Drohnen, Sabotage, Mordpläne: Behörden rechnen mit Putins nächster Eskalationsstufe gegen den Westen

Stand: 03.10.2026, 06:07 Uhr

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Putins hybrider Krieg trifft Rüstungsfabriken, Bahnlinien und Flughäfen – jetzt warnt ein Ex-Geheimdienstchef vor dem nächsten Schritt des Kremls.

Moskau – Eine mit Sprengstoff beladene Drohne neben einer ukrainischen Frachtmaschine am Flughafen Leipzig. Brandanschläge auf Rüstungsfabriken in Estland, Bulgarien und Italien. Ein russischer Drohnentreffer nahe der polnischen Grenze, der fast einen Zug mit europäischen Spitzenpolitikern erfasst hätte. Nach Einschätzung westlicher Sicherheitsbehörden folgen diese Vorfälle einem gezielten Muster – und das soll nur der Anfang sein.

Sicherheitsbehörden warnen vor Brandsätzen in Luftfracht

Die deutschen Sicherheitsbehörden gehen davon aus, dass hinter der Platzierung von Brandsätzen in Luftfracht-Paketen in Leipzig russische Auftraggeber stehen. © Heiko Rebsch/dpa

EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas bringt es gegenüber USA Today auf den Punkt: „Sie testen, wie weit sie gehen können.“ Gemeint ist Moskau. Und der Test läuft seit Monaten – mit wachsender Dreistigkeit.

Russland will die Bevölkerung in Westeuropa verunsichern

Europäische Sicherheitsbehörden rechnen in den kommenden Monaten mit einer weiteren Zunahme russischer Sabotageakte, wie Welt am Sonntag und der britische Telegraph aus vertraulichen Gesprächen berichten. Ein hochrangiger NATO-Vertreter sagte demnach, das Bündnis erwarte eine aggressivere Gangart aus Moskau und eine Ausweitung hybrider Angriffe in Europa – als Reaktion auf den westlichen Ausbau der Verteidigungsfähigkeit.

Hinter der Kampagne steckt nach Einschätzung deutscher Behörden vor allem der russische Militärgeheimdienst GRU. Doch statt eigene Agenten zu schicken, setzt Moskau zunehmend auf kriminelle Mittelsleute. Lettlands Geheimdienstchef Normunds Mežviets erklärte dem Telegraph: „Sie bleiben in Russland, wo es sicher ist.“ Die Aufträge laufen über Telegram-Kanäle, bezahlt wird in Kryptowährung – eine Methode, die Russland schwer angreifbar macht.

Das eigentliche Ziel ist psychologisch: Die Bevölkerung in Westeuropa soll verunsichert werden. Gerhard Schindler, ehemaliger Präsident des Bundesnachrichtendienstes, beschreibt die Logik dahinter so: „Die Bevölkerung soll Angst haben vor einer direkten kriegerischen Auseinandersetzung und daher am Sinn der Hilfen für die Ukraine zweifeln.“

Mordpläne, Drohnen, Züge: Das Spektrum der Angriffe

Der polnische Außenminister Radosław Sikorski fasst die Bandbreite der Bedrohung zusammen, die er gegenüber dem Guardian beschreibt: „Hybrider Krieg bedeutet Mordkommandos, Brandstifter, das Sprengen fahrender Züge.“ Polen und die baltischen Staaten drängen seit Langem auf eine härtere Antwort des Westens – bislang mit überschaubarem Erfolg.

Denn die NATO-Staaten stehen vor einem Dilemma: Jede Reaktion, die über Sanktionen und Botschaftsschließungen hinausgeht, birgt das Risiko einer direkten Konfrontation. US-Außenminister Marco Rubio warnte laut USA Today vor einem gefährlichen Versehen: Ein Pilot fliege in die falsche Richtung – „und plötzlich haben wir aktive Kampfhandlungen.“

CDU-Außenpolitiker Roderich Kieswetter sieht das nüchtern: „Russland sieht sich im Krieg mit der NATO, der EU und uns.“ Er fordert eine deutliche Erhöhung der Militärhilfe für die Ukraine, unter anderem durch die Lieferung weitreichender Waffen wie dem Marschflugkörper Taurus.

Hybride Gefahr durch Russland: Industrie soll sich selbst schützen

Auch die Wirtschaft rückt stärker in den Fokus. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) hat nach Informationen von Welt am Sonntag eine Arbeitsgruppe mit fast 100 Unternehmen gegründet, um sich besser gegen Drohnenangriffe zu wappnen. Offene Haftungsfragen müsse die Regierung vorab klären, fordert der BDI.

Wie der Guardian berichtet, haben mehrere EU-Staaten – darunter die Niederlande – Gesetze auf den Weg gebracht, die ihren Geheimdiensten deutlich mehr Befugnisse für Überwachungsoperationen geben sollen. Ein EU-Parlamentarier sagte anonym: „Jedes Mal, wenn wir nichts tun, laden wir Putin ein, weiterzumachen.“ (Quellen: Welt am Sonntag, The Telegraph, The Guardian, USA Today) (cgsc)