Energieverbrauch in Waldeck-Frankenberg sinkt um zehn Prozent – Ziel 2037 dennoch verfehlt

Stand: 09.10.2026, 08:00 Uhr

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Erster Klima- und Energiebericht: Der Fachdienst Umwelt der Kreisverwaltung hat erstmals die Energieverbräuche für ganz Waldeck-Frankenberg zusammengestellt und Entwicklungspotenziale auf dem Weg zur Klimaneutralität untersucht. Ein weiterer Bericht erfasst die Kreisliegenschaften wie das Kreishaus in Korbach. © Julia Janzen

Der Kreis Waldeck-Frankenberg hat erstmals einen Klima- und Energiebericht vorgelegt. Die Treibhausgas-Emissionen sanken zwar um 15 Prozent, doch die Trendprojektion zeigt eine Lücke.

Waldeck-Frankenberg – Erstmals hat der Fachdienst Umwelt und Klima der Kreisverwaltung einen Klima- und Energiebericht für ganz Waldeck-Frankenberg zusammengestellt, er erfasst auch den Verbrauch der Haushalte und Unternehmen. Ziel ist, wie berichtet, bis 2037 klimaneutral zu werden.

Der Gesamtenergieverbrauch sei kreisweit von rund 5,97 Millionen Megawattstunden im Jahr 2021 auf etwa 5,38 Millionen Megawattstunden im Jahr 2023 gesunken, berichtet der Fachdienst, ein Rückgang von rund zehn Prozent.

Wärmeversorgung: Heizöl und Erdgas bleiben die tragenden Säulen, verzeichnen jedoch deutliche Rückgänge.

Der Heizölverbrauch sank von 1,27 Millionen Megawattstunden 2021 auf 1,026 Millionen 2025 – ein Minus von rund 19 Prozent oder 244.000 Megawattstunden.

Erdgas sank von seinem Maximum von rund1.421.000 Megawattstunden auf etwa 1.171.000 Megawattstunden, ein Minus von knapp 18 Prozent oder 250.000 Megawattstunden.

Dem fossilen Rückgang stehen wachsende Verbräuche bei sonstigen erneuerbaren Energien und Wärmepumpen gegenüber.

Stromverbrauch: Der stationäre Stromverbrauch wies 2025 eine deutliche Senkung auf rund 873.000 Megawattstunden auf, ein Rückgang um fast zwölf Prozent oder 116.000 Megawattstunden im Vergleich zu den 989.000 Megawattstunden 2021.

Mobilität und Verkehr: Diesel und Benzin bilden weiterhin den Hauptanteil des Treibstoffverbrauchs. Leichte Rückgänge und Schwankungen ließen einen beginnenden Trend zur Senkung fossiler Kraftstoffe erahnen, trotzdem bestünden noch erhebliche Minderungspotenziale. Der Stromverbrauch im Verkehrssektor steige durch die Zulassung von immer mehr Elektrofahrzeugen kontinuierlich und massiv an: von rund 1100 Megawattstunden 2019 auf etwa 14.900 Megawattstunden 2024.

Sektorenanteile: Den größten Anteil am Endenergieverbrauch hatten im vorigen Jahr diese vier Sektoren:

  • die privaten Haushalte mit 35 Prozent,
  • der Verkehr mit 27 Prozent,
  • die Industrie mit 19 Prozent
  • Gewerbe, Handel, Dienstleistungen mit 17 Prozent.

Der „Konzern Kreis“ macht lediglich 0,7 Prozent der gesamten Energieverbräuche aus.

Die Verbräuche bei nicht erneuerbaren Energieträgern gingen laut Bericht in fast allen Sektoren zurück, eine Ausnahme bildet nur der Verkehr. Heizöl und Erdgas bleiben trotz eines Verbrauchsrückgangs von rund 20 Prozent die wichtigsten Wärmelieferanten, während Benzin und Diesel den „Mobilitätsbedarf“ weiter dominieren.

Sämtliche im Klimaschutzkonzept 2024 als vorrangig definierten Vorhaben befinden sich in Umsetzung oder wurden umgesetzt. Folgerichtig sanken die Treibhausgas-Emissionen von 2021 bis 2025 um etwa 15 Prozent, die Trendprojektion zeigt jedoch, dass das Zieljahr 2037 verfehlt wird.

Ausbau-Potentiale

Insgesamt ließen sich im Kreisgebiet 6426 Gigawattstunden Ökostrom erzeugen, 5291 Gigawattstunden könnten künftig noch hinzukommen.

  • Wasserkraft: 50 Gigawattstunden werden derzeit erzeugt, das Potential ist damit voll ausgeschöpft.
  • Biomasse: 132 Gigawattstunden können erzeugt werden, 6 Gigawattstunden könnten noch hinzukommen
  • Windkraft: 1547 Gigawattstunden können erzeugt werden, 751 Gigawattstunden könnten noch hinzukommen.
  • Freiflächen-Solaranlagen: 4042 Gigawattstunden können erzeugt werden, 5002 Gigawattstunden könnten noch hinzukommen.
  • Dach-Solaranlagen: 656 Gigawattstunden können erzeugt werden, 492 Gigawattstunden könnten noch hinzukommen.

Um die Ziele schneller zu erreichen, sind nach Ansicht des Fachdienstes ein schnellerer Ausbau und die Nutzung der erneuerbaren Energien Wind und Sonnenenergie, Umweltwärme, höhere Sanierungsraten bei Gebäuden, mehr Effizienz in der Wirtschaft, verstärkte Mobilitätswende, gesicherte Personal- und Förderstrukturen sowie eine bessere Daten- und Planungsbasis erforderlich.

„Die bisherigen Schritte wirken“, dennoch müssten Klimaschutzanstrengungen verstärkt und effizient koordiniert werden, um die Ziele zu erreichen, heißt es im Bericht. Landrat Jürgen van der Horst hält das für machbar, „aber wir müssen am Ball bleiben.“

„Konzern Kreis“ muss mehr Treibhausgas sparen

Der zweite Klima- und Energiebericht des Fachdienstes Umwelt befasst sich mit allen Kreiseinrichtungen, dem „Konzern Waldeck-Frankenberg“. Im Vergleich zu 2024 hat er im Vorjahr mit 10.639,5 Tonnen Kohlendioxid etwa zwei Prozent mehr ausgestoßen. Das heißt: Die Anstrengungen reichen nicht aus, um das Ziel der Klimaneutralität bis 2035 zu erreichen.

Treibhausgas-Ausstoß: Der Großteil kommt aus den Liegenschaften des Fachdienstes Gebäudewirtschaft, zu dem auch die Schulen gehören. Mit deutlichem Abstand folgen der Klinikum-Standort Frankenberg und das Domanium.

Energieverbrauch: Weiterhin entfällt der größte Teil auf Erdgas und Strom.

  • 69 Prozent der Emissionen ist auf den Fachdienst Gebäudewirtschaft zurückzuführen,
  • 18 Prozent entfallen auf das Klinikum in Frankenberg, das große Mengen Wärme und Strom benötigt.
  • 11 Prozent verursacht die Domanialverwaltung, besonders die Schlösser mit ihrem hohen Strom- und vor allem Wärmebedarf, aber auch der Fuhrpark.

Um den Ausstoß an Treibhausgasen weiter zu senken, müssen erneuerbare Energien noch stärker genutzt, die Energieeffizienz durch Technik gesteigert und das Nutzerverhalten verbessert werden. Wegen des Energieverbrauchs kam es seit 2023 bei den Ausstößen zu einem Stillstand statt zu einer weiteren Absenkung. 2025 lagen die Emissionen sogar über denen des Vorjahrs, bedingt durch eine Erhöhung der Verbräuche.

Ein entscheidendes Element zur Gegensteuerung sind laut Bericht die in Arbeit befindliche Sanierungsstrategie des Fachdienstes Gebäudewirtschaft sowie das Energiemanagementsystemen für den „Gesamtkonzern“.