„Eine Schande für Portugal“: Israels Botschafter will Kanye-West-Konzert stoppen

Stand: 07.08.2026, 13:42 Uhr

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Die israelische Botschaft in Portugal wirft Kanye West Hassrede vor und verlangt die Absage des für Freitag geplanten Konzerts, um Antisemitismus und Naziverherrlichung zurückzuweisen.

Algarve – Die israelische Botschaft in Portugal hat das für diesen Freitag (7. August) an der Algarve geplante Konzert von Kanye West scharf kritisiert. Sie fordert die Absage der Show wegen öffentlicher Aussagen des Künstlers, die viele als antisemitisch und als Unterstützung für Adolf Hitler und den Nationalsozialismus werten.

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Dieser Artikel von Catarina Martins entstand in Kooperation mit Euronews

Die diplomatische Vertretung warnt: Ein Auftritt in Portugal könnte als stillschweigende Billigung seiner umstrittenen Äußerungen verstanden werden.

„Jemand, der Hitler glorifiziert, Antisemitismus propagiert und behauptet hat, Sklaverei sei eine Wahl gewesen – eine Aussage, die Millionen Nachfahren von Versklavten zutiefst verletzt hat. Das ist keine Provokation, das ist Hassrede“, sagt Botschafter Oren Rozenblat in einem Video, das in den sozialen Netzwerken veröffentlicht wurde.

Er betont, dass solche Positionen in einer demokratischen Gesellschaft nicht normalisiert werden dürften. In einer schriftlichen Mitteilung erinnerte der Botschafter an frühere Äußerungen des Musikers, in denen dieser sagte, er „möge Hitler“ und sei „ein Nazi“.

Rozenblat wirft Kanye West vor, das NS-Regime zu glorifizieren, Antisemitismus zu fördern und Gemeinschaften zu beleidigen, die von Rassismus und Sklaverei betroffen sind. Die Botschaft unterstreicht diese Aussagen, die die Grenzen der Provokation überschreiten und eindeutig Hassrede darstellen.

Diplomatischer Druck und Appell an Politik und Öffentlichkeit

Rozenblat verweist darauf, dass andere Staaten bereits gegen Auftritte oder sogar gegen die Einreise des Künstlers vorgegangen sind. Er argumentiert, eine demokratische Gesellschaft solle niemandem eine Bühne bieten, der Hitler glorifiziert, den Nationalsozialismus propagiert und Antisemitismus verteidigt. Für ihn steht zur Debatte, welche Werte ein Land mit der Zulassung eines solchen Konzerts nach innen und außen signalisiert.

Die israelische Botschaft in Portugal erklärt außerdem, sie habe den Bürgermeister von Faro offiziell um den Abbruch des Konzerts gebeten. Sie ruft Bürgerinnen und Bürger dazu auf, der Veranstaltung fernzubleiben, und warnt, ein Stattfinden der Show wäre „eine Schande für Portugal und die Portugiesen“. Das Schreiben legt nahe, dass ein Verzicht auf das Konzert ein klares Zeichen gegen antisemitische Hetze setzen würde.

Streit um Antisemitismus-Vorwürfe und Maßstäbe für Hassrede

Der israelische Botschafter in Portugal betont, es gehe nicht um politische Positionen zu Israel, sondern um Aussagen, die er als Hass gegen Jüdinnen und Juden bewertet. Er stellt klar, dass Kritik an einer Regierung etwas anderes sei als die Verherrlichung eines Regimes, das den Völkermord an den europäischen Jüdinnen und Juden zu verantworten hat.

Die Kontroverse um das Konzert sei daher eine Frage der Haltung gegenüber Antisemitismus. Rozenblat fragt zudem, ob Portugiesinnen und Portugiesen Eintrittskarten für einen Künstler kaufen würden, der offene Angriffe gegen andere Gemeinschaften wie Schwarze, Muslime, Christinnen und Christen oder LGBT-Personen propagiert.

Er fordert, denselben Maßstab auch auf Antisemitismus anzuwenden und antisemitischen Äußerungen die gleiche gesellschaftliche Ablehnung entgegenzubringen wie rassistischen oder homophoben Angriffen. Aus seiner Sicht dürfe Antisemitismus nicht als Meinung verharmlost werden.

Veranstalter weist Kritik zurück und beruft sich auf Sicherheitslage

Torcato Jorge, CEO und Mitgründer von Raya Culture, der Veranstalterin des Konzerts, erklärte zuvor in einem Interview mit Euronews, die Debatte über eine Absage des Kanye-West-Konzerts sei „kein Thema“ und beruhe auf „Desinformation“. Er wirft Kritikerinnen und Kritikern vor, die Fakten zu ignorieren und eine politische Kontroverse zu schüren, statt die tatsächliche Gefährdungslage zu betrachten.

„Es ist ein Musikevent, das stattfinden wird. Ein Thema würde es nur, wenn die Dienste eine nationale Bedrohung für die öffentliche Ordnung feststellen würden, was nicht der Fall ist“, bekräftigt er. Er verweist darauf, dass die zuständigen Sicherheitsbehörden bislang keine Hinweise auf Risiken festgestellt hätten, die eine Absage rechtfertigen würden. Nach seiner Darstellung gibt es daher keine rechtliche Grundlage, die Show zu verbieten.

Verweis auf Geheimdienste und rechtliche Rahmenbedingungen

Der Organisator zeigt sich überzeugt, dass alle Bedingungen für die Durchführung des Konzerts erfüllt sind, und betont, die Veranstalter hielten sich seit dem ersten Tag an das geltende Recht. „Der Geheimdienst SIS hat den Künstler, in diesem Fall den US-Bürger, nicht als nationale Bedrohung oder als Terroristen eingestuft“, erinnert er.

Kanye West

Der Musiker fiel mehrfach mit rassistischen und antisemitischen Aussagen auf. (Archivbild) © Ashley Landis/AP/dpa

Es müsse einen Bericht der inneren Sicherheit des Staates geben, in dem ausdrücklich stehe, dass diese Person nicht in das Land einreisen dürfe, fügt er hinzu. Gegenüber Euronews räumt der CEO ein, dass sich die Debatte zu „einem politischen Thema“ entwickle.

„Jeder Staat ist frei zu entscheiden, ob er einem Bürger die Einreise erlaubt oder nicht. In der Europäischen Union hat bislang jedoch kein Land seine Einreise auf eigenes Staatsgebiet untersagt.“ Nach seiner Auffassung wäre ein einseitiges portugiesisches Verbot ohne entsprechende EU-weite Linie schwer nachvollziehbar.

Internationale Kontroversen um Kanye West

In den vergangenen Jahren stand Kanye West immer wieder im Zentrum internationaler Kontroversen. Auslöser waren vor allem als antisemitisch bewertete Äußerungen und anderes umstrittenes Verhalten, darunter Vorwürfe sexistischer Inszenierungen, etwa im Fall seiner Frau Bianca Censori bei den Grammys. Die Debatten haben seinen Ruf weltweit beschädigt und zu Boykottaufrufen geführt.

Obwohl er sich für einige seiner Äußerungen entschuldigte, stößt die Europatournee des Rappers, der auch unter dem Künstlernamen Ye auftritt, auf zahlreiche Probleme. In mehreren Ländern wurden Konzerte abgesagt oder verschoben, teils nach Protesten von Bürgerinitiativen, teils auf Druck von Politik und Behörden. Die Unsicherheit für Veranstalterinnen und Veranstalter ist dadurch deutlich gewachsen.

Abgesagte Auftritte in Großbritannien und Frankreich

Im Vereinigten Königreich wurden drei Auftritte beim Wireless-Festival, die für Juli geplant waren, gestrichen, nachdem das Land seine Einreisegenehmigung für den Rapper widerrufen hatte. Die britischen Behörden begründeten den Schritt mit Sicherheitsbedenken und Verweisen auf frühere antisemitische Äußerungen. Für viele Fans kam die Entscheidung überraschend und sorgte für Unmut.

Aufgrund umstrittener und menschenfeindlicher Aussagen durfte Kanye West in mehreren Ländern nicht auftreten.

Aufgrund umstrittener und menschenfeindlicher Aussagen durfte Kanye West in mehreren Ländern nicht auftreten. © picture alliance/dpa/PI via ZUMA Press Wire | Javier Rojas

In Frankreich verschob der Künstler selbst ein geplantes Konzert in Marseille nach Kritik der örtlichen Behörden. Vertreterinnen und Vertreter der Stadt hatten sich besorgt über mögliche Spannungen und Proteste gezeigt, sollte der Auftritt stattfinden. Die Absage wurde von Menschenrechtsorganisationen begrüßt, während Unterstützer des Künstlers von Zensur sprachen.

Weitere Absagen in Polen, der Schweiz und Italien

Auch Polen sagte ein für Juni geplantes Konzert ab und verwies auf rechtliche und formale Gründe, nachdem die Kulturministerin die antisemitischen Äußerungen des Rappers kritisiert hatte. In der Schweiz entschied der FC Basel, ein in seinem Stadion geplantes Konzert nicht durchzuführen, und erklärte, man wolle dem Künstler keine Bühne bieten.

Der Club stellte klar, dass seine Entscheidung im Einklang mit den eigenen Werten und der Verantwortung gegenüber den Fans stehe.

In Italien wurde ebenfalls ein Konzert von Kanye West gestrichen. Die Show, die im Juli in Reggio Emilia stattfinden sollte, untersagten die örtlichen Behörden wegen Bedenken in Bezug auf Sicherheit und öffentliche Ordnung, insbesondere wegen des Potenzials für Proteste und Ausschreitungen.

Auch ein Konzert des Rappers Travis Scott in derselben italienischen Stadt fand letztlich nicht statt, nachdem sich Widerstand gegen Großveranstaltungen dieser Art geregt hatte.