Demokratie-Kritiker Thiel lässt sich feiern: „Hassmedien“, Versagen der Mitte und klare Worte zur AfD
Stand: 25.09.2026, 19:59 Uhr
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Peter Thiel erhält den Axel Springer Award. Beim Blick auf seine Aussagen zu Demokratie, „Hassmedien“, AfD und dem Versagen der politischen Mitte wird die Ehrung widersprüchlich.
Berlin – Peter Thiel lässt sich in Berlin feiern. Der Unternehmer und Investor erhält den Axel Springer Award 2026. Geehrt wird er für seinen Einfluss auf Technologie, Wirtschaft und gesellschaftliche Debatten. Gleichzeitig drängt sich bei der Ehrung eine Frage auf: Wie passt ein Mann, der die Vereinbarkeit von Freiheit und Demokratie grundsätzlich infrage gestellt hat, zu einer Veranstaltung, bei der sein Unternehmen Palantir als wichtig für die „Resilienz von Demokratien“ bezeichnet wird?

Thiel ist längst mehr als ein erfolgreicher Unternehmer. Er war Mitgründer von PayPal, der erste externe Investor von Facebook und gründete Palantir mit. Politisch ist der Milliardär ebenfalls einflussreich. Er unterstützte Donald Trump und wird zu den wichtigsten Geldgebern des republikanischen Lagers gezählt. Auch Trumps Vizepräsident JD Vance wurde von Thiel politisch unterstützt. Seine Haltung ist dabei stark libertär geprägt – und damit keineswegs deckungsgleich mit der deutschen politischen Mitte.
Demokratie-Kritiker Peter Thiel glaubte selbst nicht an die Vereinbarkeit von Demokratie und Freiheit
Zu Thiels politischem und gesellschaftlichem Einfluss gehört auch sein umstrittenes Weltbild. Die Zeit verweist auf Berichte über seine apokalyptische Weltsicht und seine religiöse Ideologie. Zugleich ist sein Unternehmen Palantir in Deutschland Gegenstand einer Debatte darüber, ob Sicherheitsbehörden die umstrittenen Datenanalyse-Produkte des Konzerns einsetzen sollten.Thiel hat selbst beschrieben, wie er über das Verhältnis von Freiheit und Demokratie denkt. In seinem 2009 veröffentlichten Essay „The Education of a Libertarian“ schrieb er: „I no longer believe that freedom and democracy are compatible.“ Er glaube also nicht mehr daran, dass Freiheit und Demokratie miteinander vereinbar seien.
Seine Kritik richtete sich dabei grundsätzlich gegen demokratische Politik und die Vorstellung, dass politische Mehrheiten automatisch der beste Weg zur Sicherung individueller Freiheit seien.Die Aussage lässt sich deshalb nicht ohne Weiteres als aktuelle Position Thiels darstellen. Inzwischen betont er, für Demokratie und Wahlen zu sein. Seine damalige Äußerung ist dennoch Teil seiner Biografie und beschreibt ein grundsätzliches Spannungsverhältnis zwischen individueller Freiheit und demokratischer Herrschaft, das in seinen politischen Überlegungen eine Rolle spielt.
Axel Springer zeichnet Thiel nicht ausdrücklich für eine bestimmte demokratische Haltung aus. Der Verlag begründet die Ehrung mit seinem Einfluss als Unternehmer, Investor und Vordenker. Gleichzeitig schreibt Axel Springer über Palantir, das Unternehmen sei eines der für die „Resilienz von Demokratien“ wichtigsten Unternehmen unserer Zeit. Der Widerspruch entsteht also nicht allein durch die Preisverleihung, sondern durch die Kombination aus Thiels eigenen Aussagen und der demokratischen Bedeutung, die Springer seinem Unternehmen zuschreibt.
Peter Thiel kritisiert AfD und schiebt Schuld auf die politische Mitte
Thiel selbst nutzt seinen Auftritt, um sich deutlich zur AfD zu äußern. Im Gespräch mit Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner sagt er, bei den Themen Ukraine, China und Israel könne man zwar diskutieren, bei allen drei Punkten sei die Position der AfD aus seiner Sicht jedoch falsch. Gleichzeitig erklärt Thiel den Erfolg von AfD und Linken mit dem Versagen der politischen Mitte. Sie habe es nicht geschafft, eine wirtschaftliche Zukunft zu schaffen, die für die gesamte Gesellschaft funktioniere.
Seine Deutschland-Diagnose fällt grundsätzlicher aus. Thiel kritisiert unter anderem die wirtschaftliche Entwicklung des Landes und die Situation junger Menschen. Hohe Mieten und fehlende wirtschaftliche Perspektiven seien zentrale Probleme. Deutschland und Europa seien zu stark auf die Interessen älterer Generationen ausgerichtet. Die etablierten politischen Kräfte hätten es aus seiner Sicht versäumt, darauf überzeugende Antworten zu geben.
Thiel kritisiert zudem, was er als einseitige Berichterstattung linker Medien bezeichnet. In seinem Gespräch mit Mathias Döpfner spricht er von „Hassmedien“ und wirft Teilen der Medienlandschaft vor, bestimmte politische Positionen nicht ausreichend zuzulassen.
Axel Springer Award für Peter Thiel: Zwischen Demokratiekritik und heutiger Position
Neben seiner Kritik an der AfD stehen damit auch Thiels frühere Aussagen zur Demokratie im Raum. Seine heutige Aussage, er stehe für Demokratie und Wahlen, steht neben seinem Essay von 2009. Beide Positionen gehören zu den Aussagen, die bei der Einordnung seines politischen Denkens berücksichtigt werden müssen.
Denn Thiel ist nicht nur jemand, der eine Meinung zur AfD hat. Er ist ein Milliardär mit erheblichem wirtschaftlichem und politischem Einfluss, ein Unterstützer Donald Trumps und ein Unternehmer. Wenn ein solcher Mann über die Zukunft demokratischer Gesellschaften spricht, ist deshalb nicht nur interessant, was er über die AfD sagt – sondern auch, was er unter Freiheit und Demokratie versteht. (Quellen: Axel Springer, Bild, die Zeit, eigene Recherche) (nmr)