Deutsche Gasspeicher jetzt erst zur Hälfte gefüllt: Experten fürchten höhere Preise
Stand: 20.08.2026, 14:15 Uhr
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Deutschlands Gasspeicher sind so leer wie seit Jahren nicht. Die Bundesregierung beruhigt, doch Verbraucherschützer und Experten warnen vor Engpässen und hohen Preisen.
Berlin – Die deutschen Gasspeicher sind erst zu 50 Prozent befüllt – und das zu so einem späten Zeitpunkt wie seit Jahren nicht mehr. Angesichts der geringen Füllstände hat die Vorständin des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv), Ramona Pop, nun vor steigenden Preisen für Gaskunden gewarnt. „Wir beobachten die Gasspeicherstände sehr genau und sehen die möglichen Herausforderungen für den kommenden Winter. Die Einkaufspreise für Gas steigen seit Beginn des Krieges im Nahen Osten deutlich“, sagte Pop der Rheinischen Post.

„Niedrige Speicherstände würden die bereits angespannte Lage auf den Energiemärkten in der kommenden Heizsaison weiter verschärfen. Für Privathaushalte kann das höhere Energiepreise bedeuten“, erklärte Pop. Gaskunden riet sie zur Vorsicht: „Verbraucherinnen und Verbraucher sollten jetzt prüfen, ob ihr Vertrag über den Winter hinaus eine Preisbindung vorsieht“, sagte Pop. Das schütze zunächst vor steigenden Preisen. Zugleich lohne es, Preise zu vergleichen und gegebenenfalls zu einem günstigeren Anbieter zu wechseln.
Gasspeicher in Deutschland erst zur Hälfte befüllt: Wirtschaftsministerium setzt auf auf Norwegen und Co.
Um die Befüllung der Gasspeicher noch rechtzeitig voranzutreiben, nehmen Bundeswirtschaftsministerium und Bundesnetzagentur die Gashändler in die Pflicht. Die zögern jedoch: Das eigentlich im Sommer günstigere Gas ist durch die unsichere Situation in der Straße von Hormus aktuell deutlich teurer. Bei Gedanken an eine Versorgungskrise wie im Winter 2022 beschwichtigt das Ministerium von Katherina Reiche gegenüber tagesschau.de: „Fast die Hälfte unseres Gasbedarfs kommt aus Norwegen. Dazu bekommen wir Pipeline-Gas aus Frankreich und aus Belgien“, sagt eine Sprecherin, die zudem auf den Flüssiggasimport an den LNG-Terminals verwies.
Die Füllstände der Gasspeicher und der Preis – im Detail
Ein tatsächlicher Preiseffekt durch niedrige Speicherstände droht Experten zufolge vor allem dann, wenn leere Speicher am Ende eines Winters auf eine späte Kältewelle treffen. In einem solchen Szenario wurden Preissteigerungen auf 40 €/MWh prognostiziert.
Massive Preissprünge (wie der Anstieg auf über 300 €/MWh im Jahr 2022) werden primär durch geopolitische Krisen wie den Ukraine-Krieg ausgelöst, nicht durch die Speicherstände allein. In der aktuellen Lage (2026) trieb etwa die Sperrung der Straße von Hormuz die Preise von 30 € auf über 60 €/MWh, obwohl die Versorgung durch LNG aus den USA und Pipeline-Gas aus Norwegen als stabil gilt.
Gasspeicher-Warnung auch von Experten: Bloß kein kalter Winter 2026
Trotz der Erklärungen aus dem Bundeswirtschaftsministerium sind die Verbraucherschützer nicht die einzigen kritischen Stimmen. Dass die Gasspeicher in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr erst über anderthalb Monate später 50 Prozent erreicht haben, verbinden auch Experten mit einer Warnung. Auf einen milden Winter zu hoffen, damit die Füllstände ausreichen, nannte etwa Linkenpolitiker Jörg Cezanne gegenüber der Rheinischen Post einen „Poker mit der sicheren Versorgung von Wirtschaft und Bevölkerung“. Der frühere Staatssekretär Michael Kellner mahnte an, dass auch der bei einem kalten Winter noch wichtigere Import leiden könnte – und erinnerte gegenüber tagesschau.de dahingehend an die mehrere Wochen eingefrorenen LNG-Terminals im vergangenen Jahr.
Höhere Energiepreise – und dann? Verbrauchertipps seit Energiekrise 2022 beliebt
Käme es hart auf hart und ein kalter Winter würde die Reserven bis auf ein kritisches Level aufbrauchen, würde das dann teuer eingekaufte Gas hauptsächlich eins bedeuten: höhere Preise für Verbraucher. In der angespannten wirtschaftlichen Lage würde das viele Haushalte hart treffen. Statt satt draufzuzahlen, würden sich Verbraucher dann wohl eher an Energiespartipps halten, die spätestens seit der Energiekrise 2022 bekannt sind:
- Raumtemperatur anpassen: Jedes Grad weniger spart etwa sechs Prozent Heizenergie. Im Wohnbereich werden 20 °C empfohlen, im Schlafzimmer genügen 17–18 °C.
- Richtiges Lüften: Mehrmals täglich kurzes Stoßlüften (Fenster ganz auf für wenige Minuten) statt dauerhaftem Kipplüften verhindert das Auskühlen der Wände. Währenddessen sollten die Heizkörperventile geschlossen werden.
- Heizkörper-Optimierung: Radiatoren sollten regelmäßig entlüftet werden, um Luftblasen zu entfernen. Zudem dürfen sie nicht durch Möbel oder Vorhänge verdeckt sein, da sich sonst die Wärme staut.
- Warmwasser sparen: Die Warmwasserbereitung macht etwa 15 Prozent des Energieverbrauchs aus. Ein Sparduschkopf kann den Verbrauch ohne Komfortverlust halbieren.
- Abdichten: Einfache Maßnahmen wie Zugluftstopper vor Türen oder neue Dichtungen an Fenstern verhindern unnötigen Wärmeverlust.
Bis es dazu kommt, fließt jedoch noch viel Wasser die Straße von Hornus hinab. Bundesregierung, Gashändler und Verbraucher dürften gemeinsam hoffen, dass der Iran-Krieg des wankelmütigen US-Präsidenten Donald Trump nicht die nächste hektische Wendung nimmt. Gleichermaßen rücken spätestens im Herbst die Vorhersagen der Meteorologen in den Fokus: Ein nächstes Wetter-Extrem nach dem Dürre-Sommer könnte Verbraucher teuer zu stehen kommen. (Verwendete Quellen: dpa, tagesschau.de, Rheinische Post, Verbraucherzentrale, Initiative Energien Speichern, Bundesnetzagentur, Bundeswirtschaftsministerium, Beratungsgesellschaft co2online) (stma)