Der logische Schritt: Jürgen Klopp wird heute offiziell Bundestrainer, ein Blick auf seinen Werdegang

Stand: 24.07.2026, 06:00 Uhr

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Jürgen Klopp.

Im Jahr 2001: Jürgen Klopp als Trainer des FSV Mainz 05. © Imago/Sämmer

Dass Jürgen Klopp mal Bundestrainer werden sollte, war eigentlich für jeden Fußball-Fan in Deutschland klar. Lange Zeit gab es nur das Problem: Irgendwie schien Klopp selbst gar kein Interesse an dieser Aufgabe zu haben.

Immer dann, wenn er darauf angesprochen wurde, ob er denn nicht wollen würde, ob er es sich denn nicht vorstellen könne, verneinte der 59-Jährige. Doch als es nach der abermals verkorksten WM in den USA, Mexiko und Kanada mit Julian Nagelsmann beim Deutschen Fußball-Bund zu Ende ging, da ging es mit Jürgen Klopp plötzlich ganz schnell. Praktischerweise war Klopp während des Turniers als Experte für Magenta im Einsatz, konnte täglich befragt werden – und war interessiert.

Von da an war eigentlich klar, dass er es werden wird: neuer Bundestrainer, der 13. in der Geschichte. Und aus Außensicht ist er noch viel mehr: der Heilsbringer, die letzte Hoffnung des deutschen Fußballs, der einzige, der uns noch retten kann. Das ist freilich ein wenig überspitzt formuliert. Und dennoch herrscht ja derzeit das Gefühl vor: Wenn nun auch noch Klopp an dieser Aufgabe scheitert, dann sind wir endgültig verloren. Wer, ja, wer soll uns dann bitte zurück in die Weltspitze führen?

Dass das nicht zwangsweise richtig sein muss, hat das wenige Tage zurückliegende WM-Finale bewiesen. Mit Luis de la Fuente sowie Lionel Scaloni standen sich da zwei Übungsleiter gegenüber, die kaum oder gar keine Erfahrung auf Klub㈠ebene und keinen Ruf als Welttrainer haben. Klopp hat den. Und er hat auf jeder seiner Stationen bewiesen, dass er einer Mannschaft Mentalität und Leidenschaft einimpfen kann. Und dass er – nicht direkt, aber mit etwas Zeit – eine Gruppe zusammenfügt und entwickelt, die erfolgreich wird.

Im Februar 2001 wurde Klopp über Nacht vom Spieler zum Trainer beim FSV Mainz 05. Der damals 33-Jährige galt in der Öffentlichkeit angesichts der leeren Vereinskasse als Notlösung – und entpuppte sich als Glücksgriff. Unter Trainer Wolfgang Frank hatten die Mainzer in der zweiten Liga ihr Spiel innovativ umgestellt, agierten mit einer Viererkette, spielten Raumdeckung und ballorientiert, Klopp galt als sein verlängerter Arm auf dem Platz. Frank verließt die Mainzer 2000 ein zweites Mal – und unter Eckhard Krautzun taumelte der FSV 2001 dem Abstieg entgegen. Dann übernahm Klopp und gewann als Interimscoach sechs der ersten sieben Spiele.

Jürgen Klopp

Beim BVB: Jürgen Klopp. © Imago/Sportfotodienst

Klopp führte die Mainzer in die Bundesliga und den Uefa-Pokal – und auch wenn er den Verein nach einem Abstieg wieder in der zweiten Liga verließ, war er es, der den Grundstein für den heutigen Bundesligisten 1. FSV Mainz 05 legte. Sein nächster Karriereschritt war Borussia Dortmund. 2008 übernahm er die kriselnden Schwarz-Gelben, die in den Jahren zuvor nicht mehr zu den besten Teams der Bundesliga gehört hatten. Innerhalb von drei Jahren formte Klopp eine Mannschaft, die er zunächst zurück ins internationale Geschäft führte, dann zu zwei Meisterschaften und ins Champions-League-Finale.

2015 war seine Zeit beim BVB zu Ende. Eigentlich wollte sich der Trainer eine Pause nehmen. Doch als ihm sein Berater Marc Kosicke, der in Kassel lebt, im Oktober die Möglichkeit eröffnete, den FC Liverpool zu trainieren, da war die Auszeit schnell wieder vorbei.

Jürgen Klopp.

In Liverpool: Jürgen Klopp. © Imago/Action Plus

Klopp war damals erst der zweite deutsche Premier-League-Trainer nach Felix Magath – und dann gleich Liver㈠pool. Auch die Reds hatten eine Durststrecke hinter sich, und wieder benötigte Klopp zunächst ein wenig Anlaufzeit, bis er das Team umgebaut hatte. Nach drei Jahren erreichte er mit Liverpool dann aber das Champions-League-Finale, ein Jahr später gelang der Triumph in der Königsklasse und 2020 feierten die Reds den ersten Meistertitel seit 30 Jahren. Klopp verließ die Anfield Road 2024 als Legende.

Jürgen Klopp.

Und jetzt Bundestrainer: Jürgen Klopp. © Imago/MIS

Nun also Bundestrainer. Und freilich bedeutet ein guter Trainer nicht gleich, dass das Nationalteam demnächst wieder um Titel spielt. Doch Klopp kann in komplizierten Situationen übernehmen und eine Mannschaft umkrempeln. Das hat er mehrfach bewiesen. Und er ist als Bundestrainer der logische Schritt. (Maximilian Bülau)