Stand: 23.07.2026, 17:38 Uhr
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Quartett tritt nach dem letzten Gig vor 40 Jahren noch einmal bei der Dillinger Kerb auf.
Friedrichsdorf – Es scheint fast so, als ob es erst gestern gewesen wäre. Dabei ist der letzte gemeinsame Auftritt der „Soccers“ schon 40 Jahre her. „Bei unserer ersten Probe nach all den Jahrzehnten hat alles erstaunlich gut mit unserem Zusammenspiel geklappt“, erzählt Matthias Biedenkapp. „Es fühlt sich einfach super an, wieder zusammenzuspielen.“
Der Dillinger und seine drei Kumpels aus Jugendzeiten sind dieser Tage in besonderer Mission unterwegs: Anlässlich des Jubiläums 50 Jahre Dillinger Kerb treten die Vier jetzt wieder für einen kurzen Gig auf und treffen sich für zwei Proben. Selbstverständlich spielen die „Soccers“ Hits aus ihrer erfolgreichen Zeit. Auf der Set-Liste stehen Evergreens wie „Ein Bett im Kornfeld“, „Über den Wolken“, „Country Rose“ oder „Weine nicht, kleine Eva“.
„Meine Mutter hatte Tränen in den Augen“
„Für uns ist das eine spannende Zeitreise zurück in unsere Jugendjahre, da kommen Erinnerungen hoch“, sagt Stephan Hild. Er spielt, wie auch Matthias Biedenkapp, Gitarre. Rainer Hild ist fürs Keyboard zuständig und Andreas Demuth sitzt am Schlagzeug. Bei ihrer Reunion spielten auch große Emotionen mit, sagt Biedenkapp, in dessen Elternhaus damals wie heute der Probenkeller der „Soccers“ zu finden ist. „Als wir jetzt das erste Mal nach so vielen Jahren wieder gespielt haben, waren das für uns Gänsehaut-Momente. Meine Mutter hatte sogar Tränen in den Augen“, verrät der Dillinger.
Das hänge mit den ganzen schönen Erinnerungen zusammen: „Meine Eltern haben es schon früher immer sehr gemocht, wenn wir unsere Lieder bei uns im Keller gespielt haben.“ Die stolzen Väter waren es auch, die die Teenager-Combo in den ersten Jahren zu ihren Auftritten gefahren haben. „Erst als Andreas Demuth zu uns gestoßen ist, gab es das nicht mehr. Er war der erste von uns mit Führerschein“, erzählt Biedenkapp.
Das Quartett ist Anfang der 1980er-Jahre als „Tanz- und Unterhaltungskapelle“ groß rausgekommen. „Unseren ersten Auftritt bei der Dillinger Kerb hatten wir 1979“, erzählt Stephan Hild – ein Heimspiel für das Quartett. Danach spielten die vier Jungs Jahr für Jahr bei der Kerb. „Damals wurde noch vor der Dillinger Kirche ein Tanzhaus mit Bühne aufgebaut, das Hugo Rössler extra für die Kerb aus Holz gebaut hatte“, so Biedenkapp. Es folgten viele weitere Gigs bei der Kerb und auch auf anderen Vereinsfesten und Feiern in der Region. Sogar bis nach Frankfurt haben es die „Soccers“ geschafft.
„216 Auftritte später, im Jahr 1986, waren wir das letzte Mal gemeinsam auf einer Bühne“, erzählt Biedenkapp. Wie es nach all den Jahren jetzt zur Wiedervereinigung der Kultband aus Dillingen gekommen ist? Frank Knoblich hat mit seinem Orga-Team zur diesjährigen Jubiläumskerb – am kommenden Wochenende feiern die Dillinger 50 Jahre Kerb in der Dillinger Straße – ein besonderes Programm auf die Beine gestellt. „Er kam auf die Idee, dass wir doch zur Jubiläumskerb wieder auftreten können“, sagt Matthias Biedenkapp. „Aber wir machen kein abendfüllendes Programm, sondern treten nur als Zwischen-Gig am Freitagabend auf“, stellt er klar. Gute 20 bis 30 Minuten soll der Auftritt der „Soccers“ dauern.
Der Erfolg für die Friedrichsdorfer Teenager Stephan und Rainer Hild sowie Matthias Biedenkapp (Andreas Demuth kam erst später dazu) kam quasi über Nacht. „Wir kannten uns von der Dillinger Kerb, wir waren alle drei Dillinger Kerbeburschen und haben beim FSV Fußball gespielt“, berichtet Hild. „Alles fing damit an, dass wir von unserem Verein gefragt wurden, ob wir nicht was zur Faschingsfeier des FSV beisteuern wollten“, blickt Biedenkapp zurück. „Wir haben alle ein Instrument gespielt und so kam der Gedanke auf, dass wir als Band auftreten.“
Rotes Hemd hängt noch im Probenraum
Das große Vorbild der Teenager war damals die Band „Colibris“, die in der Region bei vielen Festen spielte. Schöne Anekdote: Unter den Gästen der FSV-Faschingsfete war auch Werner Reinke vom Hessischen Rundfunk, der den Jungs prophezeite: „Ich bin der Meinung, ihr kommt mal ganz groß raus.“
Eine gewisse Rolle spielte an dem besagten Abend auch ein Lokaljournalist, der bei den Jungs nachfragte, wie denn ihre Band heiße. „Wir hatten noch gar keinen Namen. Da wir alle Fußball spielten, haben wir uns spontan für ‚Die Soccers‘ entschieden“, erklärt Biedenkapp. Noch heute hat er in seinem Erinnerungsalbum den Zeitungsbericht, der nach ihrem gelungenen Debüt erschienen ist. Dort ist die Rede von „den Soccers, den Buben aus den Reihen der B-Jugend“, die mit ihrem Song „Mer sind die Fans vom FSV“ die „Stimmung wieder auf volle Höhe und das Publikum auf die Stühle“ brachten. Nach ihrer Premiere begann der Ritt auf der Erfolgswelle. Die „Soccers“ waren der Hit auf unzähligen Festen im Umfeld. „Wir mussten Visitenkarten drucken lassen und haben professionelle Fotos von uns machen lassen“, schildert Stephan Hild.
Für ihre Reunion am Freitag haben sich Biedenkapp, Demuth und die beiden Hild-Brüder extra T-Shirts in Retro-Optik bedrucken lassen – mit einem Foto aus ihren goldenen „Soccers“-Zeiten. Das korallenrote Hemd, das die Vier auf dem Foto zu weißen Hosen tragen, hat Biedenkapp sogar heute noch. Es hängt auf einem Bügel in seinem Probenraum.
Warum haben sich die „Soccers“ 1986 aufgelöst? „Mein Bruder wollte sich musikalisch weiterentwickeln. Er hatte dann auch einen gewissen Anspruch und hat Musik studiert“, erzählt Stephan Hild. „Er ist auch der einzige von uns, der Berufsmusiker geworden ist.“ Hinzu kam, so Biedenkapp, dass „wir alle unsere Familien gegründet haben“. Doch die ehemaligen „Soccers“ sind weiterhin befreundet und haben sich bis jetzt immer auch zu jedem runden Geburtstag getroffen und einander ein Ständchen gespielt. Wer die Dillinger Kultband noch einmal hautnah erleben will, muss am Freitag, 24. Juli, zur Dillinger Kerb kommen. Von 19 Uhr an spielt erst die Band „Miko Rock“, in der Pause dann gehört den „Soccers“ die Bühne.