jahre oder Jahrzehnte später verkauft werden sollte, ist beschädigt oder verliert an Wert. Gleichzeitig entstehen neue Kosten: Die Fläche muss aufgearbeitet, beschädigte Bäume müssen entfernt und anschließend wiederbewaldet werden. Wie teuer das wird, hängt stark davon ab, wie ein neuer Wald aufgebaut wird.

Nach Beispielrechnungen des Landes NRW können Pflanzung, Pflege und der Schutz von einem Hektar Mischwald in den ersten Jahren bis zu rund 15.000 Euro kosten. Wer viel Naturverjüngung nutzt und nur einzelne Baumarten ergänzt, kann deutlich günstiger davonkommen. Für Waldbesitzer kommt noch ein weiteres Problem hinzu: Ein neuer Wald bringt nicht sofort wieder Geld ein. Bis Bäume groß genug sind, um wirtschaftlich genutzt zu werden, vergehen Jahrzehnte.

Moor soll wieder zum Wasserspeicher werden

Deshalb ist es wichtig, Maßnahmen zu ergreifen, die die Waldbrandgefahr senken können. In NRW wurde beispielsweise ein Großteil der Moore trockengelegt. Das sind große natürliche Wasserspeicher, die wie Schwämme funktionieren. In Warstein im Sauerland, nur wenige Kilometer von Maas' Wald entfernt, will die Stadt das trockengelegte Moor wieder renaturieren. Das ist nicht nur besser für das Klima, sondern kann auch helfen, Waldbränden vorzubeugen.

Denn der trockene Torf in den Mooren kann selbst brennen und Feuer unter der Erde weitertragen, erklärt Lena Arens vom Forstamt der Stadt Warstein. Bis das Moor wieder richtig funktioniert, wird es aber noch lange dauern: "Ich gehe davon aus, dass wir nicht mehr erleben werden, dass das komplette Moor vernässt ist. Dazu ist der Wasserstand schon zu sehr gesunken. Das werden nur noch unsere Enkel oder Urenkel mitbekommen", sagt Arens. Die Renaturierung im Hamorsbruch soll rund 210.000 Euro kosten.

Einfach wachsen lassen – oder wieder investieren

Gegen ein neues Feuer könne ein einzelner Waldbesitzer allerdings nur wenig tun, sagt Maas. Ein flächendeckendes Frühwarnsystem hält er für kaum finanzierbar. Deshalb bleibt für ihn vor allem der Appell an Besucher: keine Zigarettenkippen, kein Glas, kein Feuer. Nach Borkenkäfer und Waldbrand steht Maas nun erneut vor der Frage, wie viel Arbeit und Geld er noch einmal in seinen Wald investieren will.

"Von diesem Wald, den wir aufforsten, lebt ja die Bauindustrie. Das ist ja alles Bauholz." Hubert Maas,
Waldbesitzer in Olsberg

Eine Möglichkeit wäre, auf Naturverjüngung zu setzen und wachsen zu lassen, was von selbst kommt. Doch Maas hatte sich bewusst für einen Nadel-Mischwald entschieden. Für ihn geht es dabei nicht nur um seinen eigenen Wald: "Wenn wir das alle nicht mehr machen, kostet eine Holzlatte im Baumarkt 30 Euro, weil dann kein Holz mehr da ist." Deshalb will er den Wald wahrscheinlich doch wieder aufforsten – auch wenn es wieder viel Arbeit wird. Das Holz wird er selbst nicht mehr verkaufen können. Von seiner Arbeit können aber die nächsten Generationen profitieren.