„Alle zusammen für eine gute Patientenversorgung“ – unter diesem Motto riefen die Berliner Krankenhausbewegung und ver.di am Freitagnachmittag zur Demonstration auf. Anlass sind die Kündigung des 2021 mit ver.di ausgehandelten Tarifvertrags durch die Charité sowie die drohenden Kürzungen im Zuge der GKV-Reform.
Wir waren vor Ort am Robert-Koch-Platz und haben mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern über ihre Ängste und Forderungen gesprochen.
Lilly: „Wenn die Arbeitszufriedenheit sinkt, verschlechtert sich auch die Ausbildungsqualität“
Lilly ist Auszubildende im zweiten Lehrjahr an der Charité. Eigentlich sei die Pflege ein „schöner Beruf“, sagt die 22‑Jährige. Doch sie befürchtet, dass sich durch die Kürzungen nicht nur die Patientenversorgung, sondern auch die Ausbildungsqualität an der Uniklinik verschlechtert. „Wenn die Arbeitszufriedenheit sinkt, verschlechtert sich auch die Ausbildungsqualität“, sagt Lilly. „Ich arbeite immer in unterbesetzten Diensten, werde dafür nicht entlastet und erhalte nicht genügend Praxisanleitung. Dadurch kann ich nicht den Standard erreichen, den ich in der Ausbildung erlernen möchte.“
Dass die Zeit fehlt, spürten auch die Patientinnen und Patienten. „Sie liegen zu lange in ihren Exkrementen, müssen zu lange auf einen Termin für ein MRT warten.“ Lilly, die ihr Gesicht nicht vor der Kamera zeigen wollte, ist gewerkschaftlich organisiert und heute auch in einer anderen Rolle vor Ort: „Es betrifft auch mich als Versicherte. Ich möchte eine gute Patientenversorgung und will ungern mehr dafür zahlen.
Janek Nickel: „Unsere Notbesetzung ist unsere Tagesbesetzung“

© Susanna Rump
Janek Nickel sehe sich durch die verschlechterten Arbeitsbedingungen zunehmend weniger in der Lage, einen guten Job zu machen. Seit drei Jahren arbeite er in der Rettungsstelle der Charité. „Langsam wird es sehr schwierig, mit einer Ausgeglichenheit zur Arbeit zu gehen“, sagt Nickel. Der Druck, mit immer weniger Ressourcen trotzdem eine gute Arbeit leisten zu wollen, führe zu Frust. „Und diesen Frust bekommen dann auch Patienten und Kollegen ab.“
Auch deshalb würden immer mehr seiner Arbeitskollegen gehen, sagt Nickel. „Unsere Notbesetzung ist unsere Tagesbesetzung.“

© Susanna Rump
Maria: "Wir konnten viele Auszubildene sehr gut ausbilden“
Maria, die eigentlich anders heißt und anonym bleiben möchte, arbeitet seit 2019 in der OP-Pflege. Sie betont, wie wichtig der Personalschlüssel für eine gute Patientenbetreuung sei. „Das haben wir bei den CHEP-Punkten gemerkt. Als die eingeführt wurden, hat meine Station sehr viel Personal gewonnen. Somit konnten wir viele Auszubildende sehr gut ausbilden.“ Einige von ihnen seien anschließend auf der Station geblieben. Dadurch habe sich auch das Team positiv verändert, sagt Maria. „Wir konnten sie sehr gut einarbeiten und sind dadurch ein sehr starkes Team geworden.“
Mittlerweile bekomme ihre Station gar keine CHEP-Punkte mehr, sagt die Pflegefachkraft, „weil wir so gut aufgestellt sind.“ Doch das könne sich ändern, wenn die Arbeitsbedingungen wieder zurückgeschraubt würden und der neue Tarifvertrag nicht mehr an einen Personalschlüssel geknüpft sei. Dann drohe genau das verloren zu gehen, was sich Marias Station mit dem zusätzlichen Personal aufgebaut habe.

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Peter Fox unterstützt die Demonstration mit Live-Auftritt
Auch der Berliner Musiker Peter Fox unterstützt die Demonstration mit einem Live-Auftritt um 17 Uhr am Bebelplatz, wohin die Demonstration nach ihrem Start am Robert-Koch-Platz zieht.

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Vorab sagte Fox dem Tagesspiegel, dass das Thema Gesundheitsversorgung ihn selbst ebenso wie „jeden Berliner, der im Krankenhaus oder einer Pflegeeinrichtung behandelt werden muss“ betreffe. Durch die beschlossenen Kürzungen der Bundesregierung würden „hart erkämpfte vernünftige Arbeitsbedingungen“ wieder zurückgedreht, kritisiert der Musiker, dessen Frau und Neffe in der Pflege arbeiten. Auch Fox betont die Wichtigkeit des Personalschlüssels: „Schichtarbeit ist eh sehr hart. Wenn die Stationen dann so schlecht besetzt sind, wie es jetzt wieder kommen wird, leidet die Behandlungsqualität massiv.“
Unterstützt wurde die Demonstration außerdem mit Live-Auftritten von den Musikern und Rapper Amewu, Gordiam, Vasil, Philena und „Krankenschwester“.