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Die Franzosen lieben ihn Dieser Imbiss in Großrosseln hat seit 1969 überlebt – das ist sein Geheimnis
Serie | Großrosseln-Naßweiler · Wir stellen Gastronomen aus Völklingen, Köllertal und Warndt vor – und fragen sie dabei auch nach ihrem Lieblingsrezept. „Kellers Euro-Snack“ in Naßweiler gibt es schon seit 57 Jahren. Was ist Jörg Kellers Geheimnis?
25.07.2026 , 05:00 Uhr
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Fotos vom Besuch bei Kellers Euro-Snack in Naßweiler
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Foto: Hannah Merk
Noch in den 80er-Jahren gab es sie bei fast jedem Imbiss: Schaschlik-Spieße, die berühmten Fleischspieße aus Russland, dem Kaukasus und Südosteuropa. Heute muss man deutlich länger suchen, bis man Schaschlik beim Imbiss bekommt. Einer von denen, die die Spezialität immer noch anbieten, ist Jörg Keller in seinem Imbiss-Restaurant „Kellers Euro-Snack – Chez Rudy“ im Großrosseler Ortsteil Naßweiler, direkt an der französischen Grenze zu Freyming-Merlebach.
Kult-Imbiss in Naßweiler seit 1969
Am Bremerhof sieht es bei Tageslicht beinahe etwas trostlos aus. Doch am Ende der Straße wartet ein kultiger Ort, der seinen 80er-Jahre-Charme bis heute sympathisch bewahrt hat. Beständigkeit, das ist bei Kellers Euro-Snack „Chez Rudy“ wichtig. Am Grill steht die zweite und mittlerweile auch die dritte Generation der Kellers. Betreiber Jörg Keller ist im Dezember 60 Jahre alt geworden, „zwei bis drei Jahre muss ich schon noch machen“, meint er schmunzelnd.
Der Nachwuchs ist auch schon am Start – an diesem Tag in Form von Sohn Marvin (28). Sein anderer Sohn Manuel (33) wird den Imbiss mit übernehmen. Während Manuel aus dem Lebensmittelgroßhandel kommt, ist Marvin Quereinsteiger. Nach mehreren Jahren bei der Bundeswehr wollte er sich eigentlich nur etwas Geld bei Papa dazuverdienen – und ist geblieben. Jörg Keller ist sehr froh über die Situation: „Dann kann auch der eine den anderen vertreten.“
„Manche sagen ja, im Saarland hört die Welt auf. Man könnte auch genauso gut sagen: Im Saarland fängt die Welt an“, meint Jörg Keller, 1. FCS-Fan und stolzer Saarländer, der aber auch fließend Französisch spricht. In jedem Fall fängt Deutschland hier an – und diese Tatsache ist ein wichtiger Erfolgsfaktor. Denn 95 Prozent der Kundschaft kommt aus Frankreich. Viele der Angebote gibt es in Frankreich nicht oder anders. Das macht den Standort so attraktiv. Manche Kunden begleiten den Euro-Snack schon seit 50 Jahren und sind heute Senioren. Deshalb hat Jörg Keller mittlerweile auch einige normale Tische und Stühle vor Ort – dann müssen die Älteren nicht auf die Hocker klettern.
Der Vater eröffnete einen Imbisswagen an belebter Straße
Jörg Kellers Vater Rüdiger hat 1969 mit einem Imbisswagen angefangen, ehe er in den 80er-Jahren das Gebäude am Bremerhof 81 kaufte, in dem sich der Imbiss auch heute noch befindet. Damals sei dort vieles anders gewesen: Lockere Moral, Erotik-Kino, Bars – der Imbiss war in jenen Tagen Teil einer viel bevölkerten Straße, wie Jörg Keller erzählt. Heute kommen die Menschen ganz bewusst zum „Euro-Snack“ – eine Entwicklung, die wohl nicht selbstverständlich ist.
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Wo die Grenze wieder sichtbar wird
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Foto: Robby Lorenz
Was läuft am besten im Imbiss?
Am beliebtesten sei bei „Chez Rudy“ die Currywurst, dicht gefolgt von Schaschlik und Hähnchen. Die Wurst macht ein Metzger nach eigenem Rezept extra für „Kellers Euro-Snack“. Jörg Keller und sein Vater Rüdiger, der im Jahr 2000 gestorben ist, haben beide das Metzgerhandwerk gelernt. Die Würste sind dicker, deftiger und saftiger als ihre „Artgenossen“, erklärt der Chef.
Im Raum hinter der Theke köchelt derweil die Soße für die Schaschlik-Spieße. Die vom Metzger handgestochenen Spieße aus Fleisch, Nieren, Zwiebeln und Paprika köcheln zwei Stunden darin. Für die Hähnchen hat Jörg Keller einen großen Grill, in den 75 Stück passen. Danach werden die Hähnchen in der Fritteuse fertiggemacht. Das höre sich zuerst vielleicht etwas komisch an. Doch dadurch werde Fett verbrannt, das Hähnchen werde knusprig und saftig.
Viele Franzosen kommen mit Töpfen, Schüsseln und Tupperboxen
Kurz nach der Öffnung kommt der erste Kunde. Dieser komme fast jeden Tag und auch immer zur gleichen Uhrzeit. „Manchmal sehe ich die Kunden nur herankommen und kann direkt anfangen, ihr Standard-Gericht zuzubereiten“, lacht Marvin. „Ja“, stimmt sein Vater zu, „zu manchen Leuten sage ich: ‚Ihr müsst vorher anrufen, wenn ihr mal was anderes essen wollt.‘“
Dabei hätten die Franzosen teilweise andere Essgewohnheiten: „Wo wir vielleicht eine Pizza bestellen würden, holen sich viele das Essen vor Ort ab.“ Besonders häufig komme es vor, dass Weggezogene zu Besuch in die Heimat kämen und sich etwas von „Rudy“ wünschten. Genau so einen Kunden bedienen die beiden wenig später: Ein älterer Herr kommt mit einer großen Schüssel mit Deckel und bestellt sechs Weiße und Hähnchen. Der Bruder sei zu Besuch und wolle „seine Currywurst“. „Das ist ein von uns bezahlter Schauspieler“, scherzt Marvin Keller mit Blick auf den Kunden.
Was macht gutes Essen für Vater und Sohn Keller aus?
Die Antwort auf die Frage, was für ihn gutes Essen ausmacht, weiß Jörg Keller schnell: „Frische und Geschmack“, sagt er kurz. Außerdem wichtig für ihn als Gastronom sind natürlich Service und Freundlichkeit. Man müsse den Kunden gegenüber offen sein. Was bei ihm kein Problem sei, denn die Kunden seien sehr „pflegeleicht“. Auch sein Sohn Marvin, der des Französischen mächtig ist, schließt sich an: Die Qualität der Ware und der Umgang mit Kunden seien entscheidend.
Das macht den Imbiss so besonders
Schon Jörg Kellers Vater Rüdiger, genannt Rudy, hat aus dem Imbiss eine Institution gemacht. Seit 1985 ist Jörg Keller ein Teil davon. Und ja, das sei viel Arbeit, aber eben auch trotzdem lohnend, „wenn man das liebt, was man macht“. Weitere Filialen, auch solche in Frankreich, hätten sich gelohnt, da ist er sich sicher. Aber er habe immer auf den einen Standort vertraut. Hier muss er auch keine Miete zahlen. Er lege Wert darauf, dass der Kunde es nicht merke, wenn der Chef nicht da sei. Deshalb schätzt er das Team aus seinen Söhnen und drei jahrelangen Mitarbeitern sehr.
Natürlich hätten sich mit den Jahren auch so manche Kundenwünsche geändert. So gebe es mit Pommes, Salat und Frühlingsrollen mit Gemüse zumindest einige vegetarische Gerichte auf der Karte. Junge Menschen täten sich außerdem oft schwer mit den „Nierchen“ im Fleischspieß, weshalb er offen dafür sei, diese zum Teil auch ohne Innereien anzubieten.
Das könnte die Zukunft bringen
Vieles ist ganz bewusst gleich geblieben im etwas nostalgisch anmutenden Imbiss. „Das soll hier kein McDonalds werden“, meint Jörg Keller. Er sei da manchmal ein bisschen die „Bremse“, seine Jungs würden die Dinge ab und zu anders sehen. Auch seinem Grundsatz, dass zwei Leute bei Kellers für maximal 20 Euro satt werden sollen, will er treu bleiben, solange es irgendwie geht. Man könne noch mehr aus dem machen, was sei. Es bleibt spannend, was Manuel und Marvin da einfallen wird. (mr)