Drei Stiftungen spendieren der Rotenburger Intensivstation ein Gerät, das mehr als „nice to have“ ist

Stand: 24.09.2026, 19:00 Uhr

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Kleines Gerät mit großem Nutzen: Intensivstationsleiter Cedrik Bogdanski erklärt Quiekup.

Kleines Gerät mit großem Nutzen: Intensivstationsleiter Cedrik Bogdanski erklärt Qwiekup, das schwer erkrankten Menschen helfen soll, die mit Angst, Unruhe, Orientierungslosigkeit und Wahrnehmungsstörungen kämpfen. © Holger Heitmann

Ein spezieller Beamer zeigt Intensivpatienten im Rotenburger Diakonieklinikum Familienfotos und Naturvideos. Das Gerät soll laut Intensivpfleger und Stationsleiter Cedrik Bogdanski auch Delir vorbeugen.

Rotenburg – „Eigentlich ist es nur ein Projektor, der schwenkbar ist und einen Eingang für USB-Sticks hat“, sagt Cedrik Bogdanski irgendwann. Aber das ist eben höchstens die halbe Wahrheit. Zuvor hat Bogdanski, der mit Pia Haroth auf der Intensivstation im Rotenburger Diakonieklinikum Chef des Pflegepersonals ist, schon erklärt, wie wichtig das Gerät für die Patienten sein kann. Und dass er sich freut, dass drei Stiftungen, die Sommer-Stiftung aus Seevetal, die Rinck-Stiftung aus Rotenburg und die Elisabeth-Rappe-Stiftung aus Tostedt gemeinsam die 7.350 Euro zusammengetragen haben, die für die Anschaffung des „Qwiekup“ nötig gewesen sind.

Man wird dem Nutzen des Geräts nicht gerecht, wenn man es auf den lustigen Namen oder auf eine Beschreibung als Beamer reduziert. Denn Bogdanski und seine Pflegefachkräfte setzen es ein, um Menschen, die mehrere Tage auf der Intensivstation verbringen müssen, Fotos und Videos zu zeigen, die diesen Aufenthalt erträglicher machen und der Genesung dienen können. „Für viele Menschen ist das hier die schlimmste Phase ihres Lebens“, macht Bogdanski deutlich. Zum schlechten körperlichen und bisweilen auch psychischen Zustand komme, dass das Umfeld ungewohnt sei und 20 Geräte piepen.

Kleines Gerät mit großem Nutzen: Intensivstationsleiter Cedrik Bogdanski erklärt Quiekup, Diako-Fundraiserin Silke Sackmann hört zu.

Stationsleiter Cedrik Bogdanski erklärt den mobilen Projektor Qwiekup, Diako-Fundraiserin Silke Sackmann hört zu. © Holger Heitmann

Dafür werden zum Beispiel bewegte Bilder von Fischen in Aquarien zu Klavierklängen oder Spaziergängen im Wald mit Blätterrauschen gezeigt. Es können aber auch Angehörige persönliche Fotos auf einen grünen Stick laden, die die Pflegekräfte dann einsetzen können. Die potenziellen Vorteile liegen auf der Hand: Patienten können sich beim Anblick beruhigen, entspannen, Familienfotos können Erinnerungen und Emotionen wecken, die visuellen Reize können helfen, den Tag-Nacht-Rhythmus aufrechtzuerhalten, mitunter sogar den Medikamenteneinsatz reduzieren.

Bogdanski erklärt aber auch, dass das Gerät feinfühlig und dosiert eingesetzt werden müsse. Es passe nicht für jeden und dürfe auch nicht die nächtliche Ruhe und Erholung stören. Ansonsten ist der Stationsleiter überzeugt von Qwiekup. Dessen Wirkung sei wissenschaftlich belegt, etwa in der Prävention von Delir. Delir ist eine akute Verwirrtheit und Bewusstseinsstörung und könne die Sterberate bei Patienten erhöhen, betont Bogdanski. Auch dieses Risiko sei durch Studien bestätigt.

Stifter haben vor Ort ein gutes Gefühl bei ihrer Spende

Das Gerät, das sich seit einem halben Jahr auf der Rotenburger Intensivstation bewährt habe, Fragen zu Hygiene und Datenschutz habe man vorher geklärt, sei also eigentlich mehr als „nice to have“. Dennoch wäre die Anschaffung ohne die Spender nicht möglich gewesen, erklärt Sackmann. Das Diako könne das medizinisch Notwendige anschaffen, für Investitionen, die darüber hinausgehen, sei kein Geld da. Selbst wenn es um eine vierstellige und damit vergleichsweise kleine Summe gehe.

Da kommen die Stiftungen ins Spiel, und Helge Johannsen, Sohn von Stiftungsvertreter Peter Johannsen, sagt: „Herr Bogdanski hat den Nutzen des Geräts für die Patienten sehr gut herausgearbeitet.“ Johannsens betreiben eine Pflegeeinrichtung in Tostedt, haben also engen Bezug zum Thema. Stifter Johannes Sommer ergänzt, er verwalte eine kleine Stiftung, für die ein Spendenbetrag von 2.450 Euro schon recht viel und dann auch gut überlegt sein müsse.

Cedrik Bogdanski erklärt Johannes Sommer von der Erika-und-Kurt-Sommer-Stiftung den Nutzen von Qwieckup.

Cedrik Bogdanski erklärt Johannes Sommer von der Erika-und-Kurt-Sommer-Stiftung den Nutzen von Qwieckup. © Holger Heitmann

Bogdanski kannte nach eigenen Angaben das Gerät schon länger und freute sich, als es auf seine Station kam, darum bemüht hätten sich aber Diako-Geschäftsführer Sebastian von Haar und Silke Sackmann als Fundraiserin. Falls ein zweites finanziert werden würde, könne es auch auf der Hämato-Onkologie zum Einsatz kommen, wo Blutkrebspatienten zum eigenen Schutz vor Ansteckungen im Isolierzimmer seien. Da würden der „Kontakt zum echten Leben“ und ein „Bezug zu Zuhause“ ebenfalls helfen. Und sei es über persönliche Bilder vom USB-Stick.

Aber auch auf der Intensivstation ist es für viele Patienten freilich schwierig, mal aus dem Zimmer rauszukommen. Da helfe es, die Angehörigen über den Qwiekup zu integrieren, sie einen USB-Stick bespielen zu lassen. Besuchszeiten für Angehörige seien zwischen 16 und 19 Uhr oder nach individueller Absprache. Ein ausgewähltes Team der Grünen Damen und Herren kümmert sich mit ums Zwischenmenschliche, und der Schlüssel von Patient zu Pflegekraft liege nachts bei eins zu drei, tagsüber bei eins zu zwei.

Aber die Intensivstation ist eine besondere Station. Grenzsituationen, in denen es um Leben und Tod geht, Reanimationen, gehörten zum Tagesgeschäft. Seine Kollegen müssten top ausgebildet sein in verschiedenen Fachrichtungen, würden lange eingearbeitet und fortgebildet, zeigt sich Bogdanski stolz. Das führe aber eben auch dazu, dass man auf Station personell ausgelastet sei. Räumlich wäre Platz für bis zu 22 Betten, aber bei 14 bis 16 Patienten sei man komplett. Im Notfall gehen auch mal ein, zwei mehr oder man müsse auf andere Häuser verlegen. „Am Ende zählt immer das Menschenleben“, stellt Bogdanski klar.