Stand: 12.08.2026, 19:00 Uhr
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Der Fantasy-Autor Wolfgang Hohlbein liest am 26. September bei den „Namenlosen Tagen" in der Realschule Syke. Eines seiner erfolgreichsten Bücher entstand nur, weil das ZDF 1984 eine misslungene Nibelungen-Verfilmung wiederholte.
Syke – Einer der erfolgreichsten deutschen Fantasy-Autoren kommt nach Syke. Bevor Wolfgang Hohlbein am 26. September bei den „Namenlosen Tagen“ liest, erinnert er sich im Gespräch mit der Mediengruppe Kreiszeitung an den Anruf, der eines seiner erfolgreichsten Bücher auslöste.
Irgendwann Anfang der 1980er-Jahre klingelte bei Wolfgang Hohlbein das Telefon. Am anderen Ende der Leitung war seine Verlegerin aus Wien. Sie hatte eine Idee, und der Autor sollte sie umsetzen: einen großen Nibelungenroman. Davon, so ihre präzise Einschätzung, gebe es nichts. Ausgerechnet die Nibelungen. Dieses Heldenepos, mit dem Generationen von Schülern in der Schule gequält worden waren, löste bei Hohlbein im ersten Moment Widerstand aus. „Lassen Sie mich damit in Ruhe!“, erinnert er sich an das Telefonat.
Und doch kam es anders. Denn an zwei Montagen, dem 2. und 9. Januar 1984, wiederholte das ZDF die „Nibelungen“-Verfilmung aus den Jahren 1966/67. „Man sah die Drähte, an denen der Drache hing, und Siegfried wurde von einem Zehnkämpfer gespielt, der zwar gut aussah, aber das war’s auch schon“, meint Hohlbein. Der einzige Lichtblick sei der Schauspieler Siegfried Wischnewski als Hagen von Tronje gewesen. Dieser habe den Autor auf die Idee gebracht, die Nibelungen ganz anders zu erzählen, nämlich aus der Sicht des Bösewichts. „Je mehr ich mich in die Nibelungensage vertiefte, desto klarer wurde mir: So böse ist Hagen gar nicht. Er steht zu seinem Wort, bis zum bitteren Ende. Für die damalige Zeit, vor 1000 Jahren, war das normal“, sagt Hohlbein. Heute jedoch würde er es so nicht mehr machen.
Über den Grund können die Freunde des Genres Fantasy mit Hohlbein diskutieren. Denn er und Kai Mayer sind für Samstag, 26. September, ab 16 Uhr für eine Lesung im Rahmen der „Namenlosen Tage“ in der Realschule Syke gebucht. Hohlbein gilt als einer der erfolgreichsten Fantasyautoren. Seine Bücher sprechen sowohl Jugendliche als auch Erwachsene an. Auch Meyer ist einer der deutschen Bestsellerautoren. Dessen Genre ist neben Fantasy auch Phantastik. Letzteres schwebt irgendwo zwischen Realität und Unmöglichkeit. Meyer schreibt laut Ankündigung „für Jugendliche und Erwachsene, verbindet in seinen Romanen regelmäßig historische Stoffe mit fantastischen Motiven und zählt seit Jahren zu den erfolgreichsten deutschen Fantasy-Autoren“. Als zwei seiner bekanntesten Reihen werden „Die Seiten der Welt“ und „Die fließende Königin“ genannt.
„Hagen von Tronje“ hat auch über 40 Jahre nach dem Erscheinen des 496 Seiten dicken Buches nichts von seiner Anziehungskraft verloren. Dies zeigen unter anderem die Verkaufszahlen von mehr als vier Millionen Exemplaren. „Wenn man die chinesischen Ausgaben mitzählt, waren es sogar mehr. Aber um ehrlich zu sein: Diese Zeiten sind lange vorbei“, weiß Hohlbein. Im digitalen Zeitalter würde es so nicht mehr funktionieren. Er ergänzt: „Viel schlimmer war übrigens Russland mit den Raubkopien. Ich habe ein ganzes Regal voll – kann sie zwar nicht lesen, aber sie machen sich gut.“
Inzwischen gibt es auch einen Nachfolgeroman von „Hagen von Tronje“. Der Name: „Kriemhilds Rache“. Diesen hat Hohlbein gerade abgeschlossen, doch um einen Verlag habe er sich noch nicht bemüht. Über den Inhalt verrät der Autor nur so viel: „Es geht wieder um Mord und Totschlag, aber das Nibelungenlied bietet mehr, als man auf den ersten Blick erkennt.“ Das Genre zu wechseln, kann sich Hohlbein übrigens nicht vorstellen. „Fantasy ist mein Zuhause“, sagt er, „die ältesten Werke der Weltliteratur sind fantastische Geschichten. Das Genre bietet unendliche Möglichkeiten. Hinter jeder Tür wartet eine neue Geschichte.“