Eintracht-Wirbel: Krösche-Abflug wahrscheinlich – aber wann?

Stand: 30.08.2026, 07:46 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

ARCHIV - 01.06.2026, Hessen, Frankfurt/Main: Markus Krösche, Sportvorstand des Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt, sitzt im Profi Camp des Bundesligisten vor den Journalisten. (zu dpa: „Das sagt Frankfurts Krösche zu den Trennungsgerüchten“) Foto: Andreas Arnold/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Unter Beobachtung: Wie geht es weiter, Markus Krösche? © Andreas Arnold/dpa

Eine Krösche-Trennung rückt in Frankfurt immer näher. Doch kurzfristig steht eine Abberufung nicht auf der Agenda. Abnutzung ist vorhanden, Vertrauen geschwunden.

Der in die Kritik und also in die Defensive geratene Frankfurter Sportvorstand Markus Krösche ging am Samstag in Berlin-Köpenick nicht zum Gegenangriff über. Der 45-Jährige ließ sich auch durch das ungezähmte, aufwühlende 3:3-Remis seiner Eintracht bei den eisernen Unionern nicht aus der Reserve locken. Fragen zu seiner Zukunft ließ er abperlen, wie an Teflon. „Wir sprechen über Fußball“, entgegnete der Manager schmallippig. Und auf Nachhaken: „Lasst es uns beim Fußball belassen.“ Für den Moment, klar, okay. Für den Moment danach eher nicht.

Fußball-Frankfurt ist durch einen „Bild“-Bericht in Wallung geraten: „Es droht ein Beben in der Führungsetage: Verlässt Krösche die Eintracht schon im September?“ Der Aufsichtsrat wolle in seiner Sitzung am Mittwoch, 2. September, erörtern, wie das vorzeitige Ende der vertraglich bis 2028 datierten Zusammenarbeit aussehen könne. Einen Tag nach der Schließung der sommerlichen Transferperiode.

Grund sei nicht nur, aber auch ein belastetes Verhältnis zwischen Cheftrainer Adi Hütter und dem Sportboss. Eine Darstellung, die Adi Hütter am Samstag in der Tat nur halbherzig zu entkräften versuchte. Man stehe „in ständigem Austausch“, das Verhältnis sei „sehr ordentlich“. Ordentlich ist halt nur ordentlich. Oder: ganz okay, annehmbar, passabel. Geht also besser. Die Wahrheit ist auch, zur Einordnung: Wäre es nur nach Markus Krösche gegangen (und er nicht schwer angezählt gewesen), wäre Adi Hütter wohl nicht nach Frankfurt zurückgekehrt.

Richtig ist, dass die Liaison Markus Krösche/Eintracht Frankfurt endlich ist. Alles hat seine Zeit. Jede Geschichte ist irgendwann mal auserzählt. Und ja, es scheint so, als werde die äußerst erfolgreiche und fruchtbare Gemeinschaftsarbeit in nicht allzu ferner Zukunft enden. Der Zeitpunkt ist offen.

Das kann sofort sein, nach dem 1. September. Möglich, aber nicht besonders wahrscheinlich. Ist auch nicht geplant in der Aufsichtsratssitzung, die turnusgemäß angesetzt und nicht außerplanmäßig einberufen wurde. Das stellte auch Gremiumschef Mathias Beck klar. Es kann im Frühherbst sein oder im Winter. Schon realistischer. Alles andere? Auch vorstellbar, manches aber nur noch mit Fantasie.

Und: Gibt es eigentlich eine Exit-Strategie? Wäre nicht schlecht, schließlich will niemand böses Blut aufwallen lassen oder den verdienten Manager beschädigen. Das wäre unwürdig und nicht der Stil, den die Eintracht pflegt. Und das hätte Markus Krösche nicht verdient. Er hat zwar in den letzten eineinhalb Jahren seinen Instinkt verloren, lag nicht nur beim Trainer (Albert Riera) dramatisch daneben, hat jetzt einen seltsamen Kaugummi-Transfersommer hingelegt; er wirkt angeschlagen, zuweilen verloren, er sitzt Probleme aus, lässt es laufen.

Doch er hat sich große Verdienste erworben, gilt noch immer als Transferkönig der Liga mit Mega-Verkäufen. Er hat das Geschäftsmodell der Eintracht nicht nur gelebt, sondern es mit Leben gefüllt. Das hat ihm großen Respekt und Anerkennung eingebracht, zweimal war er Manager des Jahres. Die Herzen der Menschen flogen ihm dennoch nie zu. Dazu ist er zu technokratisch, dazu ist die Eintracht zu sehr zum Durchlauferhitzer geworden.

Es ist klar, dass im Laufe der Jahre eine gewisse Ermüdung eintritt, eine Abnutzung. Die Frage ist, wie viel Feuer noch in Markus Krösche (für die Eintracht) brennt, ob er sich noch einmal vollständig auf sie einlassen, sich zu 100 Prozent committen kann. Und auch, ob er Vertrauen wiedergewinnen kann. Das ist geschwunden. Vieles ist kaputtgegangen. Durch den intensiven Flirt mit der AC Mailand. Durch das undurchsichtige (und nicht angezeigte) Immobiliengeschäft in Kroatien. Durch ewig köchelnde Spekulationen (Dortmund, Bayern) und das Nichtabräumen von brisanten Themen. Die Räte und Kollegen waren nicht nur einmal überrascht, irritiert und schwer genervt von dem steten Staub, den ihr Sportchef aufwirbelte. Das ist nicht gut.

Die wiederkehrende Unruhe ist einem gedeihlichen Miteinander und auch der Außendarstellung der Eintracht weder zuträglich noch förderlich, sie wirft kein gutes Bild auf den ohnehin schon wackelnden und nicht mehr so stabilen Verein.

Am Mittwoch in der Sitzung soll über Fußball gesprochen werden. Wie von Markus Krösche gewünscht. Er wird sich erklären. Er wird es müssen. Ausgang offen. Die Zeichen stehen auf Trennung, auf Abflug. Aber wann? Italien lockt. Nach wie vor. Der AC Mailand war mal ein Klub von Welt. Das will er wieder werden.

Ingo Durstewitz

Ingo Durstewitz © Ingo Durstewitz