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Donald Trump kann einfach nicht die Finger vom Kennedy Center lassen
Trotz eines gegenteiligen Gerichtsurteils will der US-Präsident unbedingt seinen Namen auf der Fassade der prestigeträchtigen Kulturinstitution in der US-Hauptstadt sehen – und sei es mit einem Trick
Gianluca Wallisch
Es war für den US-Präsidenten eine juristische Niederlage, als ein Bundesgericht am 29. Mai dieses Jahres die erst vor wenigen Monaten vorgenommene Umbenennung des "John F. Kennedy Center for the Performing Arts" in "The Donald J. Trump and The John F. Kennedy Memorial Center for the Performing Arts" für gesetzeswidrig erklärte.
Und es muss aber auch eine ganz persönliche Demütigung gewesen sein, als am frühen Morgen des 13. Juni – zufällig (?) am Tag vor seinem 80. Geburtstag – sein Name von der Fassade des Gebäudes entfernt wurde. Zwar war mit großen Planen auf einem Baugerüst rechtzeitig dafür gesorgt worden, dass möglichst wenige Menschen und Kameras den Vorgang zu sehen bekamen, doch das machte kaum einen Unterschied. Denn schon in den Wochen zuvor zirkulierten viele spöttische KI-generierte Internet-Memes, die etwa eine johlende Menschenmenge zeigten, als ein Bagger die Buchstaben T, R, U, M und P unsanft von der Marmorfläche herunterriss. Trump hatte mit oder ohne Sichtschutz den Schaden – und den Spott.
Andere Menschen hätten das Urteil wohl akzeptiert und die Sache auf sich beruhen lassen. Hätten sich anderen Dingen zugewandt, um diese Schmach vergessen machen zu lassen. Nicht so Trump – und das überrascht kaum: Das öffentliche Kräftemessen mit der von ihm immer wieder als parteiisch verunglimpften US-Justiz geht weiter. Das Gremium der Center-Institution, dem Trump selbst vorsitzt und ansonsten in den Händen seines für Zurückhaltung auch nicht eben berühmten Vertrauten Richard Grenell liegt, hat nun dafür gestimmt, dem Namen und dem Schriftzug ein Comeback zu ermöglichen. Allerdings anders als zuvor – und mit einem Trick, um einen neuerlichen negativen Gerichtsbeschluss zu vermeiden.
Neuer Versuch
Das Urteil vom Mai hatte sich darauf berufen, dass einst der US-Kongress der ehrwürdigen Kulturinstitution den Namen Kennedys gegeben habe, um diesen Präsidenten posthum zu ehren. Folglich habe auch nur das US-Parlament das Recht, diesen Namen jetzt wieder zu ändern. Trump hingegen hatte den Vorgang im Dezember 2025 am Kongress vorbei – nur durch ein Votum im längst von ihm selbst kontrollierten Vorstand – gleichsam im Alleingang durchziehen lassen.
Wie die New York Times berichtet, soll Trumps Name doch wieder an der Fassade prangen. Und zwar nicht im Sinne einer im Kongress möglicherweise auf ewig chancenlosen offiziellen Umbenennung des Kennedy Centers, sondern als Zusatzhinweis auf die Restaurierung und Renovierung des gesamten Gebäudes, also auch der Fassade. Wie das Leitungsgremium des Kulturzentrums nun beschlossen hat, soll dem offiziellen Namen – also wie bisher "John F. Kennedy Center for the Performing Arts" – ein permanenter Zusatz verpasst werden: "Restauriert und renoviert von Präsident Donald J. Trump". Wann dies geschehen wird, war vorerst noch nicht bekannt – vielleicht bleibt es auch bloß bei der Ankündigung, denn die Mittel für den Umbau wird natürlich nicht Trump selbst aufbringen, sondern der Steuerzahler, die Steuerzahlerin, allenfalls einige Sponsoren.
Doch auch der Umbau bzw. die Renovierung wurde zur Gerichtssache: Eigentlich wollte Trump das Zentrum zum Zweck der Arbeiten bereits im Juli schließen lassen. Doch ein Richter ließ den Vorgang vorläufig stoppen, weil das entsprechende Beschluss- und Vergabeverfahren "nicht sorgfältig und ergebnisoffen" durchgeführt worden sei. Beobachter von Trumps Regierungs- und Arbeitsstil wundert solches Agieren kaum: Auch beim Abriss des Ostflügels des Weißen Hauses und beim nun zwischenzeitlich mehrfach gestoppten Neubau eines Trump'schen Ballsaals an dessen Stelle kam und kommt es immer wieder zu juristischen Problemen. Mal fehlt eine Baugenehmigung, mal gibt es missachtete Vorschriften. Das Gericht hinderte den Vorstand aber nicht prinzipiell daran, das Kennedy Center vorübergehend zu schließen – es bedürfe jedenfalls einer ordnungsgemäßen Prüfung.
"Schwarzes Loch"
Unterdessen ist aber schon großer – ebenso materieller wie immaterieller – Schaden entstanden. Da sich der Trump-hörige Vorstand des Kennedy Center nicht mit einem Vergabeverfahren aufgehalten hatte, haben die Renovierungs- und Restrukturierungsarbeiten natürlich schon begonnen. Im Inneren wurde viel Interieur bereits abgebaut und weggeschafft, das Gebäude wirkt in großen Teilen ausgehöhlt, berichtete Ende Juli die New York Times in einer Vor-Ort-Reportage. Eine Fremdenführerin berichtete etwa, dass an manchen Tagen überhaupt niemand zu einer Führung erscheint. Auch an den meisten anderen Tagen sei das Publikum, das an einer Führung interessiert ist, nur sehr spärlich. "Früher war dieser Ort wirklich lebendig, geschäftig und voller Menschen", sagte die 87-jährige Sandy Weiswasser, eine pensionierte Lehrerin, sie seit Jahren im Kennedy Center Führungen macht. "Jetzt ist es ein schwarzes Loch."
Tatsächlich wird in dem Opernhaus momentan keine Oper aufgeführt, der Konzertsaal ist verwaist und teilweise demontiert. Der Orchestergraben ist leer und nach Angaben des US-Blattes beim Lokalaugenschein mit Müll übersät. Im Juni spielte das National Symphony Orchestra hier sein letztes Konzert – ohne zu wissen, ob und wann es hier wieder auftreten wird. Schon zuvor waren zahlreiche Künstlerinnen und Künstler dem Kennedy Center ferngeblieben, sehr oft ganz explizit in Reaktion auf die Vereinnahmung der Institution durch Donald Trump. Dementsprechend hat sich die Buchungslage innerhalb weniger Wochen massiv verschärft: Hatte es in der Zeit vor Trump noch eine exzellente Auslastung des Hauses gegeben, so brachen die Zahlen danach regelrecht ein.
Unkraut
Die früher prächtige Terrasse mit Blick auf den Potomac River ist nun laut New York Times von Unkraut überwuchert, aus den Fluren und Aufenthaltsräumen des Kennedy Center wurden sämtliche Kunstwerke und Kunstinstallationen entfernt – und hoffentlich an einen sicheren Ort gebracht.
Als das Gebäude in den 1960er Jahren Gestalt annahm, trugen Tourguide Weiswasser zufolge mehr als 60 Nationen mit Einrichtungsgegenständen und Kunstwerken zu dessen Gestaltung und Ausstattung bei. Italiens Geschenk war das größte: 3700 Tonnen Carrara-Marmor, der die Fassade und die Innenwände des Zentrums verkleidet und aus derselben Region stammt wie der Marmor für Michelangelos David. Michelangelo und Trump in einem Satz zu lesen – mutet das eigentümlich an?
Wo Trump drauf steht...
Das Kennedy Center ist freilich nicht Trumps einzige Begehrlichkeit, das er für die Nachwelt – und am besten für alle Zeit – mit seinem Namen verbunden wissen will. Den Trump Tower mit 58 Etagen in Manhattan, an der Ecke Fifth Avenue und 56th Street hatte der damalige Immobilien-Tycoon nach Plänen des Architekten Der Scutt Anfang der 1980er Jahre selbst bauen lassen. Hier war jahrzehntelang auch Trumps Hauptwohnsitz, bevor er ihn nach Mar-a-Lago in Florida verlegte.
Ziemlich geläufig sind auch Immobilien, Institutionen und Markennamen, wie etwa der Trump National Golf Club, das Trump Taj Mahal Casino, oder die Trump University. Trump Steaks zum Dinner, heruntergespült mit einem Trump Vodka, danach im Familienkreis das Monopoly-artige Brettspiel Trump: The Game, der Spielstand protokolliert mit einem Trump Sharpie – alles möglich im Trump'schen Universum der unbegrenzten Möglichkeiten.
Aber auch die US-Außenpolitik ist dank des Donald J. Trump Institute of Peace mittlerweile kein "namenloses" Territorium mehr. Ebenso wenig die US-Gesundheitspolitik (Pharmaprodukte), das Bankwesen (Kontoführung), die Migrationspolitik (Visa) und die Nationalparkverwaltung (Tickets) der USA.
Besessenheit mit Namen
Dingen seinen Namen aufzudrücken bzw. deren Namen neu zu vergeben, das gehört offensichtlich zum Programm von Trumps zweiter Amtszeit. So fackelte er nicht lange und verfügte gleich im Jänner 2025 die Änderung zweier geografischer Bezeichnungen. Zunächst sollte der seit Jahrhunderten so bekannte Golf von Mexiko in Golf von Amerika umbenannt werden. US-amerikanische Online-Kartenanbieter wie Google reagierten schnell und pflichtschuldigst – allerdings nur für den eigenen User-Markt. Außerhalb gibt es seitdem zumeist zwei Bezeichnungen (einer in Klammer).
Für Irritationen sorgte Trump fast gleichzeitig mit einer Tirade gegen die "Wokeness" seines Vorgängers Gerald Ford, der dem höchsten Berg am nordamerikanischen Kontinent, dem 6190 Meter hohen und 1917 in Mount McKinley umgetauften Denali, im Jahr 1975 wieder seinen alten Namen gab. Trump erachtet den Berg als ursächliches US-Eigentum und nahm daher die Geste des Respekts vor den Koyukon-Urweinwohnern wieder zurück.
Bisher nicht umgesetzt hat der US-Präsident Vorhaben, den Washington Dulles International Airport (IAD) in Trump International Airport umzubenennen. Der zweite Flughafen der Stadt, der Ronald Reagan Washington National Airport, sei schließlich auch nach einem Präsidenten benannt. Doch dessen Amtszeit war zum Zeitpunkt der Namensgebung immerhin längst vorbei. Auf Widerstand stieß auch die Idee, die berühmte Penn Station in New York (offiziell: Pennsylvania Station), künftig als Trump Station zu führen. Auch hier ist der letzte Versuch wohl noch nicht unternommen worden.
Motiv für sarkastische Memes bot auch Trumps Wachtraum, in Zukunft sein eigenes Gesicht an der Felswand des Mount Rushmore im Bundesstaat South Dakota bewundern zu können – neben jenen der nachweislich tatsächlich großen Präsidenten George Washington, Thomas Jefferson, Theodore Roosevelt und Abraham Lincoln. Unters Volk will sich der 47. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika mischen durch die Ausgabe von Münzen und Geldscheinen mit seinem Konterfei, oder auch in Form einer limitierten Auflage ganz besonderer US-Reisepässe.
Militärische Allüren
Trumps Ego lässt offenbar nichts anderes zu als den Schluss, dass er nicht nur der beste US-Präsident aller Zeiten, sondern auch der kompetenteste Commander-in-Chief der US-Streitkräfte ist. So liegt nur nahe, die künftige neue Generation von US-Kriegsschiffen nach ihm– also: Trump Class – zu benennen. Sie sollen die USA auf den Weltmeeren auf Jahrzehnte unschlagbar machen.
Dass gleichzeitig militärische Erfolge ausbleiben – im Fall "seines" Iran-Krieges kann schon jetzt von einer De-facto-Niederlage gesprochen werden –, steht auf einem anderen Blatt. Und dass die Zustände auf den US-Kriegsschiffen offenbar seit langem schon katastrophal sind und sogar vereinzelt zu Suizidversuchen von Besatzungsmitgliedern geführt haben, dürfte den Präsidenten hingegen als Detail des Ganzen kaum interessieren. (Gianluca Wallisch, 14.8.2026)
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