
Der DAX steht nach seinem überraschend starken Rückschlag vor einem richtungsweisenden Wochenstart. Obwohl die Wall Street vergleichsweise stabil blieb und der Ölpreis nachgab, brach der deutsche Leitindex am großen Verfallstag ein. Damit ist die vorherige Erholung nahezu vollständig verpufft. Nun entscheidet sich an einer wichtigen Unterstützung, ob der DAX zu einer Gegenbewegung ansetzt oder seinen Abwärtstrend mit einem weiteren Verkaufsschub fortsetzt.
Verfall setzt DAX unter Druck
Der DAX geriet am Freitag ohne eine neue fundamentale Belastung massiv unter Druck und verlor zeitweise fast 1,7 Prozent. Bemerkenswert war vor allem die deutliche Abkopplung von der Wall Street. Während der S&P 500 und der Nasdaq 100 zulegten und auch der Dow Jones nur einen kleinen Verlust verbuchte, setzte sich der Ausverkauf in Frankfurt bis zum Handelsschluss fort.
Die ungewöhnliche Divergenz spricht dafür, dass der große Verfall die Bewegung maßgeblich verstärkt hat. Nach der Abrechnung der DAX-Futures und -Optionen kamen größere Umschichtungen und Absicherungsgeschäfte auf den Markt. Gleichzeitig belasteten deutliche Verluste bei Schwergewichten wie der Deutschen Telekom und SAP. Mit dem Bruch mehrerer Unterstützungen wurden zudem Stop-Loss-Orders und algorithmische Verkäufe ausgelöst.
Ob der Rückgang lediglich eine technisch überzeichnete Verfallsbewegung war oder den nächsten Abwärtsschub einleitet, dürfte sich bereits zum Wochenauftakt zeigen.
Wall Street bleibt entscheidend
Die US-Aktienmärkte haben die Zinserhöhung der Fed bislang erstaunlich gut verkraftet. Allerdings ist die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen am Freitag wieder auf 5 Prozent gestiegen. Verfestigt sie sich oberhalb der psychologisch wichtigen Marke, dürfte der Bewertungsdruck auf US-Aktien zunehmen. Besonders der hoch bewertete Technologiesektor und der Nasdaq 100 wären davon betroffen.
Daneben bleibt der Ölpreis ein zentraler Belastungsfaktor. Brent notiert weiterhin oberhalb von 100 Dollar, ohne bislang größere Nervosität an den Aktienmärkten auszulösen. Auch die Volatilitätsindizes signalisieren noch keine ausgeprägte Angst. Im Gegenteil, der VIX, das sogenannte Angstebarometer für den S&P 500, gab am Freitag sogar nach. Neue Angriffe auf Tanker oder Energieanlagen im Nahen Osten könnten die Lage jedoch jederzeit verändern.
Hoffnungen auf eine Entspannung im Nahen Osten ruhen auf Trumps Treffen mit mehreren Golfstaaten am Dienstag. Noch größere Bedeutung für die Aktienmärkte dürfte jedoch das anschließende Treffen mit Chinas Staatschef Xi Jinping haben, bei dem Handel, Zölle und Technologie im Mittelpunkt stehen.
DAX erreicht letzte Bastion
Charttechnisch hat sich das Bild deutlich eingetrübt. Der DAX hat am Freitag mehrere wichtige Unterstützungen durchbrochen und mit dem Tagestief bei 25.285 Punkten die zentrale Zone zwischen 25.310 und 25.280 Punkten erreicht. Damit hat er fast seine gesamte Erholung seit dem Verlaufstief vom 15. September bei 25.172 Punkten wieder abgegeben.
Seit dem Rekordhoch vom 28. August bewegt sich der Index in einem Abwärtstrend, der immer wieder von kurzen Erholungen unterbrochen wird. Der aktuelle Rückgang könnte bereits den nächsten Abwärtsschub markieren.
Bullisches Szenario: Bullisches Szenario: Der DAX dürfte mit einem Aufwärtsgap in den Handel starten und sich damit zunächst von der wichtigen Unterstützungszone zwischen 25.310 und 25.280 Punkten lösen. Behauptet er sich oberhalb dieses Bereichs und über der Marke von 25.400 Punkten, könnte sich die technische Gegenbewegung in Richtung 25.515 und 25.580 Punkte ausweiten. Erst eine nachhaltige Rückkehr über diese am Freitag durchbrochenen Marken würde den Verkaufsdruck verringern und das kurzfristige Chartbild wieder aufhellen.
Bärisches Szenario: Fällt der Index dagegen zurück und schließt das mögliche Eröffnungsgap, dürfte die Unterstützungszone erneut auf den Prüfstand geraten. Ein Rutsch darunter dürfte zunächst die Marke von 25.200 und anschließend das Verlaufstief bei 25.172 Punkten in den Fokus rücken. Ein Bruch dieses Tiefs würde das Chartbild deutlich eintrüben. Die nächsten Ziele wären dann die offene Kurslücke bei 25.099 Punkten, die psychologisch wichtige Marke von 25.000 Punkten und später der Bereich um die 200-Tage-Line bei 24.771 Punkte.
DAX-Widerstände: 25.500, 25.580, 25.656 (TH), 25.729, 25.765 (SMA50), 25.800, 25.920
DAX-Unterstützungen: 25.285 (TT), 25.200, 25.172 (Verlaufstief), 25.099 (Gap), 25.000. 24.771 (SMA200)

Dax-Chart auf TradingView-Basis
Hinweis: Die im Artikel enthaltenen Marktanalysen und charttechnischen Einschätzungen dienen ausschließlich Informationszwecken und stellen weder eine Anlageberatung noch eine Handelsempfehlung dar.

Über den RedakteurStefan Jäger
Finanzjournalist und Trader
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
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