Gestreckter Fahrplan für Korridorsanierungen: Wann die Bahn welche Hauptstrecke sperrt

Bahn und Bund wollen in den kommenden fünf Jahren deutlich weniger viel befahrene Strecken sanieren lassen als bislang geplant. Bis 2031 sollen nur noch 13 statt 21 Strecken umfassend erneuert werden, wie die Deutsche Bahn und das Verkehrsministerium am Freitag mitteilten. Mit dem geänderten Konzept wolle man die Zeit- und Kostenpläne besser einhalten und dafür sorgen, dass der Verkehr zuverlässiger wieder aufgenommen werden kann. Weniger Sanierungen auf einmal anzugehen, trage »den knappen Verkehrskapazitäten auf dem vollen deutschen Schienennetz und den Ressourcen der Bauindustrie Rechnung«.

Das Prinzip, zentrale Trassen für mehrere Monate voll zu sperren und in dieser Zeit möglichst viele Bauarbeiten zu erledigen, nannten sowohl Verkehrsminister Steffen Bilger (CDU) als auch Bahn-Chefin Evelyn Palla weiterhin richtig. »Es werden keine Korridorsanierungen gestrichen, sondern nur verschoben«, hieß es. Im kommenden Jahr werde festgelegt, in welcher Reihenfolge die übrigen Strecken ab 2032 drankommen.

Das sind die 13 Strecken, die bis 2031 angegangen werden sollen:

2027

  • Lehrte–Berlin (läuft bereits)

  • Rosenheim–Salzburg

  • Fulda–Hanau

2028

  • Köln–Koblenz

  • München–Rosenheim (1. Etappe)

  • Hagen–Unna–Hamm

  • Lübeck–Hamburg

2029

  • Hamburg–Hannover

  • Würzburg–Ansbach–Treuchtlingen

  • Aachen–Köln

2030

  • Stendal–Magdeburg

  • Uelzen–Stendal

2031

  • Lehrte–Groß Gleidingen

  • München–Rosenheim (2. Etappe)

Was besser werden soll

Geändert wurde das Konzept mit Blick auf die Umleitungen. Die für die Infrastruktur zuständige Bahn-Tochter InfraGo bereite die Umleiterstrecken intensiver vor und stimme den Bauablauf mit weiteren Baustellen im Schienennetz ab. Insbesondere die Wettbewerber im Güterverkehr hatten zuletzt immer wieder kritisiert, dass Umleitungen nicht ausreichend vorbereitet und kommuniziert worden seien.

Nach Abschluss der Bauarbeiten soll der Zugverkehr künftig nur schrittweise wieder hochgefahren werden – statt dass wie bisher an einem bestimmten Datum alle Verkehrsträger wieder fahren sollten. Zuerst kommen Güterzüge; erst, wenn sich deren Betrieb eingespielt hat, auch Passagierzüge. Bei den bislang abgeschlossenen Generalsanierungen hatte es nach Abschluss der Arbeiten immer wieder Probleme etwa mit verspäteten Zügen gegeben.

Anders als bisher sollen alle Strecken ab Anfang der 2030er-Jahre zudem vollständig für das digitale Zugleitsystem ETCS ohne Signale vorbereitet werden. »Das heißt, dass alle erneuerten Stellwerke bereits ETCS-fähig werden und dass angepasste Signalstandorte und moderne Achszähltechnik verbaut werden«, teilte die Bahn mit. Bisher war das auf vielen Strecken nur auf einzelnen Abschnitten geplant.

Ein Konzept der alten Regierung

Das Konzept der Generalsanierung entstand unter dem früheren Verkehrsminister Volker Wissing und dem damaligen Bahn-Chef Richard Lutz und wurde im Februar 2023 vorgestellt. Bis 2031 sollten rund 40 viel befahrene Bahnstrecken in Deutschland über Monate gesperrt und grundlegend saniert werden. Dafür sollten sie im Anschluss für rund zehn Jahre baufrei bleiben und deutlich weniger störanfällig werden. Allmählich würde sich die Pünktlichkeit im gesamten Netz auf diese Weise verbessern, betonten beide.

Der Plan sah ursprünglich bis zu acht Sanierungen pro Jahr vor. Nach deutlicher Kritik insbesondere von den Wettbewerbern im Güterverkehr wurde das Konzept unter der neuen Bundesregierung im Jahr 2025 erstmals grundlegend angepasst. Die Anzahl der Sanierungen pro Jahr wurde auf vier bis fünf begrenzt. Der Gesamtzeitplan wurde bis zum Jahr 2036 gestreckt.

Große Probleme bei Hamburg–Berlin

Mit viel Aufbruchstimmung startete im Jahr 2024 die erste der 40 Sanierungen auf der sogenannten Riedbahn zwischen Frankfurt und Mannheim. Nach sechs Monaten Bauzeit wurde die Strecke im Dezember desselben Jahres wiedereröffnet.

Doch schon beim zweiten großen Projekt kam die Ernüchterung. Auf der Strecke Hamburg–Berlin konnten aufgrund der Kälte im Januar und Februar dieses Jahres Kabelarbeiten im festgefrorenen Boden nicht durchgeführt werden. Die Eröffnung der Strecke verzögerte sich um rund sechs Wochen. Direkt danach kam es zu erheblichen Verspätungen und Zugausfällen. Es gab weitere nächtliche Sperrungen und Umleitungen, um Restmängel auf der Strecke zu beseitigen.

Kurz danach verkündete die Bahn auch auf der Strecke Nürnberg–Regensburg eine verspätete Wiedereröffnung.

Palla steuert um

An der schlechten Pünktlichkeit im Gesamtnetz haben die bisherigen Sanierungen zudem nichts geändert. Im ersten Halbjahr 2026 waren weniger als 60 Prozent der Fernzüge pünktlich unterwegs. Auf den sanierten Strecken habe es messbare Fortschritte gegeben, betonte die Bahn.

Die neue Bahn-Chefin Evelyn Palla kündigte im Juli an, das Konzept der Generalsanierungen grundlegend auf den Prüfstand zu stellen. »Sie können mir glauben, auch ich bin verärgert, dass das nicht funktioniert hat, dass das nicht geklappt hat«, sagte sie damals. »Denn es ist ganz klar und auch unser Anspruch, dass wir Fristen und auch Kosten der Korridorsanierungen immer und vollumfänglich einhalten.«

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Einige Wochen später hob Palla den Zeitplan bis 2036 auf. Die Sanierungen würden deutlich länger dauern, hieß es. Jetzt steht der neue Fahrplan.