Freigestellt, gekündigt, Hausverbot: Trotzdem wird heute ein Betriebsrat gewählt

Im Iserlohner Unternehmen Scheu-Dental wird zum ersten Mal in seiner Geschichte ein Betriebsrat gewählt. Das war lange nicht sicher, denn Olaf Loock, einer der Initiatoren der Betriebsratsgründung, ist inzwischen von der Firma freigestellt und gekündigt, außerdem hat er ein Hausverbot bekommen.

Vom Familienbetrieb zum Investor

Olaf Loock ist seit 26 Jahren bei der Firma Scheu-Dental beschäftigt. Früher war es ein inhabergeführtes Familienunternehmen. Vor fünf Jahren wurde es an einen Investor verkauft. Da die Stimmung im Betrieb mit knapp 200 Beschäftigten immer schlechter geworden sei, wollten er und weitere Mitarbeitende einen Betriebsrat gründen.

Nachdem der Geschäftsführung durch einen Notar mitgeteilt wird, dass Olaf Loock einer der Initiatoren der Betriebsratsgründung ist, wird er Ende April von seinen Aufgaben im Unternehmen freigestellt.

Freistellung und Kündigung nach Wahlaufruf

Am 30. April wird Loock in den Wahlvorstand gewählt. Direkt danach wird ihm die Kündigung vom Unternehmen übergeben. Seitdem darf Loock das Gelände seines Arbeitgebers nicht mehr betreten.

"Normalerweise haben Arbeitgeber kein Interesse daran, dass es schlechte Presse gibt. Deswegen ist das, was wir gerade erleben, äußerst ungewöhnlich." Fabian Ferber, IG Metall im Märkischen Kreis

In einer Stellungnahme auf der Firmenhomepage gibt Scheu-Dental Verstöße gegen Compliance-Regeln als Kündigungsgrund an. Einen Zusammenhang mit der Betriebsratswahl bestreitet das Unternehmen.

Gericht stoppt Kündigung vorerst

Inzwischen hat das Arbeitsgericht Iserlohn die Kündigung wieder aufgehoben. Mindestens bis zur Hauptverhandlung muss das Unternehmen Olaf Loock weiterbeschäftigen. In der Urteilsbegründung schreibt das Gericht unter anderem, dass Scheu-Dental auch auf Nachfrage keine konkreten Verstöße benennen konnte.

"Die arbeitsrechtliche Bewertung des Vorfalls erfolgte unabhängig von der anstehenden Betriebsratswahl und den damit verbundenen Aktivitäten. Die Betriebsratswahl respektieren und unterstützen wir uneingeschränkt." Stellungnahme auf der Scheu-Dental-Homepage

Sollte Loock heute in den Betriebsrat gewählt werden, dürfte es für das Unternehmen wohl noch schwieriger werden, ihn zu kündigen oder das Hausverbot aufrechtzuerhalten.