Die kleinste Stadt Deutschlands liegt an der Ostsee – und ist keinen Quadratkilometer groß

Stand: 29.08.2026, 21:30 Uhr

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Arnis

Arnis hat gerade einmal 260 Einwohner. (Archivbild) © Frank Molter/dpa

Deutschlands kleinste Stadt liegt im Norden an der Ostsee. Sie hat nicht einmal 300 Einwohner und blickt auf eine emotionale Geschichte zurück.

Viele Menschen lieben das Stadtleben. Bundesweit gibt es nach offiziellen Angaben 2057 Städte. Neben vier Millionenstädten und 80 Großstädten verteilen sich auch viele kleinere Städte über die Landkarte Deutschlands. Die kleinste aller Städte ist jedoch im Norden an der Ostsee zu finden. Sie hat gerade einmal 260 Einwohner.

Deutschlands kleinste Stadt liegt an der Ostsee – ihre Geschichte beginnt im Mittelalter

Arnis ist die kleinste Stadt Deutschlands und liegt in Schleswig-Holstein nördlich von Kiel im Landkreis Schleswig-Flensburg. Sie liegt auf einer Halbinsel in der Schlei in der Landschaft Angeln. Die Fläche von Arnis verteilt sich gerade einmal auf 0,45 Quadratkilometer. Das entspricht laut der Webseite der Stadt rund 63 Fußballfeldern. Pro Quadratkilometer hat Arnis damit in der Theorie sogar 622 Einwohner. Aber zum Vergleich: New York kommt auf 10.561 Einwohner je Quadratkilometer.

Die Geschichte der kleinsten Stadt Deutschlands beginnt noch im Mittelalter. Im Jahr 1667 wanderten demnach 65 Kappelner Familien auf die Insel aus und gründeten Arnis, um dort ein freieres Leben zu führen. Damit wollten sie sich dem Untertaneneid des lokalen Herren in Kappeln entziehen.

Lange trug Arnis den Titel „Flecken“ (Ort mit Marktrecht). Seine Blüte erlebte der Ort laut der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte zwischen 1750 und 1864 als Fischer- und Schiffersiedlung. Im Jahr 1864 lebten demnach 1045 Menschen in Arnis. Seit 1869 wurde Arnis ein vermindertes Stadtrecht eingeräumt. Nachdem Ende Dezember 1933 bestimmt wurde, dass alle Orte in Schleswig-Holstein, die bisher Städte oder Flecken waren, in Zukunft als Städte geführt werden, wurde Arnis zum 1. Januar 1934 eine Stadt.

Arnis besteht im Wesentlichen aus einer Hauptstraße und hatte sogar ein Windtelefon

Geografisch betrachtet besteht Arnis im Wesentlichen aus einer langgezogenen Hauptstraße, der Langen Straße. Sie ist von Linden gesäumt und ist von malerischen Fischerhäusern aus dem 18. und 19. Jahrhundert umgeben. Zudem gibt es vier Werften und viele Anlegeplätze für Boote. Am südwestlichen Ende von Arnis, oberhalb von Schlei und Strandbad, liegt der idyllische alte Friedhof mit der historischen Schifferkirche von 1673. Mit einer Fähre können Besucher zudem über die Schlei bis nach Sundsacker fahren.

Für Touristen ist die kleinste Stadt Deutschlands heute ein beliebtes Ausflugsziel. So kommen unter anderem viele Radwanderer nach Arnis. Auch einen Stellplatz für Wohnmobile gibt es. Lange gab es auf Arnis auch ein Windtelefon. Doch das historische Telefonhäuschen, in dem Hinterbliebene mit Verstorbenen sprechen können (der Wind soll die Worte symbolisch davontragen), ist seit einem Diebstahl 2024 spurlos verschwunden. Unweit von Arnis gibt es auch einen See, der Besuchern einen Urlaub wie in Kanada ermöglicht.