Kommentar: Wieso die Uefa jetzt unbedingt stark sein muss

Stand: 06.08.2026, 12:45 Uhr

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Fifa-Präsident Infantino macht einen verzweifelten Versuch, sich aus der Krise und Kritik zu winden – aber wer kann ihm noch glauben?

Nyon/Rabat – So klein und gebückt hat sich Gianni Infantino der Fußballwelt noch nie präsentieren müssen – und dann doch auch wieder so drohend groß. Die Mitteilung an die Fußballwelt, die die FIFA am Mittwoch kurz vor Mitternacht mitteleuropäischer Sommerzeit aus Rabat verschickt hat, geizt nicht mit (vermeintlichen) Demutsbekundungen.

Infantino bleibt FIFA-Präsident.

Infantino bleibt FIFA-Präsident. © picture alliance/dpa/AP | Eric Gay

Es gäbe „Lehren, die gezogen werden müssen“; die Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen Präsident und (des zuvor über Ablauf und Inhalt extrem vergrätzten) Generalsekretär müsse „verbessert“ werden; es seien „Fehler“ gemacht worden, dafür „entschuldige“ man sich und verspreche, dass sowas nicht mehr vorkommt.

Es seien „Fehler“ seitens der FIFA gemacht worden

Das ist aus Marokko heraus ein ziemlich verzweifelter Versuch, die Scherben erst einmal zusammenzukehren. Zusammengeklebt sind sie deshalb aber noch lange nicht. Das schafft die FIFA mit dem extrem geschwächten Infantino an der Spitze niemals alleine, dafür müssten vor allem die Europäer brav beidrehen.

Das werden sie eher nicht tun. Zu oft sind sie von Infantino vorgeführt worden wie Dummköpfe. Das hat niemand vergessen, das sitzt tief. Die UEFA, und mit ihr auch der Deutsche Fußball-Bund, hatte sich zuletzt in bisher unbekannter Schärfe geäußert und keinerlei Kompromissbereitschaft erkennen lassen. Das will sie auch weiterhin so fortführen. Und das ist gut so.

Am Donnerstag (6. August) glühten deshalb die Telefone zwischen den führenden Uefa-Funktionären. Aus dem FIFA-Statement lässt sich herauslesen, dass der Weltverband und Infantino sich in erster Linie für die Form der Kommunikation entschuldigen, nicht für den gescheiterten Deal an sich. In der UEFA will man sich von Infantinos vermeintlichem Entgegenkommen nicht täuschen lassen.

Zu oft hat er seine Machtposition zu Alleingängen und Unverschämtheiten genutzt, dabei das regierende FIFA-Council schlicht nicht informiert, als dass man ihm noch vertrauen würde. Jetzt ist das Fass erst voll und dann übergelaufen. Erst der Fall Balogun, dann der Investorendeal ohne vorherige Absprache. Auch dem Apparat, den sich Infantino untertan gemacht hat, ist nicht mehr in Gänze zu trauen.

All diejenigen Fachleute, die in die FIFA mal etwas tiefer hineingeschaut haben, sind sich sicher: Der Laden lässt sie nicht von innen heraus reformieren. Schon gar nicht unter diesem Präsidenten, der nach wie vor vorhat, in die Abstimmung beim FIFA-Kongress im März auch im arg geschwächten Zugang als einziger Kandidat zu gehen. Das wird die UEFA, das werden auch die Verbände in Amerika und Asien, hoffentlich nicht zulassen.

Wieso fand das FIFA-Treffen in Rabat statt

Ohnehin fragt man sich auch: Wieso fand ein Treffen der Fifa-Bürokraten ausgerechnet im marokkanischen Rabat statt? Warum nicht am Fifa-Headquarter auf dem Zürichberg? Waren wirklich alle führenden Mitarbeiter vor Ort oder gibt es immer noch Risse quer durch die Administration? Auffällig ist allerdings, dass der zuvor noch so kritisch anmutende Generalsekretär Mattias Grafström plötzlich wieder nah bei Infantino zu sein scheint. Eine Überraschung. Was ist da gelaufen?

Interessant ist sicher auch, dass die FIFA nicht nur zu Kreuze kriecht, sondern auch Drohungen ausspricht. Sie werde keine Angriffe auf ihre „Integrität“ (welche Integrität eigentlich?) mehr dulden und „alle nötigen Maßnahmen treffen“, ihre „Reputation“ zu schützen. Klingt verdächtig so, als werde da ein Gegenangriff vor allem auf die UEFA vorbereitet.