Der Presserundgang für die Herbst-Dippemess hätte nicht besser terminiert werden können. Pünktlich zum Treffpunkt um 11 Uhr dröhnten am Donnerstag nicht nur die Warn-Apps der Handys, auch die wenigen verbliebenen Sirenen im östlichen Frankfurt sendeten Alarm aus. Vergleichbarer Lärm ist zu erwarten, wenn die Dippemess an diesem Freitag von 15 Uhr an ihre Fahrgeschäfte in Gang setzt. „Dann ist wieder Alarm angesagt“, sagte Thomas Roie, Vorsitzender des Schaustellerverbands Frankfurt/Rhein-Main.
Bis zum 27. September öffnet das Volksfest auf dem Festplatz am Ratsweg außer montags stets bis 23 Uhr. An den Wochenenden können die bis zu 300.000 erwarteten Besucher sogar bis Mitternacht ihren Mut und ihre Abenteuerlust austesten: Nur am Eröffnungswochenende bietet sich dafür auch ein erst im Juli eingeweihtes Fahrgeschäft namens Hangover Ride an. Es füllt für die ersten Tage eine Lücke auf dem Platz, bis am Montag der terminlich noch andernorts verpflichtete „Taumler“ in einer Hauruckaktion an selber Stelle aufgebaut wird.
„Das haben wir so noch nie gemacht, im laufenden Betrieb Fahrgeschäfte auszutauschen“, sagt Christian Müller, Veranstaltungsleiter der Tourismus- und Congressgesellschaft (TCF), die die Dippemess organisiert. „Es passte jetzt aber gut, weil der Hangover so modern gebaut ist, dass er fast auf Knopfdruck auf- und abgebaut werden kann.“

Laut der Informationstafel der neuen Volksfestattraktion benötigen zwei Personen nur zweieinhalb Stunden für den Aufbau, Betreiber Kevin Richter bestätigt das. Besonders passend ist derweil der Spitzname des neuen Fahrgeschäfts: Die Schausteller haben ihn laut Richter „Bratpfanne“ getauft, „weil die sich drehende Scheibe mit einer Art Griff als Gegengewicht so aussieht“. Und wohl auch, weil sich die Passagiere bei den vier Minuten dauernden und fünf Euro teuren Fahrten mit Fliehkräften bis zum 4,5-Fachen der Erdanziehungskraft bisweilen wie Bratkartoffeln beim Wenden fühlten. Während bei der Dippemess einst die dort vertriebenen Töpfe namensgebend waren, ist nun also eine Bratpfanne eine der größten Attraktionen.
Ähnlich heißt her geht es im „Black out“, dessen Betreiber Amando Zinnecker laut eigener launiger Erzählung auf kuriose Weise zu seinem Fahrgeschäft kam, das er in Frankfurt erst zum zweiten Mal als Besitzer aufgebaut hat. Sein Onkel habe eine recht große Summe im Lotto gewonnen und deshalb entschieden, sich die Reiserei über die Volksfeste fortan zu ersparen. Zinnecker wirbelt nun mit guter Laune jene in mehreren Dimensionen und natürlich auch über Kopf durch die Luft, die einen Geschwindigkeitsrausch erhoffen.
Volksfeste haben Konjunktur
Es geht allerdings auch etwas gemächlicher: Der „Hollywood Star“ firmiert als Familienfahrgeschäft, nicht nur, weil in eine Gondel exakt eine kleine Familie passt, sondern weil es eben auch etwas langsamer, wenn auch noch immer turbulent mit Richtungswechseln zur Sache geht.

„Die Mischung macht es aus“, sagt Schaustellersprecher Roie, der abermals betonte, dass Volksfeste derzeit Konjunktur hätten, während die Schausteller mit den gestiegenen Kosten kämpfen müssten. „Wir können nicht alles weitergeben, was wir an Kostensteigerungen haben, weil sich viele Menschen das sonst nicht leisten könnten“, sagt Roie. „Aber noch schaffen wir die Gratwanderung.“
Sicherheit gibt gerade den 120 rund um Frankfurt ansässigen gastronomischen Betrieben oder Fahrgeschäften, dass seit dem Frühjahr der Festplatz als solcher gesichert ist, nachdem für die Europäische Schule ein anderer Bauplatz auf dem Gelände der Bundesbank gefunden wurde. Die TCF will nun mit der Stadt eine dringend nötige Modernisierung des Festplatzes vorantreiben. Konkrete Aussagen zu Zeitabläufen und Kosten sind laut Veranstaltungsleiter Müller noch nicht möglich, man sei noch mit der Bestandsaufnahme beschäftigt.