Dürre wird immer prekärer – Rhein-Pegel schrumpft weiter
Stand: 20.08.2026, 14:25 Uhr
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Der Rhein zieht sich in seine Mitte zurück – mit dramatischen Folgen fürs Ökosystem. Warum jetzt jeder Regentropfen zählt. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
Kaub – Was sich gerade am Rhein abspielt, hat es seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1880 nicht gegeben. Bei Kaub kratzt der Pegel an der Null, in Düsseldorf rutschte er sogar in den Minusbereich – tiefer als im Dürresommer 2018.

Die Fahrrinne führt zwar noch Wasser, doch der Fluss hat sich fast vollständig in seine Mitte zurückgezogen. Und genau hier beginnt das eigentliche Problem, das mit den festgefahrenen Frachtern noch gar nichts zu tun hat.
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Rhein-Pegel schrumpft: Weniger Wasser bedeutet mehr Belastung auf engstem Raum
Kläranlagen, Industrie und Felder geben Tag für Tag dieselbe Menge an Nährstoffen, Salzen und Rückständen ab. Bei normalem Pegel verteilt sich das auf gewaltige Wassermassen. Jetzt bleibt die Fracht gleich, das Wasser aber wird knapp – die Konzentration schießt nach oben, ohne dass jemand mehr einleitet.
Dazu kommt die Hitze: Warmes Wasser bindet kaum noch Sauerstoff, während der biologische Abbau ihn regelrecht auffrisst. Es bilden sich Sauerstofflöcher, Algen explodieren, und für Fische und Muscheln wird die Luft im wahrsten Sinne dünn. In flachen Nebenarmen kippt das System zuerst.
Wie lange das gutgeht, entscheidet allein der Himmel
Der Rhein ist zäh, das hat er in vergangenen Dürren bewiesen. Doch seine Selbstheilung braucht eines: nachhaltigen, flächendeckenden Regen über Wochen, nicht das kurze Sommergewitter, das sofort verdunstet. Bleibt der aus, hangelt sich der Fluss von Tiefstand zu Tiefstand – und jeder neue Rekord frisst ein Stück Widerstandskraft.
Kippt ein Abschnitt erst einmal um, dauert die Erholung Jahre. Die ehrliche Antwort lautet deshalb: Der Rhein hält es aus, solange das Wetter mitspielt. Und das tut es immer seltener.