Die Vermögensverwalterin und der Kunstmilliardär
In der Zürcher High Society tobt ein spektakulärer Erbstreit
Kunstsammler Werner Merzbacher setzte kurz vor seinem Tod 2024 seine Vermögensverwalterin Carole-Maud Hofmann als Erbin ein – zum Entsetzen seiner Familie.
Publiziert: 19:06 Uhr
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Aktualisiert: vor 41 Minuten
Darum gehts
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- Nach Merzbachers Tod 2024 entbrannte ein spektakulärer Erbstreit in Zürich.
- Vermögensverwalterin Carole-Maud Hofmann wurde überraschend als Erbin eingesetzt.
- Streit um ein Erbe von bis zu zwei Milliarden Franken.
Beat SchmidWirtschaftsredaktor
Werner Merzbacher war einer der bedeutendsten Kunstsammler der Schweiz. Ein halbes Jahr vor seinem Tod im Herbst 2024 setzte er seine Vermögensverwalterin als Erbberechtigte ein. Weil seine Kinder und Grosskinder nichts davon wussten, fielen sie bei der Testamentseröffnung aus allen Wolken. Seither tobt eine der heftigsten und spektakulärsten Erbstreitigkeiten, die die Zürcher High Society je erlebt hat.
Als Merzbacher am 5. Oktober 2024 im Alter von 96 Jahren verstarb, schien unter den Beteiligten noch Einigkeit zu herrschen. Das zumindest legt die Todesanzeige nahe, die von seiner Frau, seinen Kindern, Grosskindern und weiteren Verwandten unterzeichnet wurde. An letzter Stelle steht der Name einer Bekannten: Carole-Maud Hofmann, die Vermögensverwalterin.
Laut einem Geschäftsfreund hatte Hofmann Anfang 2017 von Merzbacher den Auftrag erhalten, seine Vermögensverwaltung zu übernehmen und ein Family Office für ihn zu führen. Ein paar Jahre zuvor gründete sie die Atrimis AG, die sich um Anlagegeschäfte vermögender Familien kümmert. Gleichzeitig war sie Partnerin bei Portas Capital, einem unabhängigen Vermögensverwalter. Davor arbeitete sie bei Glencore und bei Ernst & Young, wo sie nach ihrem HSG-Studium einstieg.
Merzbacher war bereits 89 Jahre alt, als er Carole-Maud Hofmann mit dem Mandat betraute. Sie vertrat ihn in Verwaltungsräten und sass im Stiftungsrat des Museums Haus Konstruktiv, wo sich Merzbacher über viele Jahre engagierte. Gemäss «NZZ» begleitete sie ihn regelmässig an öffentliche Anlässe. Ausserdem ist Hofmann Verwaltungsratspräsidentin der JM Jüdische Medien AG, Herausgeberin der Zeitschrift «Tachles». Kurze Zeit war sie Präsidentin von Keren Hajessod, einer bekannten Stiftung, die Projekte in Israel finanziert.
Intensive Betreuung
Spätestens als Merzbacher zwei Jahre vor seinem Tod an Krebs erkrankte, wurde die Betreuung intensiver. Hofmann begleitete ihren Mandanten zu medizinischen Untersuchungen und war bei Arztbesuchen dabei. Sie protokollierte die Sitzungen und informierte die Familienmitglieder. Dass die Familie diese Nähe zuliess, dürfte nicht zuletzt damit zusammenhängen, dass Hofmann die Familie seit Kindheitstagen kennt. Ihr Vater war mit dem Kunstsammler eng befreundet.
Werner Merzbacher war für Hofmann ohne Zweifel ein bedeutender Kunde, ziemlich sicher der wichtigste, den sie je hatte. Wie viel Hofmann für ihre Dienste erhalten hat, darüber ranken sich nur Gerüchte. Es dürften allerdings keine kleinen Beträge gewesen sein. Merzbacher galt als ein sehr grosszügiger Mensch. Wie aus dem Umfeld Hofmanns zu hören ist, bedachte er sie bereits zu Lebzeiten mit einem Legat. Von seiner Grosszügigkeit dürften allerdings nicht nur Hofmann profitiert haben, sondern auch seine Kinder und Enkel.
Ein Viertel eines Milliardenvermögens
Der eigentliche Streitpunkt ist die Einsetzung Hofmanns als Erbberechtigte. Merzbacher hat sein Testament im Verlauf der Jahre mehrfach umgeschrieben. Dies erfolgte jeweils nach vorgängiger Absprache mit seinen Anwälten. So soll es auch ein halbes Jahr vor seinem Tod gewesen sein, als er Carole-Maud Hofmann als Erbin einsetzte. Sein langjähriger Anwalt war Peter Altorfer (73) von der Zürcher Kanzlei Wenger Vieli. Weil dieser in Frankreich 2024 wegen Geldwäsche zu einer bedingten Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt wurde, gab dieser sein Mandat als Willensvollstrecker ab.
Wie unabhängige Quellen schildern, soll Merzbacher bis kurz vor seinem Tod im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte gewesen sein. Er sei interessiert und engagiert gewesen, sagt ein Bekannter aus dem Zürcher Kunstmilieu, der ihn noch zwei Monate vor seinem Tod ein letztes Mal traf und mit ihm eine Ausstellung besuchte.
Für die Familie, die das Testament anficht, ist die mentale Verfassung der zentrale Angriffspunkt. Es geht um enorm viel Geld. Wird das Testament bestätigt, hat Hofmann Anrecht auf ein Viertel des Erbes. Wie hoch das tatsächlich ist, darüber kursieren nur Spekulationen. Schätzungen reichen von einem hohen dreistelligen Millionenbetrag bis zu zwei Milliarden Franken.
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