„Potenzial noch nicht ausgeschöpft“: Puchheims neuer Bürgermeister über Vernetzung in der Stadt

Stand: 22.08.2026, 08:09 Uhr

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Ein schattiges Plätzchen auf der PUC-Wiese hat sich Puchheims neuer Bürgermeister Thomas Hofschuster fürs Interview mit unserer Zeitung ausgesucht.

Ein schattiges Plätzchen auf der PUC-Wiese hat sich Puchheims neuer Bürgermeister Thomas Hofschuster fürs Interview mit unserer Zeitung ausgesucht. © Patrick Tietz

Thomas Hofschuster ist seit Mai Bürgermeister von Puchheim und 100 Tage im Amt. Im Interview blickt er auch auf eines der größeren Projekte: Die Lochhauser Straße.

Puchheim – Im März dieses Jahres wählten die Puchheimer Thomas Hofschuster (CSU) zu ihrem Ersten Bürgermeister. Seither sind rund 100 Tage vergangen. Zeit für einen Rückblick.

Herr Hofschuster, Sie durften den Ort für das Interview frei wählen. Einzige Vorgabe war, es sollte nicht das Rathaus sein. Jetzt sitzen wir auf der PUC-Wiese. Warum?

Aus praktikablen Erwägungen. Eigentlich ist mein Lieblingsort der Volksfestplatz, zumindest zwei Wochen im Jahr. Als ehemaliger Volksfestreferent habe ich den auch ernsthaft in Betracht gezogen. Nur wären wir dann auf dem glühenden Volksfestplatz ohne jeglichen Schatten gesessen. Dann habe ich mich für die PUC-Wiese entschieden. Allerdings auch nicht ganz ohne Grund. Hier stehen zwei schöne Kunstwerke. Ich mag diese abstrakte Kunst. Nicht unbedingt das hochglanzpolierte, sondern dieses natürliche, rostige, ein bisschen erdige. Und wenn man das paart mit einer abstrakten, modernen Form oder Verarbeitungsweise, finde ich das sehr spannend.

Ich habe mit der Gewerbepolitik einen Schwerpunkt gesetzt. Damit wir die, die hier am Ort bleiben wollen, auch halten können, wenn sie sich vergrößern möchten.

Sind Sie ein Kunstliebhaber?

Das ist die Frage, wie man Kunstliebhaber definiert. Wenn Sie als Kunstliebhaber jemanden verstehen, der ab und zu in ein Museum geht und sagt: Ach ja, das ist der Künstler. Da sieht man schon, das ist die frühe Schaffensphase. Da hatte er eine schwierige Kindheit. Deswegen sieht man hier den schwarzen Fleck. Also das bin ich nicht. Aber ich bin Kunstliebhaber im Sinne von: Kunst kann sehr inspirierend sein, regt zum Nachdenken an, eckt vielleicht auch an, sodass man sich irgendwie damit auseinandersetzt. Ob das dann irgendein unbekannter Künstler ist oder ob was Namhaftes ist – gut, das kann ich mir sowieso nicht leisten, aber schön finden darf ich es.

Von den schönen Dingen zur Politik. Sie sind seit 100 Tagen im Amt. Was haben Sie bisher erreicht?

Die 100 Tage sind recht schnell vergangen. Mit vielen Gesprächen, Kennenlernen, konstituierenden Sitzungen, Organisatorischem, das halt am Anfang gemacht werden muss. Deswegen war noch nicht so viel Zeit, wirklich mit konkreten Maßnahmen zu beginnen. Was ich mir gewünscht habe, ist, nach 100 Tagen eine Klausurtagung gemacht zu haben. Das würde jetzt in die Ferienzeit fallen, also wird die erst Ende Oktober sein. Aber das ist angestoßen. Ansonsten ist es mir ein Anliegen, Prioritäten zu setzen und mit den vielen Projekten umzugehen, die wir schon angestoßen haben, damit man die auch abarbeiten kann. Damit habe ich angefangen. Auch anfangen müssen, weil die finanzielle Lage sich momentan ja schlecht darstellt und wir schlicht und einfach dazu gezwungen sind.

Welche Projekte haben Sie da im Sinn?

Stadtmitte ist natürlich das größte und ich würde sagen plakativste, bei dem auch bis zum Herbst Kostenschätzungen vorliegen werden. Dazu gehört auch der Rahmenplan Lochhauser Straße. Und die Alpenstraße – da werden Ende September die Jury-Sitzungen für den Architekturwettbewerb sein. Es gibt natürlich noch viele andere.

Würden Sie sagen, Ihr Stil unterscheidet sich von dem Ihres Vorgängers?

Das wird man erst im Laufe der Zeit herausfinden. Ich habe mit der Gewerbepolitik einen Schwerpunkt gesetzt. Damit wir die, die hier am Ort bleiben wollen, auch halten können, wenn sie sich vergrößern möchten. Wir haben momentan aber keine größeren Flächen, auf die man verweisen könnte. Und dazu kommt selbstverständlich, dass man auch neues Gewerbe ansiedelt. Und dann ist da das Stadtmarketing, wo man versucht, die Verbindung herzustellen zwischen Bürgerschaft, Verwaltung, Stadtrat und auch der Wirtschaft. Ich glaube, da ist noch viel Potenzial, das wir noch nicht ausgeschöpft haben, weil wir eben das vernetzte Denken nicht haben. Das kann ich aber nicht allein machen, da bin ich natürlich von allen mitabhängig. Deswegen wird das auch eine große Herausforderung. Und auch im Stadtrat wird es eine Herausforderung werden, keine Lagerbildung zu haben, wobei sich schon teilweise Konflikte abzeichnen.

Welche Konflikte meinen Sie?

Ich sehe schon, dass da Tendenzen sind: Mit der AfD wollen wir nichts zu tun haben. Und dass auch geschaut wird, wer stimmt wie ab. Stimmt eine Gruppierung mit der AfD oder stimmt die AfD mit der Gruppierung? Aber sie sind demokratisch gewählt, egal wie man dazu steht. Sie sind momentan nicht verboten. Ich bin kein Freund davon, dagegen zu sein, nur weil ein Antrag von irgendeiner Partei kommt. Wenn ein konkreter Antrag zum Wohle der Stadt Puchheim eingereicht wird, dann kann man darüber nachdenken und darüber reden. Aber es gilt immer auch, kritisch zu sein und festzustellen: Okay, das klingt zwar schön und nett und gut, aber damit ist was ganz anderes bezweckt. Wobei ich da keine Partei ausnehmen würde. Man muss auch eigene Anträge kritisch hinterfragen. Und wenn man die Positionen der AfD nicht teilt, dann muss man dagegen argumentieren. Die Augen zu machen, wird nicht funktionieren. Ich glaube, so viel Sportlichkeit, so viel demokratischen Ehrgeiz muss man haben.

Gibt es denn Punkte, wo Sie mit der AfD d‘accord wären?

Also der Grundgedanke, das grundsätzliche Menschenbild, mit dem werde ich nie d’accord sein. Dafür bin ich zu sehr CSUler und tatsächlich auch christlich geprägt. Also sich der AfD gedanklich annähern, werde ich mich nicht, Punkt.

Zum Abschluss vielleicht etwas leichtere Kost. Welches Buch werden Sie sich mit in den Urlaub nehmen?

Ich habe meinen Kindern gestern ein Buch gekauft, bei dem ich mir denke, das würde mich auch interessieren, es zumindest mal anzulesen. Das ist ein Kinderbuch von Ferdinand von Schirach, Alexander, glaube ich, heißt es.