Die Fifa sollte gegen Argentinien vorgehen

Stand: 16.07.2026, 18:22 Uhr

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epa13114668 Players of Argentina hold a banner reading 'The Falkland Islands are Argentine' as they celebrate their victory in the FIFA World Cup 2026 semifinals match England against Argentina, in Atlanta, USA, 15 July 2026.  EPA/WILL OLIVER

Das Banner des Anstoßes nach dem WM-Halbfinale gegen England. © Will Oliver/EPA

Nach dem 2:1 gegen England halten argentinische Spieler ein Plakat mit der Aufschrift „Las Malvinas son argentinas" in die Höhe. Die britische Regierung fordert nun eine Untersuchung durch die Fifa. Zu Recht. Ein Kommentar.

Gegen Freudentaumel mit erhobenen Fäusten ist nichts einzuwenden, und ein sportlicher Erzrivale darf auch bei einer Weltmeisterschaft mal verspottet werden. Was sich aber Argentiniens energiegeladene Fußballer im Zusammenspiel mit ihren enthemmten Fans geleistet haben, geht gar nicht: Das gewonnene Halbfinale gegen England (2:1) mit einem politischen Plakat mit Bezug auf den Krieg um die Falklandinseln zu feiern. „Las Malvinas son argentinas“ (Die Malvinas sind argentinisch) war in Versalien in dunkler Schrift auf einem weißen Laken zu lesen, das unter anderem Giovani Lo Celso in der Hand hielt. Das Banner hatte es von den Rängen wohl rasch auf den Rasen geschafft.

Kaum Zufall, wenn beide Seiten seit der WM 2022 in Katar ständig Stimmungslieder singen, in denen der Verweis auf die Malvinas zentral vorkommt. Genau wie Maradona und Messi müssen auch die Jungs von den Falklandinseln erwähnt werden. Argentinien und Großbritannien hatten 1982 mehr als 70 Tage lang Krieg um die Inseln im Südatlantik geführt. Auch wenn unter den gefallenen 1000 Soldaten mehrheitlich Argentinier waren, wurde damit zugleich der Anfang vom Ende der Militärdiktatur eingeläutet. Im Dezember 1983 kehrte Argentinien wieder zur Demokratie zurück.

Nationaltrainer Lionel Scaloni hatte extra daran appelliert, kein Öl ins Feuer zu gießen. „Wir haben ein Gedächtnis und erinnern uns daran, aber es ist nicht nötig, darüber zu sprechen.“ Auch der gebildete Fußballlehrer mit vielen Bezügen nach Europa könnte ruhig sagen: Ohne den verlorenen Falklandkrieg wäre die Militärjunta noch länger an der Macht geblieben, die auch während der WM 1978 üble Gräueltaten verübte. Insofern wirkte die Jubelfeier in Atlanta verstörend. Der Weltverband Fifa verbietet zudem rund um die WM-Spiele, politische Botschaften zu präsentieren. Die britische Regierung erwartet daher zu Recht von der Fifa nun eine Untersuchung zum brisanten Banner.

Man darf gespannt sein, was herauskommt. Bislang sind die Argentinier, gerade was ihre grenzwertige Gangart auf dem Platz angeht, erstaunlich milde davongekommen. Von einer Bestrafung ist aber nicht zwangsläufig auszugehen. Dafür sind leider die Rechtsorgane des Weltverbands zu beeinflussbar, wie der traurige Fall Folarin Balogun gezeigt hat.