Stand: 24.07.2026, 06:00 Uhr
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Beim Blick auf den Kader des Fußball-Regionalligisten KSV Hessen Kassel fällt auf: Jede Position ist doppelt besetzt – mit zwei Ausnahmen. Im Sturmzentrum suchen die Verantwortlichen der Löwen noch eine Alternative zu Jan Dahlke.
Kassel – Und im defensiven Mittelfeld heißt die einzige Option: Cemal Kaymaz. Zwar kann auch Tyron Duah dort spielen, der 22-Jährige ist allerdings zudem für die Innenverteidigung eingeplant. Neuzugang Kaymaz wird also von Beginn an eine zentrale Rolle einnehmen, das wurde auch in den Testspielen schon deutlich. Am Mittwochabend siegte der KSV 5:0 in Grebenstein. Am Samstag ist er in Rödinghausen zu Gast (14 Uhr).
Der 28 Jahre alte Kaymaz, der in der vergangenen Saison für den ZFC Meuselwitz in der Regionalliga Nordost auflief (24 Spiele, zwei Tore, eine Vorlage), ist bei den Löwen als Ersatz von Yannick Stark vorgesehen – also als derjenige, der im Mittelfeld für Ordnung und robuste Zweikampfführung zuständig ist. Dass es auch mal krachen kann, wenn Kaymaz beteiligt ist, beweist ein Blick auf seine Kartensammlung der vergangenen beiden Spielzeiten. In Meuselwitz holte er sich sieben Gelbe ab, ein Jahr zuvor für Chemie Leipzig waren es acht Gelbe und zwei Gelb-Rote. Als der KSV Hessen zuletzt ein Testspiel gegen Erfurt bestritt und Joshua Kopf von einem Gegenspieler unnötig hart weggestoßen wurde, worauf es zu einer Rudelbildung kam, da war Kaymaz der Erste, der seinem Teamkollegen zur Hilfe eilte.
„Ich sehe mich schon eher als Aufräumer, der sich über Zweikämpfe definiert, den Spielfluss des Gegners unterbindet. Im Ballbesitz gehe ich aber auch mit nach vorn“, beschreibt sich Kaymaz selbst. Szenen wie gegen Erfurt sieht er dennoch ungern. „Wer sich mit meiner Person befasst hat, der weiß, dass ich für solche Sachen zwar zu haben bin. Ich stehe auch immer für meine Kameraden ein und in Zweikämpfen kracht es manchmal. Aber Tumulte und Rudelbildungen gefallen mir eigentlich nicht. Ich möchte, dass das im Spiel geklärt wird“, sagt er.
Seine neue Mannschaft sei eine sehr, sehr coole Truppe, lustige Jungs, von denen er sehr gut aufgenommen worden sei. Seinen neuen Trainer René Klingbeil habe er nur vom Namen gekannt, der Kontakt nach Kassel sei über seinen Berater entstanden. „Kassel hat sich mit mir beschäftigt. Ausschlaggebend waren dann nachher die Gespräche mit Tobi Damm und mit Klinge. Er hat mich überzeugt von der Idee des KSV. Mir ist es wichtig, dass man beim Trainer ein gutes Gefühl hat. Das hatte ich“, sagt Kaymaz. Auch wenn er mittlerweile lachend zugeben muss: „Wir hatten schon sehr, sehr viel Training, fast immer zwei Einheiten am Tag und viele Testspiele. Vorbereitung ist aber immer eklig. Da muss man die Zähne zusammenbeißen und sich die Körner für die Saison holen.“
Kaymaz stammt gebürtig aus Bayreuth. In seiner Heimat spielte er in der Jugend, ging dann den Schritt in die erste Mannschaft der Spielvereinigung Bayreuth. „Nach einem halben Jahr wurde der Trainer entlassen, der neue hat mich erst mal in die zweite Mannschaft geschickt. Ich war dann zwei Jahre in Österreich, bin nach Bayreuth zurückgekehrt, habe kurz in der Zweiten und dann in der Ersten gespielt. Wir sind aus der Regionalliga in die 3. Liga aufgestiegen und gleich wieder abgestiegen“, berichtet er. Danach war Kaymaz zwei Jahre für BSG Chemie Leipzig und zuletzt eine Saison für ZFC Meuselwitz aktiv. Es ist übrigens nicht der erste Neuzugang aus Meuselwitz für den KSV. 2018 verpflichteten die Löwen Jon Mogge vom ZFC. 2023 wechselte der zum CSC 03, in diesem Sommer kehrte er zurück, ist für die Reserve vorgesehen.
Kaymaz lebte mit seiner Freundin zuletzt in Leipzig, er hat mittlerweile eine Wohnung in Kassel gefunden, seine Freundin soll demnächst nachkommen. „Ich richte die Wohnung derzeit ein, hole schon ein bisschen was aus Leipzig. Meine Freundin sucht noch einen Job, dann nehme ich den Rest und auch sie mit“, erzählt der 28-Jährige. In Leipzig seien sie sehr, sehr glücklich gewesen. Das soll nun in Kassel auch so sein. Die Nummer 24 trägt Kaymaz, dessen Spitzname Cemo lautet, auch für seine Freundin. „Das ist ihr Geburtstag“, sagt er. Er kann es krachen lassen, er hat aber auch eine gefühlvolle Seite. (Maximilian Bülau)