Stand: 06.10.2026, 20:59 Uhr
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Im September war erneut ein Modell aus China das meistverkaufte Fahrzeug in Großbritannien. Die Regierung plant offenbar Gegenmaßnahmen – etwa Zölle.
Wie es in Berichten heißt, könnten die EU-Sonderzölle nicht nur zum Vorbild für eine britische Regelung werden, sondern sind indirekt auch der Hintergrund der geplanten Maßnahme: Brüssel macht offenbar Druck in London, dass auch Großbritannien die EU-Zölle auf importierte chinesische Elektroautos erheben soll. So könnten die negativen Folgen der geplanten „Made in Europe“-Initiative zur Förderung lokaler Wertschöpfung vermieden werden.
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UK-Zölle nach EU-Vorbild?
Wie die „Times of London“ berichtet, soll die EU Großbritannien gewarnt haben, dass man von den Regeln zur Förderung lokaler Wertschöpfung ausgeschlossen werden könnte, wenn die Regierung in London nicht entschieden gegen die steigenden Marktanteile chinesischer Hersteller vorgehe. Die Befürchtung der EU-Beamten: Großbritannien könnte zu einem Hintertürchen für chinesische Exporte nach Europa werden, wenn das Fahrzeug offiziell aus dem UK importiert wird.

Der britische Premierminister Andy Burnham sagte im September, er werde sich dafür einsetzen, dass Großbritannien im Rahmen der vorgeschlagenen EU-Regeln als „vertrauenswürdiger Partner“ behandelt werde, und warnte davor, dass ein Ausschluss Großbritanniens seiner Autoindustrie schaden könnte. Burnhams Minister sind laut dem „Times“-Bericht zwar der Ansicht, dass die britische Regierung jede Entscheidung über Zölle auf den nationalen Interessen Großbritanniens basieren sollte und nicht automatisch dem Beispiel der EU folgen sollte.
Doch die Ergebnisse einer eingeleiteten Untersuchung sind deutlich: Die britischen Beamten sind demnach zu dem Schluss gekommen, dass ein potenzieller Ausschluss aus den „Made in Europe“-Kriterien für die britische Wirtschaft schädlicher wäre als chinesische Vergeltungsmaßnahmen aufgrund neuer Zölle. Daher erwägt London nun Zölle auf chinesische Elektrofahrzeugimporte, die den Abgaben der Europäischen Union von bis zu 45 Prozent entsprechen könnten.
„Wir stehen weiterhin in engem Austausch mit der Industrie, um sicherzustellen, dass unser Vorgehen den nationalen Interessen des Sektors und Großbritanniens entspricht“, erklärte ein Sprecher der britischen Regierung auf Anfrage der „Times“.
Chinesen erreichen 23 Prozent Marktanteil
Noch will die Regierung eine solche Regelung nicht offiziell bestätigen, die Auswirkungen britischer Einfuhrzölle auf den Automarkt könnten jedoch bedeutsam sein – nicht nur für chinesische Hersteller und Marken wie BYD, MG und Chery. Aufgrund ihres britischen Ursprungs ist die SAIC-Marke MG in Großbritannien historisch stark, aber vor allem die Marke Jaecoo aus dem Chery-Konzern hat sich zuletzt stark entwickelt. Im September war das SUV-Modell Jaecoo 7 sogar das meistverkaufte Fahrzeugmodell in Großbritannien – nicht unter den E-Autos oder Hybriden, sondern über alle Antriebsarten hinweg. Mit mehr als 10.800 Neuzulassungen laut dem Verband SMMT konnte das China-SUV Modelle wie den Ford Puma (aus Rumänien) und Kia Sportage (aus der Slowakei) hinter sich lassen.
Mit seinem Design zielt der Jaecoo 7 auf die Kundschaft der Range-Rover-Modelle des britisch-indischen JLR-Konzerns ab, nur ist das SUV mit rund 30.000 Pfund (derzeit etwa 35.400 Euro) deutlich günstiger. Das hat dem Modell auf der Insel den Spitznamen „Temu Range Rover“ eingebracht. Jaecoo bietet das Fahrzeug als Verbrenner und Plug-in-Hybrid an.
Chery will weiter expandieren
Eine Handelsbarriere könnte den Erfolg chinesischer Autobauer in Großbritannien gefährden. Während die chinesischen Marken in der EU verstärkt auch Hybridmodelle auf den Markt bringen, die von den EU-Sonderzöllen auf Elektroautos nicht betroffen sind, haben die Chinesen in Großbritannien rasant Autos aller Antriebsarten expandiert. Im September lag nicht nur der Jaecoo 7 ganz vorne in der Zulassungs-Statistik, auch die chinesischen Marken insgesamt haben mit 23 Prozent Marktanteil den bisher besten Wert erzielt. Das liegt nochmals deutlich über den rund 15 Prozent, die chinesische Marken zuvor erreicht hatten.
In einer ersten Reaktion will sich Chery UK nicht von möglichen Zöllen vom derzeitigen Expansionskurs abbringen lassen. „Zölle kommen und gehen, aber das wird unsere Investitionen in Großbritannien nicht beeinflussen“, sagt Victor Zhang, Geschäftsführer von Jaecoo und Omoda in Großbritannien. „Wir bleiben hier.“
Zhang hat allerdings auch einen Trumpf in der Hinterhand: Chery hat eine Absichtserklärung mit Nissan unterschrieben. Chery will einen Teil der Produktionskapazität im britischen Nissan-Werk Sunderland übernehmen, um seine Fahrzeuge von Nissan in Großbritannien zu bauen. Ohne Zölle.