Contra Widerspruchslösung: Schweigen ist keine Zustimmung zur Organspende

Contra Widerspruchslösung Schweigen ist keine Zustimmung zur Organspende

Meinung | Saarbrücken · Soll jeder zum Organspender werden, der nicht widerspricht? Nein, sagt unser Autor. Die Debatte berühre einen sensiblen Bereich, bei dem Schweigen nicht als Zustimmung gewertet werden dürfe.

25.07.2026 , 05:00 Uhr

Contra Widerspruchslösung: Organspende braucht ein klares Ja

Foto: picture alliance/dpa/Michael Kappeler

Organspende ist ein zutiefst menschliches Thema. Es geht um Hoffnung, Rettung, Nächstenliebe – und um Vertrauen. Gerade deshalb darf der Staat den Bürgern nicht stillschweigend eine Zustimmung unterstellen, die sie nie ausdrücklich gegeben haben. Dass CDU und Landesregierung im Saarland die Widerspruchslösung unterstützen, zeigt, wie groß der politische Druck ist, den Organ-Mangel mit einem Systemwechsel zu beantworten. Doch ein guter Zweck macht das Mittel nicht automatisch richtig. Der eigene Körper ist kein Verwaltungsobjekt, und Schweigen ist noch kein Ja.

Bei der Organspende braucht es ein klares Ja

Die Stärke der bisherigen Zustimmungsregelung liegt darin, dass sie die Selbstbestimmung ernst nimmt. Eine Organ-Entnahme ist ein schwerer Eingriff in die Würde und die leibliche Integrität eines Menschen. Dafür braucht es eine bewusste Entscheidung, keine passive Duldung. Deshalb muss gelten: erst fragen, dann handeln.

Die Widerspruchslösung setzt auf eine Logik, die zu kurz greift. Nicht jeder, der nicht widerspricht, will auch spenden. Viele Menschen schieben das Thema nämlich vor sich her, sind unsicher, schlecht informiert oder überfordert. Aus einem unterlassenen Widerspruch ein Einverständnis zu machen, ist deshalb eine Umdeutung von Nichtstun in Zustimmung. Hinzu kommt: Eine Organspende lebt vom Vertrauen. Wer den Eindruck erweckt, der Staat bediene sich im Zweifel am Körper seiner Bürger, riskiert, genau dieses Vertrauen zu beschädigen. Freiwilligkeit ist kein Hindernis für die Organspende, sondern ihre moralische Voraussetzung. Das sollte unbedingt Vorrang haben.