Stand: 21.09.2026, 07:53 Uhr
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Während der Wiesn häufen sich die Unfälle und Verletzungen in München. Die Kliniken stehen vor großen Herausforderungen. Vergangenes Jahr gab es sogar einen neuen Rekord.
München – Jedes Jahr lockt das Oktoberfest in München Millionen von Besuchern auf die Theresienwiese. Dort wird ausgelassen gefeiert – und oft reichlich Alkohol getrunken. Das bleibt nicht ohne Folgen: Während der Wiesn steigt nicht nur der Bierkonsum. Auch die medizinischen Notfälle in München gehen nach oben.

Alkohol und Verletzungen: Die Schattenseite der Wiesn – neuer Rekord wurde 2025 aufgestellt
Das LMU‑Klinikum Innenstadt berichtet, dass im vergangenen Jahr während des Oktoberfests 1268 Patienten behandelt wurden. Außerhalb der Wiesn, in einem vergleichbaren Zeitraum, lag die Zahl bei 1055. Das bedeutet einen Zuwachs von 213 Notfallpatienten, was einem Anstieg von etwa 20 Prozent entspricht.
Das Klinikum weist darauf hin, dass diese Zahl nicht das gesamte medizinische Einsatzgeschehen auf dem Oktoberfest widerspiegelt. Viele leichtere Erkrankungen und Alkoholvergiftungen werden bereits vor Ort behandelt. Ins Klinikum kommen Patienten, bei denen aufgrund der Schwere der Erkrankung, einer Verletzung oder unklarer Bewusstseinsstörungen weiterführende Diagnostik oder Behandlung notwendig ist.
Die Mehrbelastung im Klinikum während der Festtage bestehe allerdings nicht nur aus klassischen Alkoholvergiftungen. Alkohol sei laut dem LMU-Klinikum häufig auch ein Faktor bei Unfällen oder Verletzungen. 2025 wurden insgesamt 208 Menschen mit Kopfverletzungen behandelt.

Zu den häufigen Verletzungen zählen Arm- und Beinbrüche sowie Schnittverletzungen. „Einige Besucher hatten sich nach dem Oktoberfestbesuch auch lebensbedrohliche Verletzungen durch ungebremste Kopfstürze aus erheblicher Höhe in alkoholisiertem Zustand zugezogen“, erklärt Prof. Dr. Markus Wörnle, ärztliche Leitung Zentrale Notaufnahme und Aufnahmestation Klinikum Innenstadt.
Wie groß die medizinische Belastung direkt auf dem Festgelände ist, zeigen Zahlen der Aicher Ambulanz. Der Wiesn-Sanitätsdienst versorgte letztes Jahr insgesamt 7158 Patienten – 23 Prozent mehr als im Vorjahr (2024 waren es 5801). Trotz dieser hohen Zahl, fiel die Schwere der Verletzungen und Erkrankungen im Vergleich zu früheren Jahren geringer aus.
Die Oktoberfest-Notfälle 2025 in Zahlen
Der höchstgemessene Atemalkoholwert lag laut der Aicher Ambulanz bei 3,8 Promille. Außerdem mussten 30 Minderjährige wegen einer Alkoholintoxikation behandelt werden – ähnlich viele wie im Vorjahr. Besonders einsatzreich war der erste Wiesn-Samstag: Mit 910 Versorgungen war er der einsatzreichste Tag der Oktoberfestgeschichte und schlägt somit den bisherigen Rekord von 2023.

Insgesamt rückten die Tragebesatzungen im vergangenen Jahr zu 2188 Einsätzen aus. Im Durchschnitt erreichten die Einsatzkräfte ihre Patienten auf dem Festgelände innerhalb von 3 Minuten und 52 Sekunden – 17 Sekunden schneller als im Vorjahr.
Alkohol im Blut: So wirkt Promille
Schon ab 0,2 Promille entspannt Alkohol, verlangsamt aber gleichzeitig die Reaktionen. Ab 0,5 Promille sinkt das Urteilsvermögen, Risikobereitschaft und Aggression steigen, und der Blick verengt sich zum Tunnelblick. Erreicht der Wert 1,0 bis 2,0 Promille, folgen Torkeln, Lallen und starke Stimmungsschwankungen.
Ab 2,0 Promille versagen Orientierung sowie Koordination, begleitet von Gedächtnislücken und Erbrechen. Zwischen 2,5 und 4,0 Promille tritt eine tiefe Betäubung bis hin zur Bewusstlosigkeit ein. Werte über 4,0 Promille sind lebensgefährlich: Es drohen Koma, Atemstillstand und tödliche Unterkühlung. Wie schnell diese Stufen erreicht werden, ist individuell und hängt stark von Geschlecht, Gewicht und Mageninhalt ab.
Quelle: ADAC
Für die Kliniken bleibt die Wiesn eine besondere Belastung. Auch in diesem Jahr stellt sich das LMU-Klinikum auf eine erhöhte Belastung während des Oktoberfestes ein. Die Aicher Einsatzkräfte bereiten sich schon einige Wochen vor dem Oktoberfest auf den Dienstalltag vor. Sie absolvierten eine auf den Oktoberfest-Dienstalltag zugeschnittene Onlineschulung, die den Kräften noch mehr Routine in den Abläufen der 16 Tage geben soll. (Quellen: LMU Klinikum, Aicher Ambulanz, ADAC)