Deutschland Tour: der Youngster bei UAE

Moritz Mauss

Stand: 20.08.2026 • 21:01 Uhr

Moritz Mauss ist der zweitjüngste Fahrer bei der diesjährigen Deutschland Tour. Doch beinahe hätte ihm ein 50 Zentimeter langer Holzsplitter die Teilnahme gekostet.

Wenn Nils Politt beim allmorgendlichen Einschreiben auf die Bühne fährt, ist der Jubel immer noch am größten. Wenig überraschend also, dass das Community Trikot der Deutschland Tour, welches jede Etappe von den Rennveranstaltern an den beliebtesten Fahrer vergeben wird und über das die Fans abstimmen können, an den Kölner ging. "Mr. Aura" darf er sich nun nennen, passen dürfte das Leibchen in Größe L aber kaum. "Vielleicht, wenn ich in der Saisonpause ein paar Kölsch getrunken habe", witzelte Politt, kurz bevor es auf die erste Etappe von Bad Orb nach Schwäbisch Hall ging.

Es war Politts 900. Renntag als Profi, womit er bereits zwei Jahre und 170 Tage auf dem Rad verbracht hat. Von solchen Zahlen kann Moritz Mauss, der jeden Morgen neben Politt auf dem Podest steht, nur träumen. Zumindest derzeit noch. Denn der 19-Jährige fährt ebenfalls für das Team UAE, womit er der zweitjüngste Fahrer bei der diesjährigen Deutschland Tour ist. Im Übrigen nach seinem Teamkameraden Matteo Vanden Wijngaert.

UAE setzt auf Jugend

Das Team UAE, für das auch der mehrfache Tour-de-France-Sieger Tadej Pogacar fährt, setzt bei der diesjährigen Rundfahrt auf seine jungen Fahrer. Neben Mauss und Vanden Wijngaert sind auch noch Antonio Morgado sowie Isaac del Toro, Dritter der diesjährigen Tour de France, unter 25 Jahre. Und könnten damit, zumindest in der Theorie, um das Weiße Trikot des besten Nachwuchsfahrers kämpfen.

Dass Vanden Wijngaert und Mauss diese Gelegenheit überhaupt bekommen, ist allerdings eine Ausnahme. Denn die beiden fahren eigentlich für das Entwicklungsteam von UAE, dem UAE Team Emirates Gen Z. Dorthin wechselte Mauss zur aktuellen Saison, nachdem er zuvor auf der Klub-Ebene unterwegs war. Umso bedeutender sei es nun für ihn, hier zu sein. "Das Vertrauen vom Team zu bekommen und mit solchen Leuten am Start zu stehen, ist für mich ein Zeichen, wie weit ich schon in meiner Karriere gekommen bin und auch eine Bestätigung für mich selbst", so Mauss gegenüber der Sportschau. "Und ich habe mega Spaß dabei."

Großes Glück im Unglück

Moritz Mauss gilt derzeit als eines der größten Talente im deutschen Radsport – sowohl auf der Straße als auch auf der Bahn. Dort holte er erst in diesem Jahr den deutschen Meistertitel im Punktefahren, in der gleichen Disziplin sowie im Scratch wurde er zudem Junioren-Vizeweltmeister 2025. In demselben Jahr belegte er im Junioren-Rennen der Straßen-Weltmeisterschaft in Ruanda den neunten Rang. Doch das soll nur der Anfang sein. Sein großer Traum ist die Tour de France sowie die Olympischen Spiele auf der Bahn.

Dabei hat Mauss großes Glück, überhaupt bei der Deutschland Tour auf dem Rad zu sitzen. Erst im April widerfuhr dem 19-Jährigen ein Unfall der eher skurrilen Art. Beim Bahn-Meeting in Gent stürzte Mauss und rutsche anschließend über die Bahn, wodurch sich ein 50 Zentimeter langer Holzsplitter in seinen Oberschenkel bohrte. Oder besser gesagt durch seinen Oberschenkel, denn der Splitter ragte auf der anderen Seite wieder heraus. Zur Erleichterung von Mauss wurden jedoch wichtige Nerven und ein Großteil der Beinmuskulatur verfehlt. "Nur wenige Zentimeter hätten eine Karriere-beendende Verletzung bedeuten können", schrieb er nach dem Unfall in den sozialen Medien.

Keine Köln-Düsseldorfer Rivalität

Seine Teilnahme an der Deutschland Tour habe er aber nie aus den Augen verloren, auch weil die Operation im Anschluss an den Unfall gut verlaufen sei. Weniger als einen Monat später saß er bei Rund um Köln schon wieder auf dem Rad. Für die Tour habe er auch andere Rennen abgesagt, so dringend wollte er bei der Tour dabei sein. "Wenn man solch ein Ziel vor Augen hat und daran glaubt, dass man es schafft, da war ich eigentlich sicher, dass ich hier am Start stehen werde", so Mauss über die Zeit nach dem Unfall.

Nun also fährt er gemeinsam mit Nils Politt und Isaac del Toro in einem Team. Dass damit die Aufmerksamkeit eine größere ist, überrascht ihn nicht. Eher sei es ein Vorteil, dass diese die ganze Arbeit übernehmen. "Es ist ganz angenehm, dass ich eher im Hintergrund stehe", erzählt Mauss. "Da kann ich unbeobachtet mein Ding machen." Ansonsten ginge es bei UAE familiär zu. Daran ändere auch nicht, dass er aus Düsseldorf kommt, während Politt ein "Kölsche Jung" ist. "Ich war ja in Köln auf dem Internat. Ich glaube, es sind eher die Düsseldorfer bei mir zuhause, die mit meiner Nähe zu Köln ein Problem haben", fügt er lachend hinzu.

Gefragt, mit welchem Ausgang er am Ende der Deutschland Tour zufrieden sei, bleibt Mauss bescheiden. "Dass das Team ein gutes Ergebnis holt. Und wenn sie mit mir zufrieden sind, bin auch ich zufrieden." Das bedeutet wohl das Blaue Trikot für del Toro und damit der Gesamtsieg bei der Deutschland Tour. Nachdem dieser aber das nach der ersten Etappe an den Franzosen Louis Barré verlor, liegt noch ein Haufen Arbeit vor Moritz Mauss und seinen Kollegen.