Starlink-Drosselung in der Ukraine: Elon Musk handelte offenbar eigenmächtig – Drohnen lahmgelegt

Drohnen waren plötzlich machtlos: Musk soll selbst Starlink in der Ukraine gedrosselt haben

Stand: 21.10.2026, 07:57 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

US-Präsident Trump

Ließ Musk den Internetdienst Starlink womöglich auf Geheiß Trumps drosseln? (Archivbild) © Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa

Musk soll die Drosselung der militärischen Starlink-Variante für die Ukraine selbst angeordnet haben. Einige Drohnen wurden dadurch lahmgelegt.

Washington, DC – Tech-Milliardär Elon Musk hat die militärische Starlink-Nutzung für die ukrainischen Streitkräfte offenbar eigenmächtig eingeschränkt. Nach Recherchen des Wall Street Journal begrenzte Musk Mitte Oktober die Funktionsfähigkeit der Terminals bei hohen Geschwindigkeiten. Die Folge: Zahlreiche Angriffs- und Abfangdrohnen im aktuellen Ukraine-Krieg wurden schlagartig unbrauchbar. Während der Schritt in Kiew blankes Entsetzen auslöste, sorgte er in Washington für erhebliche Verunsicherung.

Hinter den Kulissen herrscht Uneinigkeit darüber, wie eng Musk sich bei der Starlink-Drosselung im Ukraine-Krieg mit US-Präsident Donald Trump abgestimmt hat. Laut WSJ telefonierten beide unmittelbar nach der Drosselung; Insider berichten zudem von Vorgesprächen zwischen Musk und hochrangigen Regierungsvertretern. Andere US-Offizielle betonen hingegen, Musk habe auf eigene Faust gehandelt. SpaceX ließ eine Anfrage der Zeitung unbeantwortet.

Starlink-Drosselung im Ukraine-Krieg: Streit um Angriffe auf Russlands Wirtschaft

Als Auslöser für den Schritt gelten die ukrainischen Attacken auf russische Öl- und Dieselraffinerien, die sowohl Trump als auch Musk scharf kritisieren. Seit Monaten setzt Kiew im aktuellen Ukraine-Krieg auf gezielte Attacken auf Russlands Wirtschaft. Immer wieder geraten dabei Öl-Raffinerien ins Visier. Das ukrainische Ziel dabei ist es, den Handlungsspielraum des Kremls weiter einzuschränken. Am 10. Oktober wetterte Musk auf X, Selenskyj sei „zu weit gegangen“. Nur vier Tage später verloren ukrainische Drohneneinheiten ihren vollen Netzzugang. Laut Militärexperte Michael Kofman (Carnegie Endowment) greift die Drosselung ab einem Tempo von 160 km/h – wodurch Starlink für schnelle Lenkwaffen und Abfangdrohnen unbrauchbar wird.

Starlink-Drosselung ist nicht der erste Eingriff – Musks Krim-Blockade 2022

Der aktuelle Vorfall weckt in Kiew und Washington Erinnerungen an den Herbst 2022: Damals plante die Ukraine einen verdeckten Überraschungsangriff mit sprengstoffbeladenen Seedrohnen auf die russische Schwarzmeerflotte im Hafen von Sewastopol (Krim). Wie später durch die Biografie des US-Autors Walter Isaacson bekannt wurde, verweigerte Elon Musk damals die Aktivierung des Starlink-Signals in Küstennähe. Die ukrainischen Drohnen verloren den Kontakt zur Leitstelle und strandeten wirkungslos an Land. Musk rechtfertigte den Schritt damals damit, eine nukleare Eskalation durch Russland („Mini-Pearl-Harbor“) verhindern zu wollen. Der Vorfall löste bereits damals im US-Kongress scharfe Kritik und Forderungen nach Untersuchungen aus.

Offiziell will niemand die Verantwortung übernehmen: Während Musk auf X behauptete, solche Beschränkungen treffe letztlich das US-Militär, wiegelte Verteidigungsminister Pete Hegseth ab – das Pentagon habe keinerlei Weisung erteilt: „Wir haben nichts zurückgenommen.“ Auch Trump bestritt eine Beteiligung und gab an, erst aus den Medien davon erfahren zu haben. „Ich war es nicht. Und ich glaube auch nicht, dass es Elon war“, hatte der Präsident noch vor wenigen Tagen behauptet. Berichte des britischen Telegraph zeichnen ein anderes Bild: Demnach soll Musk Trump aktiv überzeugt haben, den Starshield-Zugang zu beschneiden, um Kiew von weiteren Schlägen gegen russische Infrastruktur abzuhalten.

Starlink-Vorfall im aktuellen Ukraine-Krieg: Reaktionen in Europa und diplomatische Folgen

Der Starlink-Vorfall führt Europa die heikle Abhängigkeit von privaten US-Konzernen drastisch vor Augen. Der französische EU-Abgeordnete Christophe Grudler nannte es vor wenigen Tagen gegenüber Politico inakzeptabel, dass die ukrainische Verteidigung am Wohlwollen eines einzelnen US-Milliardärs hänge. Doch eine europäische Alternative für den Einsatz im Ukraine-Krieg lässt auf sich warten: Das Satellitennetz IRIS² wird frühestens 2030 einsatzbereit sein.

In Kiew hofft man derweil weiter auf eine Einigung: Selenskyj reiste am Dienstag nach Norwegen, um mit Trumps Gesandtem Steve Witkoff und zwei weiteren Spitzenpolitikern über ein Kriegsende zu sprechen. Der oberste ukrainische Diplomat in Washington, Denys Sienik, sagte am selben Tag, Kiew warte noch auf eine offizielle Antwort von Pentagon und SpaceX. Offen sei, ob die Verbindung wiederhergestellt werde. (Quellen: Wall Street Journal, Telegraph, dpa, AFP) (fbu)