Eine Sache macht skeptisch Neue Blitzer für das Saarland – mehr Sicherheit oder mehr Abzocke?
Meinung | Saarbrücken · Steigern die geplanten neuen Geschwindigkeitskontrollen im Saarland die Sicherheit im Straßenverkehr oder sind sie nur eine neue Einnahmequelle für den Staat? Unser Autor Florian Rech ist geteilter Meinung.
09.10.2026 , 08:00 Uhr
Der feste Blitzer in der Trierer Straße in Merzig (an der SHG-Klinik) war 2024 der erfolgreichste im ganzen Saarland. 12.374 Mal löste das Gerät in einem Jahr aus. Die Stadt Merzig machte durch Geschwindigkeitskontrollen 2024 einen finanziellen Gewinn von 135.900 Euro.
Foto: Christian Beckinger
Wer während der Fahrt das Handy nutzt, ohne Freisprechanlage telefoniert, Nachrichten liest oder die Musik auf dem Handy wechselt, der ist im Blindflug. Das ist richtig gefährlich und wird zu Recht bestraft. Beim Test von Handy-Blitzern in Rheinland-Pfalz, das als erstes Bundesland auf die Kameras an Autobahnen setzt, wurden alleine in den ersten 90 Tagen 1.200 Fahrer geblitzt, die aufs Handy statt auf die Straße schauten.
Blitzer im Saarland – eine Änderung macht skeptisch
Gut, dass Innenminister Reinhold Jost (SPD) und die Landesregierung mit einer Gesetzesänderung den Weg für Handy-Blitzer frei machen, und verstärkt gegen Fahrer mit Handy am Steuer vorgehen wollen. Anders steht es um die kommunalen Blitzer. Das Kommunen sich aktiv dafür Einsetzen, eine zusätzliche Aufgabe vom Land übernehmen zu dürfen, ist eine absolute Seltenheit im Saarland und macht skeptisch. Geht es beim geplanten Recht, dass Städte und Gemeinden künftig auch auf Landstraßen außerorts Geschwindigkeitskontrollen durchführen dürfen, nur um Verkehrssicherheit? Oder wird da gerade den chronisch unter Geldnot leidenden Kommunen eine neue Einnahmequelle eröffnet?
Fraglich ist allerdings, ob Städte und Gemeinden dann überhaupt mehr Geschwindigkeitskontrollen durchführen können. Denn schon jetzt kommen die Kommunen mit den Bußgeldbescheiden kaum nach. Nach Angaben des Innenministeriums werden viele Verfahren wegen Verjährung eingestellt, und die Verkehrssünder kommen ohne jede Sanktion davon. Verlagern sich die Kontrollen am Ende nur von innerorts – vor Schulen, Kitas und Zebrastreifen – nach außerorts, weil auf offener Strecke mit höheren Tempo-Verstößen und so auch höheren Bußgeldern zu rechnen ist? Der Saarländische Städte- und Gemeindetag lässt all diese Fragen bisher offen. Ob die neue Regelung wirklich zu mehr Verkehrssicherheit führt, bleibt also abzuwarten.