Westjordanland: Netanyahu verurteilt Siedlergewalt ungewöhnlich scharf

Nach gewaltsamen Ausschreitungen im besetzten Westjordanland hat Premierminister Benjamin Netanyahu die Siedlergewalt ungewöhnlich scharf kritisiert. Er verurteilte die Gewalt »einer Handvoll Randalierer«, die der übrigen »gesetzestreuen Siedlerbevölkerung« Unrecht tun würden.

Öffentliche Kritik Netanyahus an gewalttätigen Siedlern ist selten. Sie folgt auf eine ebenfalls ungewöhnlich scharfe Erklärung des US-Botschafters Mike Huckabee, der israelische Siedler kürzlich als »Terroristen« bezeichnete – ein Wort, das US-Beamte normalerweise nur für palästinensische Militante benutzen.

Den diplomatischen Spannungen gehen wochenlange gewaltsame Ausschreitungen in der Stadt Qusra voraus. Dort griffen Siedler wiederholt palästinensische Siedlungen an, darunter auch das Haus eines palästinensischen US-Amerikaners.

NBC News berichtet von Übergriffen

Auch am Samstag hatten Dutzende israelische Siedler palästinensische Häuser angegriffen. Bewohner und die israelische Armee berichteten von Steinwürfen und gewaltsamen Zusammenstößen. Nach Angaben des Militärs verbarrikadierten sich Siedler in einem palästinensischen Haus, während sich dort auch Bewohner aufhielten.

Wie die Nachrichtenagentur AP berichtet, transportierten Krankenwagen verletzte Palästinenser ab. Dem Bericht zufolge trennten israelische Sicherheitskräfte die Gruppen, Festnahmen habe es keine gegeben.

Auch im nahe gelegen Dschalud griffen Siedler nach Angaben der palästinensischen Nachrichtenagentur Wafa eine palästinensische Familie sowie ein sie begleitendes Fernsehteam des US-Senders NBC News an.

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Dem Bericht zufolge hätten die Journalisten eine Familie zu ihrem Haus begleitet, das diese bereits vor längerer Zeit hatte verlassen müssen. Demnach hätten die Siedler unter anderem die Windschutzscheibe des Fahrzeugs eingeschlagen, in dem Mitarbeiter des US-Senders NBC News unterwegs waren. »Sie sprangen heraus, schlugen uns und sprangen dann zurück ins Auto«, zitierte NBC News seinen Korrespondenten . Dieser sei zweimal am Arm getroffen und später in einer Klinik behandelt worden.

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In Qusra ist es bereits seit Anfang August wiederholt zu Auseinandersetzungen gekommen, nachdem Siedler mehrere palästinensische Häuser belagert und Bewohner nach deren Angaben von Versorgungsgütern abgeschnitten hatten.