Eklat in Wiener Kultlokal: Mitarbeiter kündigen nach Streit mit neuem Miteigentümer
Stand: 09.10.2026, 20:58 Uhr
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Im traditionsreichen Wiener Café Engländer eskaliert der Streit: Nach Vorwürfen gegen Bestbieter Mario Plachutta kündigt die Belegschaft – das Lokal schließt.
Der neue Miteigentümer des Café Engländer soll am 5. Oktober lautstark und emotional gegenüber der Belegschaft aufgetreten sein – mitten im Mittagsgeschäft, vor den Augen der Gäste. Die Reaktion der rund 20 Mitarbeiter ließ nicht lange auf sich warten: Sie wollen das Lokal geschlossen verlassen. „Unter jemandem, der so mit uns umgeht, wollen wir nicht arbeiten“, erklärten sie gegenüber dem Kurier.

Laut Berichten soll Plachutta dem Personal nicht nur mit Kündigung gedroht haben, sondern auch erklärt haben, die Mitarbeiter würden in Wien keinen Job mehr finden. Er habe viel Geld und Einfluss. Plachutta selbst wollte dazu gegenüber dem Kurier keine Stellung nehmen. Sein Anwalt Georg Röhsner (Eversheds Sutherland) bezeichnete die Vorwürfe als „unrichtig“: Es habe lediglich eine Begehung der Räumlichkeiten stattgefunden, ein Gespräch mit dem Restaurantleiter habe sich nur im Hinterhof abgespielt – nicht vor Gästen. Die Mitarbeiter bleiben jedoch bei ihrer Darstellung.
Arbeiterkammer Wien übt schafe Kritik nach Kündigungen
Der Konflikt hat unmittelbare Folgen: Das Café Engländer schloss bereits am 8. Oktober – früher als geplant. Ursprünglich sollte der bisherige Betrieb noch bis Mitte des Monats weiterlaufen, bevor Plachutta und sein Co-Eigentümer Peter Friese (Schwarzes Kameel) das Lokal offiziell übernehmen. Laut Heute.at informierte Plachutta die Belegschaft am Mittwoch über die vorgezogene Schließung. Am Donnerstagvormittag saß das Personal noch einmal im Gastgarten zusammen – mit Spritzern in der Hand, zum Abschied anstoßend.
Die Arbeiterkammer Wien übte scharfe Kritik. Im August und September hatte der Insolvenzentgeltfonds die Löhne der Beschäftigten übernommen, damit ein geregeltes Bieterverfahren möglich wurde. Ludwig Dvořák, Bereichsleiter für arbeitsrechtliche Beratung bei der AK, kommentierte das Ergebnis laut Vienna.at mit den Worten: „Eigentlich hätte das Café Engländer ein Musterbeispiel für eine gelungene Weiterführung eines zahlungsunfähigen Betriebs werden können.“
Betroffenes Café muss nach Tod des Gründers Insolvenz anmelden
Das Café Engländer in der Wiener Postgasse gilt als Institution. Nach dem überraschenden Tod von Gründer und Chef Christian Wukonigg im Juli meldete die Betreibergesellschaft im August Insolvenz an. Plachutta und Friese erhielten Ende September als Bestbieter den Zuschlag. Sie hatten angekündigt, das Konzept zu erhalten – „Bewahrung statt Revolution“. Manche der nun abgehenden Mitarbeiter arbeiteten seit mehr als 20 Jahren im Lokal und hielten den Betrieb auch dann aufrecht, als monatelang keine Gehälter flossen. Sorgen um ihre Zukunft machen sie sich dennoch nicht: „Die Gastro in Wien ist klein, wir finden schon etwas.“ Der heiße Sommer hatte viele Restaurants in Wien belastet.
Insolvenzwelle und Kostendruck in der Wiener Gastronomie
Die Turbulenzen um das Traditionskaffeehaus reihen sich ein in eine anhaltende Konsolidierungsphase der österreichischen Gastronomie. Nach Erhebungen des Gläubigerschutzverbands KSV1870 verzeichnete Österreich in den ersten drei Quartalen 2025 insgesamt 5110 Firmeninsolvenzen (+5,3 Prozent), wobei das Beherbergungs- und Gaststättengewerbe zu den Haupttreibern zählt. Zuletzt gerieten auch bekannte Marken wie die Wienerwald-Gruppe und Schnitz’l Land in die Pleite. Steigende Personal- und Energiekosten treffen dabei auf eine wachsende Sparneigung: Laut dem österreichischen Gastro-Report planen rund 70 Prozent der Gäste Einsparungen bei Restaurantbesuchen. (Quellen: kurier.at, heute.at, vienna.at, KSV1870) (rd)