Diplomatie
Der ukrainische Botschafter verlässt Wien
Seit Herbst 2021, und damit die gesamte bisherige Zeit der Vollinvasion, war Wassyl Chymynez geschätzter Vertreter der Ukraine in Österreich
Fabian Sommavilla
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat am Montag den seit Herbst 2021 in Wien amtierenden Botschafter der Ukraine, Wassyl Chymynez, abberufen. Das bestätigte die Botschaft dem STANDARD. Ein diesbezüglicher Erlass wurde zudem auf der Internetseite der ukrainischen Präsidentschaftskanzlei veröffentlicht. Ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin stehen offiziell noch nicht fest, in diplomatischen Kreisen in Kyjiw wird spekuliert, dass ein Diplomat der jüngeren Generation mit Österreich-Erfahrung zum Zug kommen soll. Eine Möglichkeit wäre wohl Nazar Stetsyshyn, der ehemalige Botschaftssekretär, der erst im vergangenen Jahr ins Präsidentenbüro zurückbeordert wurde.
"Dieser Erlass ist für mich nicht überraschend, denn die üblichen fünf Jahre sind vorbei", erklärte Chymynez am Mittwoch auf APA-Nachfrage. Der Botschafter befand sich auf Dienstreise bei der Botschafterkonferenz in der ukrainischen Hauptstadt, wird aber noch nach Wien zurückkehren. Immer wieder reiste Botschafter Chymynez mit österreichischen Delegationen gemeinsam nach Kyjiw und erwies sich dabei als hilfreicher Vermittler.
Vom Krieg dominiert
Der Karrierediplomat, Jahrgang 1970, war am 30. Juli 2021 von Selenskyj zum Botschafter in Österreich ernannt worden. Seine Amtszeit war vom russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine geprägt. Insbesondere beschäftigte sich der Diplomat damit, die Solidarität Österreichs mit seinem angegriffenen Heimatland sicherzustellen. Chymynez war immer bemüht, das Schicksal der Ukraine im öffentlichen Diskurs zu halten. Regelmäßig reiste er durch Österreich, sprach mit den Bürgermeistern der Städte, Vertretern der Parlamentsparteien oder der Wirtschaft.
Im Gespräch mit Bürgern griff er gern zu Nachbarschaftsmetaphern, wenn er etwa erklärte, warum man als Ukraine auf die Einhaltung international akzeptierter Regeln wie jene der UN-Charta poche. Was, wenn jemand Ihnen gewaltsam den Garten wegnimmt, dann das Haus und dabei bereit ist, über Leichen zu gehen, Frauen und Kinder zu töten? Das dürfe man niemals akzeptieren, sagte er einmal zum STANDARD.
"Der Preis für den Krieg muss für Putin so hoch sein, dass er nicht länger in der Lage ist, diesen Krieg weiterzuführen", forderte er im STANDARD-Gespräch vor fast zwei Jahren mehr ausländische Waffenlieferungen. Dass in Österreich diesbezüglich nicht viel zu holen war, war ihm stets bewusst. Für die humanitäre Hilfe zeigte er sich dennoch stets dankbar. (Fabian Sommavilla, APA, 5.8.2026)
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