Die Zwergdinosaurier aus Insel-Europa näher kennenlernen

Ausstellung

Die Zwergdinosaurier aus Insel-Europa näher kennenlernen

Das Haus der Natur Salzburg widmet sich in der neuen Sonderausstellung dem Europasaurus, der die Inseln im europäischen Meer besiedelte

Stefanie Ruep

Menschen betrachten ein Skelett eines Europasaurus in einer Ausstellung im Haus der Natur Salzburg. Im Hintergrund ist eine Wand mit Illustrationen und Texten zur Inselwelt der Zwergdinosaurier.
Das Skelett des Europasaurus wirkt im Ausstellungsraum des Haus der Natur selbst für Kinder nicht übergroß. Die Zwergdinos lebten auf Inseln in Europa.

Er wurde gerade einmal drei Meter groß, sechs bis acht Meter lang und maximal eine Tonne schwer. Der Europasaurus ist ein Zwergdino und wohnte vor rund 154 Millionen Jahren im Oberjura in Europa. Damals erstreckte sich in der Region ein Flachmeer, aus dem kleine Inseln herausragten. Die Inseln waren von den kleinwüchsigen Dinosauriern besiedelt. Wohl weil er sich an die begrenzten Futterressourcen seines Lebensraums angepasst hat, war der Europasaurus für Sauropoden ungewöhnlich klein. Vor allem wenn man ihn mit den großen Sauriern vergleicht, deren Knochen in Amerika gefunden wurden und die viele aus Jurassic Park kennen.

Zum ersten Mal in Österreich wird im Haus der Natur Salzburg einer der spektakulärsten paläontologischen Neufunde der letzten Jahrzehnte in einer Sonderausstellung gezeigt. Entdeckt wurden die europäischen Zwergdinosaurier am 29. September 1998 vom Hobby-Paläontologen Holger Lüdtke. Der Mann, der seit seiner Kindheit Steine auf Fossilien untersucht, fand im Kalksteinbruch Langenberg bei Goslar einen kleinen Zahn. Er hatte bereits eine leise Vorahnung, dass dieser Fund große Bedeutung haben könnte. Denn dergleichen gab es in Europa noch nicht. Mit seinem Fund eilte er zu angesehenen Wissenschaftlern und machte auf die neue Art aufmerksam.

Herde gemeinsam gestorben

Im Zuge von Ausgrabungen wurden weitere Knochen des Europasaurus holgeri freigelegt, die Rückschlüsse auf die Gestalt des Sauropoden zuließen. Er hatte einen kleinen Kopf, langen Hals, säulenartige Beine, einen kräftigen Rumpf und einen langen Schwanz als Gegengewicht. Seit Lüdtkes Fund konnten mittlerweile 1500 Knochen von mindestens 21 Tieren in allen Altersstufen in dem Langenberg-Steinbruch im Harz in Niedersachsen sichergestellt werden. Bis heute ist dies der einzige bekannte Fundort. Unter den untersuchten Individuen befanden sich sehr junge ebenso wie ausgewachsene Tiere. Im Haus der Natur wird auch ein Baby Europasaurus ausgestellt.

Eine Familie, bestehend aus einem Mann und zwei Kindern, betrachtet in einer Ausstellung im Haus der Natur Salzburg eine lebensgroße Nachbildung eines gefiederten Dinosauriers hinter Glas. Im Hintergrund sind Ausstellungstafeln und interaktive Displays zu sehen.
Neue Nachbildungen eines gefiederten Dinosauriers sind in der neuen Sonderausstellung ebenfalls zu sehen.

Die Herde dürfte gemeinsam gestorben sein, sagt Ausstellungs-Kuratorin Anka Müller. "Wie sie gestorben sind, weiß man nicht, aber es gibt verschiedene Theorien dazu." Am Wahrscheinlichsten sei, dass die Tiere bei einer Naturkatastrophe verendet sind. Die Tiere ertranken wohl gleichzeitig bei einer plötzlichen Flutkatastrophe, denkbar ist auch der Tod durch einen Blitzeinschlag.

Bedeutende Amateurfunde

Wie weitere Fundstücke aus dem Steinbruch zeigen, dürften auch große Raubsaurier in den Lebensraum des zwergenhaften Europasaurus eingedrungen sein. Das zeigen versteinerte Fußspuren, die wissenschaftlich ausgewertet wurden. Die zwischen 36 und 47 Zentimeter langen Abdrücke stammen vermutlich von zwei verschiedenen Raubsaurierspezies aus der Gruppe der Theropoda. Die Forscher vermuten, dass die Theropoden vom Festland aus Jagd auf die Europasaurier machten. Augenscheinlich hatte sich der Meeresspiegel gesenkt und den Räubern den Weg zu der vormals auf einer Insel geschützt lebenden kleineren Gattung freigegeben. Damit dürfte auch das endgültige Ende der spezialisierten Inselzwerge besiegelt gewesen sein.

Die Entdeckung der Zwergdinosaurier zeigt auch, wie wichtig Funde von Hobby-Paläontologen sind. "Die Bedeutung von Amateuren, also Menschen, die etwas aus Liebe zur Sache machen, ist enorm", sagt Robert Lindner, der Leiter des Haus der Natur bei der Ausstellungseröffnung. Keine Sammlung hätte ohne sie heute diesen Umfang. Auch das Haus der Natur stelle mehrere Stücke von Privatsammlern aus. Etwa ein Skelett einer österreichischen Schwimmechse, die in Kärnten gefunden wurde.

Kinder werden zu Dinoforschern

„Österreich war eigentlich zum Großteil vom Meer bedeckt. Dadurch haben wir natürlich aus Österreich wenig echte Saurier-Funde, aber sehr viele Marine-Funde. Und auch die haben wir vor den Vorhang geholt", sagt Museumsdirektor Lindner. Neben einem Fischsaurierfund aus der Glasenbachklamm wird auch auf eine in Ebensee gefundenen Kriechspur eines Tiefseewesen hingewiesen.

Wie für das Haus der Natur üblich, können auch bei dieser Ausstellung die kleinen Besucherinnen und Besucher selbst aktiv werden. Sie werden zu Dinoforschern und können mit Pinsel und Schaufel Knochenteile ausgraben. Danach müssen Dinoknochen richtig zusammengesetzt werden. Bereitgelegte Blätter mit Ausmaldinos werden digital zum Leben erweckt. Die Kunstwerke laufen dann als Computeranimation im Bildschirm umher und werden so Teil der Ausstellung. (Stefanie Ruep, 1.8.2026)

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