Eintracht-Nostalgie und enges Duell in Florstadt

Stand: 30.08.2026, 21:23 Uhr

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Nieder-Florstadts Torhüter Pascal Seidel klärt vor Slobodan Komljenovic. Rechts Boris Weber (Nieder-Florstadt).Spiel der Traditionsmannschaft von Eintracht Frankfurt beim FC Nieder-Florstadt am 28. August 2026.

Nieder-Florstadts Torhüter Pascal Seidel klärt gegen Slobodan Komljenovic (Frankfurt), der wohl vor Boris Weber (re., Florstadt) zur Stelle gewesen wäre. © Jürgen Kessler/Kessler-Sportfotografie

Ein großer Tag für Florstadt. Vor 1350 Zuschauern spielt die Traditionsmannschaft von Eintracht Frankfurt auf dem Waldsportplatz. Für gewöhnlich machen es Charly Körbel und Co. bei ihren Auftritten gern mal zweistellig, doch das war am Freitag bei einem gut vorbereiteten FC Nieder-Florstadt ganz anders.

Erinnerungen an Stadionbesuche zu Jugendzeiten, ein Foto mit Legende Norbert Nachtweih oder ein Autogramm von Weltfußballerin Birgit Prinz – aus vielen Gründen kommen die Menschen zur Traditionself der Frankfurter Eintracht. Und die lockte am Freitagabend eine stattliche Besucherzahl in die Wetterau. 1350 Fans strömten auf den Waldsportplatz des FC Nieder-Florstadt. Sportlich sind diese Duelle meistens eine klare Sache, doch die Gastgeber verlangten den Ex-Profis alles ab und mussten sich schließlich nur knapp mit 3:4 (2:1) geschlagen geben.

Alexander Schur macht nach dem Spiel mit Fans Selfies.Spiel der Traditionsmannschaft von Eintracht Frankfurt beim FC Nieder-Florstadt am 28. August 2026.

Eintracht-Ass Alexander Schur erfüllt nach dem Spiel gerne die Fotowünsche der Fans. © Jürgen Kessler/Kessler-Sportfotografie

14 Pokalhelden von 1973 vor Ort

Karlheinz „Fuzzy“ Schleiter traute sich fünf Minuten zu. Dann ging der 73-Jährige vom Platz. Er gehört zur ruhmreichen Mannschaft des FCN, die 1973 als A-Ligist im Hessenpokal triumphierte. 14 Helden von einst waren vor Ort, unter anderem auch der damalige Torhüter Hubert Reuß. Gemeinsam mit Schleiter und den Eintracht-Granden Charly Körbel und Bum-kun Cha führte er symbolisch den Anstoß aus. Der Südkoreaner Cha, 1980 Europapokal-Sieger mit Frankfurt, sollte in der Wetterau eigentlich sein Debüt für die Traditionsmannschaft geben. Zum Einsatz kam er aber nicht, beschränkte sich indes in langen Hosen auf die Erfüllung von Foto- und Autogrammwünschen. „Nein, stört mich überhaupt nicht. Für mich ist es Erlebnis genug, ihn hier sehen zu können“, kommentierte Joachim Kneisel, ein wohlwollender Zuschauer aus Nieder-Mockstadt.

Am FFH-Mikro bei Moderator Daniel Granitzny kam neben den Spieler-Persönlichkeiten auch Frankfurt-Boss Axel Hellmann zu Wort, der dann aber einen Fehlstart der Traditionself sah. Stefan Heller und Thomas Östreich brachten die Florstädter Ü40-Auswahl mit 2:0 in Führung. Und es hätte noch schlimmer kommen können für das Team von SGE-Trainer Wolfgang Trapp. Sven Höller, sonst als Langstreckenläufer für den LT Florstadt im Einsatz, scheiterte bei seinem Schuss am Pfosten. „Ich hatte es auf der linken Außenbahn meistens mit Uwe Bindewald zu tun und war sehr nervös“, sagte Höller, der dem Fußball vor zehn Jahren schon den Rücken gekehrt hatte.

Doch das Florstädter Team, das von Sascha Hartmann und Sven Gottlieb gecoacht wurde, trainierte seit Februar regelmäßig zusammen und brachte sich somit auf ein sportliches Level, mit dem die Adlerträger so ihre Probleme hatten. „Wir wollten nicht nur ein bisschen kicken und dann etwas trinken. Wir wollten schon mithalten und haben dafür auch etwas getan“, erzählte Timm Hartmann, der mit Thomas Zampach einen sehr agilen Gegenspieler hatte.

In der Eintracht-Offensive machte sich aber im Laufe der Partie die Spritzigkeit von Sonny Kittel bemerkbar, der mit erst 33 Lenzen der jüngste Akteur auf dem Platz war. Er erzielte nicht nur den Anschlusstreffer noch vor der Pause, sondern zeichnete per Linksschuss auch für den späteren 4:3-Siegtreffer in den zweiten 40 Minuten verantwortlich. Zwischenzeitlich hatte Michael Guht einen Doppelpack für die Frankfurter geschnürt. Auch die Florstädter durften nach dem Seitenwechsel noch mal jubeln. Stefan Heller markierte mit seinem zweiten Tagestreffer das 3:2.

Fußballschule und Eventfläche

Wie bei der Kampagne „Eintracht in der Region“ üblich, gehörte der Platz vor der Partie der Fußballschule der Frankfurter und 40 Kindern des JFV Florstadt, die mit ihren Trainern professionell angeleitet wurden. Für Kurzweil beim Nachwuchs sorgte außerdem die Eventfläche mit Hüpfburg und Messungen der Schussgeschwindigkeit. Zum tollen Ambiente passte obendrein der Rasen, der sich trotz wochenlanger Hitze über den Sommer in erstaunlich gutem Zustand befand. Der Verein darf zur Bewässerung ein altes Reservoir im Wald nutzen. Auf dem satten Grün sollte vor der Partie ein Fallschirmspringer landen, der den Spielball bringt. Aufgrund der windigen Bedingungen musste dieser Punkt aus dem Rahmenprogramm jedoch gestrichen werden.

Am Ende war FCN-Vorsitzender Christian Hilß rundum zufrieden. „Es ist alles noch besser gelaufen, als wir uns das gedacht hatten. Für mich war es vor allem schön zu sehen, dass bestimmt 200 bis 300 Florstädter noch lange vor Ort waren und mit uns gefeiert haben.“ Auch der eine oder andere Eintracht-Spieler blieb bis in die Nacht. Dem Vernehmen nach sollen Rudi Bommer und Alex Schur die letzten Frankfurter gewesen sein.

Nieder-Florstadt: Seidel; Unterstab, Weber, Hartmann, Friedel, Schuck, Huber, Schleiter, Blumenstock, Moll, T. Östreich, Deppner, Quanz, Höller, Ruf, R. Östreich, Heller, Müller, Rettberg, Patejdl, Rösch, Hagedorn.

Frankfurt: Quosa, Steinle; Balzer, Bindewald, Bommer, Branco, Cha, Di Gregorio, Dworschak, Friz, Guht, Kittel, Komljenovic, König, Körbel, Lasser, Müller, Nadaroglu, Nachtweih, Prinz, Russ, Schur, Zampach.

Im Stenogramm / Schiedsrichter: Roos (Echzell). – Zuschauer: 1350. – Tore: 1:0 (11.) Heller, 2:0 (13.) Thomas Östreich, 2:1 (35.) Kittel, 2:2 (58.) Guht, 3:2 (61.) Heller, 3:3 (63.) Guht, 3:4 (67.) Kittel.