Duisburger Muslimin: Als Ort für den Glauben "bedeutet mir die Moschee tatsächlich nicht viel"

Von weitem ragt das Minarett der Merkez Moschee in Duisburg-Marxloh in den Himmel. Die Moschee ist kaum zu übersehen, wenn man in den Stadtteil kommt. "Hier halten oft spontan Reisebusse. Unsere Moschee ist seit Jahren schon eine echte Touristenattraktion", sagt Hülya Altun, Mitglied im Vorstand der Merkez-Moschee.

Sie ist stolz auf diesen Ort. Denn anders als viele "Hinterhofmoscheen" ist dieses Gebetshaus jederzeit zugänglich. Auch am Tag der offenen Moschee, am 3. Oktober, öffnet die Merkez-Moschee für Interessierte. Den ganzen Tag lang bietet Hülya Altun dann verschiedene Führungen an und das bereits seit 2008.

Zwischen Vorurteilen und Begegnung: Was die Moschee für Gläubige bedeutet

"An diesem Tag kommen Menschen zu uns, die sich sonst nicht trauen oder keinen Zugang zur muslimischen Community haben", sagt sie. "Wir begegnen dann leider auch vielen Vorurteilen." So wundern sich die Besucher oft darüber, dass eine Frau solche Führungen anbietet oder Frauen außerhalb der Gebetszeiten die Gebetsräume der Männer besuchen dürfen.

"Deshalb ist der Tag der Moschee für uns so wichtig. Jeder ist hier willkommen und kann diesen Ort nutzen, um sich auszutauschen oder ein Teil der Gemeinschaft zu sein", so Altun. Sie selbst kommt oft zu bestimmten muslimischen Feiertagen hierher und ist mit der Moschee als Ort des Glaubens eng verbunden.

Duisburgerin braucht den Ort nicht für ihren Glauben

Anders ist es für Ülkü Özdas. Die Duisburgerin ist gläubige Muslimin - hat aber nicht so eine tiefe Verbundenheit zur Moschee. "Als Ort, an dem der Glaube ausgelebt wird, bedeutet mir die Moschee tatsächlich nicht viel. Für mich ist der Glaube eine Herzensangelegenheit zwischen mir und meinem Schöpfer. Dafür braucht es keinen besonderen Ort", sagt sie. Sie sieht Moscheen eher als Begegnungsstätte und für Seelsorge oder Beratung.

Ayasofya-Moschee in Essen-Katernberg: Ein Stück Familiengeschichte

Ein paar Kilometer weiter - in Essen-Katernberg - hat Mustafa Mert einen besonderen Bezug zur Ayasofya-Moschee. "Mein Vater gehört zur ersten Generation der Menschen, die aus der Türkei zum Arbeiten nach Deutschland gekommen sind. Er hat gemeinsam mit anderen Männern mit den eigenen Händen und eigenen finanziellen Mitteln diese Moschee aufgebaut", sagt er.

Tag der offenen Moschee: Führungen in Duisburg und Essen

Geschichten wie diese werden am Tag der offenen Moschee in der Ayasofya-Moschee bei Führungen zwischen 14-16 Uhr in Essen-Katernberg erzählt. In Duisburg-Marxloh beginnen die ersten Führungen um 12 Uhr. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Unsere Quellen:

  • Gespräche mit Muslimen in Essen und Duisburg
  • Gespräch mit Vorstandsmitglied der Merkez-Moschee
  • Beobachtungen der Reporterin vor Ort

Sendung: WDR.de, Tag der offenen Moschee, 03.10.2026, 6:06 Uhr.
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Duisburg, 02.10.2026, 19:30 Uhr