Stand: 23.09.2026, 18:30 Uhr
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Deutschland wird heißer – und in NRW zeigt sich besonders deutlich, welche Regionen dadurch unter Druck geraten. Wo die Hitze für Millionen Menschen gefährlich wird.
Hamm – Nordrhein-Westfalen hat im Sommer 2026 erlebt, wie schnell extreme Hitze zur Gefahr werden kann. Am 26. Juni wurden in Tönisvorst 40,2 Grad gemessen – so heiß war es in NRW im Juni noch nie. Wie gravierend die Folgen sein können, zeigen Schätzungen des Robert Koch-Instituts. Demnach starben in Nordrhein-Westfalen bis Ende Juni 2026 rund 1230 Menschen infolge extremer Temperaturen. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) bezeichnet langanhaltende Hitzephasen mit 35 Grad und mehr im Rahmen des Extremwetterkongresses 2026 als „im Ausmaß neues Phänomen“. Nordrhein-Westfalen ist besonders betroffen.

Der DWD sieht in der diesjährigen Wetterentwicklung keinen Ausreißer, sondern einen klaren Trend. Im Zusammenhang mit dem Extremwetterkongress 2026 im September wurde ein Faktenpapier veröffentlicht. Darin heißt es: „Das Autorenteam bewertet die beobachtete Entwicklung im Bereich der Temperaturen übereinstimmend als eindeutig und wissenschaftlich abgesichert sowie in den Folgen als sehr gravierend.“
Der Sommer 2026 hat gezeigt, was auf NRW zukommt
Langanhaltende Hitzephasen mit Tageshöchsttemperaturen von 30 Grad und seit 2026 auch 35 Grad und mehr seien ein „im Ausmaß neues Phänomen“, heißt es in dem Papier. Die Jahre 2022 bis 2024 waren in Deutschland drei Jahre in Folge die wärmsten seit Beginn der systematischen Messungen. Was der DWD für Deutschland beschreibt, macht die Klimaanalyse NRW 2026 des Landesamtes für Natur, Umwelt und Klima Nordrhein-Westfalen (LANUK) konkret. Sie zeigt, wo Hitze auf besonders viele Menschen und eine ungünstige Stadtstruktur trifft.
Rund 7,4 Millionen Menschen leben demnach in Bereichen, die als Gebiete mit „dringendem Handlungsbedarf“ eingestuft werden. Das entspricht knapp 42 Prozent der Bevölkerung Nordrhein-Westfalens. Es geht dabei vor allem um die nächtliche Wärmebelastung: um Stadtviertel, in denen Gebäude, Straßen und versiegelte Flächen die Hitze speichern und nur langsam wieder abgeben.
Rhein und Ruhr sind die Hitzeschwerpunkte
Die Schwerpunkte liegen an der Rheinschiene und im Ruhrgebiet. Als Kommunen mit der höchsten regionalplanerischen Priorität nennt der Bericht Duisburg, Düsseldorf, Köln und Troisdorf. Eine sehr hohe Priorität haben unter anderem Essen, Gelsenkirchen, Mönchengladbach, Neuss, Oberhausen und Wesseling. Insgesamt identifiziert die Analyse 63 Kommunen mit regional bedeutsamer nächtlicher Wärmebelastung.
Und das Problem endet nicht an der Stadtgrenze. Auch rund um Aachen, Bielefeld und Mönchengladbach zeigen sich größere Belastungsräume. Tagsüber ist die Hitze sogar noch weiter verbreitet: 270 Kommunen haben Siedlungsbereiche, die an einem typischen Sommertag stark und an einem extremen Sommertag extrem stark belastet sind. In 94 dieser Kommunen leben jeweils mindestens 25.000 Menschen in solchen Gebieten.
Wenn die Nacht keine Erholung mehr bringt
Dabei ist der kritische Punkt nicht nur die Mittagshitze. Für den Körper wird es besonders belastend, wenn die Temperatur nachts nicht ausreichend sinkt. Im Szenario eines extremen Sommertags weisen laut LANUK knapp 44 Prozent der Siedlungsfläche mindestens eine starke nächtliche Überwärmung auf. Nur knapp fünf Prozent der Siedlungsfläche sind dann nicht oder nur geringfügig überwärmt. Dichte Bebauung, Asphalt und Beton wirken dabei wie ein Wärmespeicher. Es fehlt an Schatten, Verdunstung und Luftaustausch. Die Folge: Wohnungen und Quartiere kühlen nicht mehr richtig ab, bevor am nächsten Tag die Hitze zurückkehrt.
Eigentlich kann kühlere Luft aus dem Umland die Städte nachts entlasten. Doch dafür muss sie die bebauten Gebiete auch erreichen. Grünflächen allein reichen nicht; entscheidend sind laut Experten zusammenhängende Kaltluftentstehungsgebiete und freie Luftleitbahnen. Die Analyse des LANUK zeigt, wie begrenzt dieser Effekt in vielen belasteten Kommunen ist: In 51 der 63 Kommunen mit regional bedeutsamer nächtlicher Wärmebelastung werden weniger als 40 Prozent der Bevölkerung durch regionale Kaltluftsysteme erreicht. In Meerbusch und Gladbeck sind es weniger als zehn Prozent. Bochum, Essen und Duisburg liegen bei etwa 10 bis 20 Prozent.
Damit wird die Frage, wo gebaut, begrünt oder versiegelt wird, zu einer regionalen Frage. Wer Kaltluftbahnen unterbricht, kann die nächtliche Wärmebelastung auch in weiter entfernten Quartieren verschärfen. Und die entscheidende Frage ist nicht nur, wie heiß der nächste Sommer wird. Sondern ob die Städte bis dahin noch ausreichend abkühlen können.