Edersee unterschreitet 40 Millionen Kubikmeter – Wasserabgabe gestoppt

Stand: 24.07.2026, 06:00 Uhr

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Rotes drüsiges Springkraut an der ersten Sohlgleite der Eder bei Wellen im Sommer 2026.

Plötzlich kann man durchlaufen: die Eder an der ersten Wellener Sohlgleite am Donnerstag. Bei 6 Kubikmetern pro Sekunde Ablass ist die Welt für Tiere und Pflanzen noch in Ordnung. Sollte die Abgabe mangels Niederschlägen in den nächsten Wochen weiter zurückgehen, wird es deutlich enger für die Auenbewohner. © Matthias Schuldt

Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt hat die Unterstützung für die Oberweser auf ein Minimum reduziert. Unterdessen nennen Urlauber den niedrigen Wasserstand als Grund für ihre Zurückhaltung bei Buchungen.

Edersee – Mitten in der Sommerferienzeit von Hessen und Nordrhein-Westfalen – den wichtigsten Einzugsgebieten des Edersee-Tourismus – ist die Talsperre erschöpft. Am Mittwoch hat das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) die Wasserabgabe aufs Minimum von 6 Kubikmetern pro Sekunde reduziert, weil die Grenze von 40 Millionen Kubikmetern Inhalt im Edersee unterschritten ist.

Über Wochen hatte das WSA bis zu knapp 40 Kubikmeter pro Sekunde Richtung Weser geschickt. Das entspricht einem Aderlass von 3,5 Millionen Kubikmetern oder 1,8 Prozent des gesamten Seevolumens – an einem einzigen Tag. Nur so hielt der Pegel die etwa 1,25 Meter bei Hann. Münden, und die Oberweser blieb ohne Einschränkung schiffbar. Der Pegel dort stürzt nun ab auf 50 Zentimeter und weniger. Die Kiesschiffer gehen in eine Zwangspause von unbekannter Länge. Die Tourismusschifffahrt zwischen Hann. Münden und Minden steht vor dem vorzeitigen Saisonende.

Mit Einbußen wie diesen ringen sie am Edersee seit Wochen. „Bei den Urlaubsbuchungen registrieren wir einen deutlichen Rückgang. Mehr und mehr nennen uns Gäste den niedrigen Wasserstand als Begründung“, erklärt Claus Günther, Geschäftsführer des Edersee-Marketings. Das Bild von der kaum gefüllten Talsperre beginnt sich in den Köpfen der Sommerurlauber als Normalzustand festzusetzen.

Wie die Bilanz bei den Gastgebern 2026 ausfalle, lasse sich in etwa drei Wochen genauer sagen, denn der Trend zu kurzfristigen Buchungen setze sich fort. Doch Günther hat schon jetzt keinen Zweifel daran: Der vielzitierte, vermehrte Hang der Deutschen zum Urlaub im eigenen Land geht am Edersee vorbei: „Davon profitieren Nord- und Ostsee.“ Wenn das Hauptargument für dieses Ziel – wunderschöne Landschaft mit Buchenurwald im Nationalpark plus Wasserspaß – seines dritten Elements in der Hauptsaison beraubt wird, fällt es der Region mit dem Edersee im Namen zunehmend schwerer, sich im Markt zu behaupten.

Die negativen Folgen des Klimawandels treten für die Wirtschaft am Edersee wie an der Weser also unmissverständlich zutage. Trockene Sommer und dazu zwar nasse, aber schneearme Winter entwickeln sich zur Normalität. „Schneeschmelzen und Regenfälle füllten den Edersee früher rechnerisch 3,5 Mal pro Jahr. Heute läuft er im übertragenen Sinn gerade noch 1,8 Mal voll“, unterstreicht Hubert Schwarz vom Regionalverband Eder-Diemel (RVED).

Sonderziehung im Wetterlotto

So unwirklich es klingt – Edersee und Oberweser hatten mit den Niederschlägen 2026 sogar noch großes Glück. Im Spätwinter fielen im Einzugsgebiet der Talsperre nennenswerte Schneemengen, an die sich ein Sechser im Wetterlotto anschloss: eine idealtypische Schneeschmelze. Ohne diese Sonderziehung wäre der Edersee schon Ende Juni, Anfang Juli mit Blick auf die Weserstützung leer gelaufen als Folge des trockenen Sommers 2025 und eines lange nur mäßig feuchten Winters.