Kia-Kleinbus im Test: Fairer Preis für den Elektro – doch einige Abstriche

Elektrischer Kleinbus zum fairen Preis – aber nicht alles ist perfekt: Meine Woche mit dem Kia PV5

Stand: 17.10.2026, 06:29 Uhr

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Platz im Überfluss zu einem bezahlbaren Preis: Das verspricht der Kia PV5. Doch wie schlägt sich die Passenger-Version des Elektro-Vans im Alltag? Meine Asphalt-Analyse.

München – Es gibt viele verschiedene Gründe, ein bestimmtes Auto zu wählen: Design, Leistung, geringer Verbrauch. Den Kia PV5 dürften vor allem Kunden wählen, die die Welt aus einer praktischen Perspektive betrachten. Ihn gibt es als Cargo-Variante für Lieferdienste oder Handwerker – und als die von mir getestete Passenger-Version. Gerade für Familien ist diese interessant. Ein kleineres Fahrrad in den Kofferraum werfen oder den Kinderwagen, ohne ihn zusammenzuklappen? Alles kein Problem. Und der Wocheneinkauf geht dann auch noch locker rein.

Der Kia PV5 ist ein elektrischer Kleinbus zum fairen Preis. Ich bin die Passenger-Version eine Woche im Alltag gefahren © Oppenheimer

Erhältlich ist der Kia PV5 Passenger in zwei Varianten: mit einer 52,5-kWh-Batterie und 89 kW/122 PS oder mit einem 71,2-kWh-Akku und 120 kW/163 PS. Angetrieben wird immer ausschließlich die Vorderachse. Bei meinem Testwagen handelte es sich um die stärkere Modellvariante in der Farbe Lakehouse Grau Metallic und der Top-Ausstattung „Elite“ in der Version mit fünf Sitzplätzen – er ist auch als Siebensitzer erhältlich. Hat mich der Kia im Alltag überzeugt? Hier schon mal mein Emoji-Fazit: 👑 🕵️ 🐘 – die Auflösung gibt es am Ende.

Die ersten 5 Minuten mit dem Kia PV5 Passenger: Finde ich mich gleich zurecht?

„Ein Hoch auf unseren Busfahrer...“, irgendwie habe ich sofort einen Ohrwurm, als ich mich zum ersten Mal hinter das Steuer des Kia PV5 Passenger klemme – man sitzt extrem weit oben! Dazu die riesigen Außenspiegel und die tief gezogenen Seitenfenster – ich fühle mich wie der König der Landstraße. Die Rundumsicht ist durch die kastige Form und die großen Scheiben genial – höchstens an der „zweigeteilten“ A-Säule mit dem kleinen Fensterchen muss man gelegentlich einen „Zusatzblick“ riskieren. Schon mal ein guter Start für alle, die selten Fahrzeuge dieser Dimension fahren.

Die Asphalt-Analyse – mein monatlicher Autotest

Jeden Monat teste ich ein Fahrzeug eine Woche lang im Alltag und beantworte dabei fünf grundlegende Fragen, die sich wohl jeder Autofahrer stellen würde. Statt technischer Details im Überfluss gibt es ehrliche Eindrücke: Was funktioniert gut, was nervt wirklich? Meine Asphalt-Analyse zeigt Ihnen, wie sich das Auto anfühlt – nicht nur, wie es auf dem Papier aussieht.

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Folge 10 (Oktober 2026): Kia PV5 Passenger

Bei der Bedienung gibt der Kia kaum Rätsel auf. Ein Druck auf den „Startknopf“ am Fahrstufen-Wahlhebel und schon erwacht der PV5 zum Leben. Der Blick ins Cockpit gleicht dem vieler aktueller Fahrzeuge: ein mit 7,5-Zoll eher kleines Display hinter dem Lenkrad, in der Mitte sitzt ein 12,9-Zoll-Touchscreen, der als digitale Schaltzentrale dient. Leider haben die Entwickler sich eine Klimabedienleiste mit „echten“ Tasten gespart, heißt: Diese Einstellungen müssen per Touch geregelt werden. Das ist leider teilweise etwas umständlich, weil mehrere Klicks nötig sind, und lenkt vom Fahren ab.

Dafür gibt es Schaltwippen hinter dem Lenkrad – allerdings nicht wie bei Verbrenner-Fahrzeugen zur manuellen Gangwahl. Per Zug links oder rechts kann man hier die Rekuperation – also die Energierückgewinnung bei der „Gaswegnahme“ – einstellen. Die Rekuperation reicht von automatisch über drei manuelle Stufen bis zum One-Pedal-Driving – dabei verzögert das Auto bei Gaswegnahme so stark, dass man fast ausschließlich übers Fahrpedal fährt, bis hin zum Stillstand. Hätte ich entscheiden dürfen, hätte ich eine ‚echte‘ Klimabedienleiste den Schaltwippen zur Rekuperationseinstellung vorgezogen. Aber da gibt es sicher auch andere Meinungen.

Seitenansicht der Kia PV5 Passenger

Großes Auto – wunderbare Rundumsicht für den Fahrer: Im Kia PV5 Passenger erleichtern große Fensterflächen die Orientierung. Vor allem die tief gezogenen Scheiben in der ersten Reihe helfen, den Überblick zu behalten. © Oppenheimer

Das würde mein Nachbar fragen

„Sind das Kinderwagenräder an deinem Bus?“ Naja, es sind tatsächlich „nur“ 16-Zoll-Felgen – und die wirken an dem großen Fahrzeug natürlich besonders klein. Aber das Felgendesign passt meiner Meinung nach gut zum PV5 – und die kleinen Räder erhöhen den Fahrkomfort.

„Da passt ja wahrscheinlich ein Motorrad rein, wenn man die hinteren Sitze rausnimmt, oder?“ In der Theorie schon. Aber tatsächlich ist das einer der wenigen Schwachpunkte des Kia PV5 Passenger: Die hintere Sitzreihe lässt sich weder ausbauen, noch verschieben. Man kann nur die Rückenlehnen umklappen. Auch dann ist noch sehr viel Platz zur Verfügung, aber es entsteht eben eine hohe „Ladekante“ an den Sitzen – bei besonders sperrigem Transportgut kann das zum Problem werden. Ebenfalls nicht optimal für Familien mit vielen Kindern: Isofix-Halterungen gibt es nur auf den äußeren beiden Plätzen in der zweiten Reihe.

Blick ins Cockpit des Kia PV5

Im Cockpit des Kia PV5 Passenger findet man sich schnell zurecht – lediglich eine „echte“ Klima-Bedienleiste mit Tasten wäre wünschenswert. © Oppenheimer

Die Beifahrer-Jury: Was sagen die Mitfahrer zum Kia PV5 Passenger?

„Sieht gewöhnungsbedürftig aus“, findet ein Bekannter. Tatsächlich gehen die Meinungen zum Design dieses Fahrzeugs so weit auseinander wie bei nur wenigen Fahrzeugen. Meine Tochter findet ihn von außen sogar „echt schlimm“ und wird damit nur ungern zum Sport-Training geshuttelt. Innen dagegen sei er „schon ganz cool“. Mein Sohn dagegen ist begeistert – und auch ich finde ihn völlig ordentlich designt. Ob ein Fahrzeug in so einem Format wirklich schön sein kann? Ich weiß es nicht.

„Wieso habe ich keine Armlehne?“ Eine berechtigte Frage des Beifahrers, die nur Kia beantworten kann. Leider hat auch die Fahrer-Armlehne ein großes Manko: Sie lässt sich nicht in der Höhe verstellen. Das Problem: Jeder Fahrer hat eine andere Größe – und weil die Fenster-Armlehne sehr tief sitzt und die Mittel-Armlehne recht hoch, kommt es durch den Höhenunterschied zwischen linkem und rechtem Arm schnell zu unangenehmen Verspannungen im Rücken. Dann muss man die Mittel-Armlehne fast zwangsläufig einklappen – was ja nicht im Sinne des Erfinders ist.

Der Realitätscheck: Was ist gut – und was nervt am Kia PV5?

Antrieb/Fahrwerk: Es zeigt sich schnell, dass mein Testwagen (die stärkere Variante mit 120 kW/163 PS) nicht unbedingt übermotorisiert ist. Im Alltag ist die Leistung völlig ausreichend, nur in manchen Situationen – etwa beim Überholen – wäre eine Portion mehr Power manchmal wünschenswert. Den Spurt von 0 auf 100 km/h gibt Kia mit 10,6 Sekunden an. Bei 135 km/h endet der Vortrieb. Für ein Fahrzeug dieser Größe bietet der PV5 überzeugenden Federungskomfort, der eher an einen Pkw erinnert. Mit einem Wendekreis von 11,6 Metern fährt er sich zudem recht wendig. Die maximale Anhängelast bei dieser Version beträgt 1,5 Tonnen.

Verbrauch: Hier gibt es große Unterschiede, je nach Fahrsituation. Fährt man den PV5 in der Stadt, kann man ihn – je nach Fahrweise – mit 14 bis 16 kWh/100 km bewegen. Auf der Landstraße geht es dann schon deutlich nach oben: Weniger als 18 kWh/100 km sind kaum möglich, und auf der Autobahn merkt man beinahe mit jedem km/h mehr, wie der Verbrauch in die Höhe schießt. Hier können es schon mal gerne bis zu 25 kWh/100 km sein. Keine Frage: Hier macht sich die riesige Stirnfläche bemerkbar, die spürbar Kraft kostet. Am Ende meines Testzeitraums standen durchschnittliche 18,5 kWh auf der Verbrauchsanzeige – weniger als die 19,3 kWh/100 km, die Kia als WLTP-Normwert angibt. Mit meinem Verbrauch käme man mit dem großen Akku auf eine maximale Reichweite von 385 Kilometern.

Laden: Beim Kia PV5 handelt es sich um einen sogenannten „Nasenlader“: Das Kabel wird vorne in der Mitte eingesteckt. An der heimischen Wallbox sind maximal 11 kW Ladeleistung drin, für den Testwagen gibt Kia hier eine Ladedauer von 10 auf 100 Prozent Batteriekapazität von 6 Stunden und 30 Minuten an. An einem DC-Schnelllader zieht der PV5 mit maximal 150 kW Strom, hier gibt der Hersteller grob einen Wert von 30 Minuten für eine Ladung von 10 auf 80 Prozent an. Das Fahrzeug beherrscht die Vehicle-to-Load-Technik (V2L), das bedeutet, man kann auch seinen Laptop oder sein E‑Bike von der Bordbatterie aufladen lassen.

Blick in den Kofferaum und den Fußraum vorne des Kia PV5 Passenger

Ein Wocheneinkauf, der andere Autos an die Grenzen bringt, wirkt im Kia PV5 fast mickrig – dank 1330 Litern Fassungsvermögen. Auch vorne lässt sich viel verstauen, etwa in einem Schubfach in der Mittelkonsole. © Oppenheimer

Platz: Das ist die ganz große Stärke des Kia. Im „Normalzustand“ hat der Kofferraum ein Fassungsvermögen von 1330 Litern. Dank der Kastenform passen hier auch sperrige Gegenstände wie Fahrräder hinein, ohne dass man die Sitze umklappen muss. Macht man das, sind es gleich stolze 3615 Liter Ladevolumen. Im Boden finden sich einige Klappfächer, in denen man kleinere Gegenstände wie Ladekabel oder Ähnliches unterbringen kann, damit sie nicht umherfliegen. Für Fahrer und Beifahrer gibt es viele Staumöglichkeiten, wie eine ausziehbare Box unten in der Mittelkonsole und ein Klappfach hinter dem Lenkrad. Spannend: Es gibt auch noch Fächer unter den Vordersitzen, die außen von der Seite zugänglich sind – etwa für ein Reifenreparaturkit. Und unter der Fußmatte ist auf der Fahrerseite noch ein waschechtes Geheimfach versteckt. Perfekt, um Süßigkeiten vor dem Partner zu verstecken – oder eben irgendetwas anderes. In der zweiten Reihe dagegen gibt es wenig Verstaumöglichkeiten, bis auf Taschen in den Vordersitzen.

Geheimfächer im Kia PV5 Passenger

Nicht nur Verstaumöglichkeiten, sondern auch „Geheimfächer“: Vor allem das Versteck unter der Fußmatte (links) findet nur, wer es weiß. Auch in einer Klappe unter den Vordersitzen (rechts) lässt sich noch etwas unterbringen – in diesem Fall ein Reifen-Reparaturkit. © Oppenheimer

Assistenzsysteme: Wie in so vielen aktuellen Fahrzeugen wird es auch im Kia leider schnell nervig. Der vorgeschriebene Tempowarner (ISA) meldet sich bei jeder minimalen Überschreitung sowohl optisch mit einem Blinksymbol als auch akustisch. Per längerem Druck auf den Lautstärkeregler wird zumindest die akustische Warnung für den Rest der Fahrt deaktiviert. Noch störender ist der Spurhalteassistent, der speziell auf engen Landstraßen beinahe permanent am Lenkrad zerrt. Zum Glück lässt sich auch hier per Lenkrad-Abschalttaste Abhilfe schaffen. Auch der Ablenkungs- und der Müdigkeitswarner sind sehr umtriebig – hier habe ich keine Möglichkeit zur Abschaltung per Schnelltaste gefunden. Alle genannten Systeme sind in der EU vorgeschrieben – und aktivieren sich bei jedem Start des Fahrzeugs aufs Neue.

Komfort: In der Top-Ausstattung gibt es Sitzheizung und -belüftung vorne, sowie eine Sitzheizung auf den äußeren beiden Plätzen hinten. Auch eine Lenkradheizung ist an Bord. Sowohl Sitz- als auch Lenkradheizung sind in mehreren Stufen einstellbar und kommen zügig auf Betriebstemperatur. Auch die beiden Schiebetüren hinten öffnen und schließen in der Topversion elektrisch. Beeindruckend bei dieser Karosserieform und den riesigen Außenspiegeln: Es gibt im PV5 kaum Windgeräusche. Die Soundanlage ist in der Topversion völlig in Ordnung, eröffnet aber auch keine audiophilen Klangwelten. Ähnlich wie zum Beispiel bei Dacia gibt es ein Befestigungssystem namens AddGear mit dem man an vielen Stellen im Auto Haken, Getränkehalter oder eine Taschenlampe anbringen kann.

Qualität: Die Materialqualität, speziell an den Türen, ist eher einfach – das Plastik ist sehr kratzempfindlich. Die Verarbeitung macht aber einen ordentlichen Eindruck, genauso wie das Kunstleder der Sitze.

Rückbank im Kia PV5 Passenger

Die Rücksitze im Kia PV5 Passenger lassen sich nicht verschieben oder ausbauen – nur umklappen. Isofix gibt es lediglich auf den äußeren beiden Plätzen. © Oppenheimer

Der Geldbeutel-Check: Wie schlägt sich der Kia PV5 bei den Kosten?

Die Preise starten bei 38.690 Euro für die 52,5-kWh-Version mit 89 kW/122 PS. Der Grundpreis der stärkeren Variante liegt bei 42.690 Euro. Mein Testwagen in der Top-Ausstattung Elite kam am Ende auf einen Listenpreis von 48.990 Euro. Klar: Das ist nicht wenig Geld. Aber wer auf der Suche nach einem solchen Fahrzeug ist, dürfte in dieser Preisliga woanders kaum fündig werden. Vor allem gibt es eine 7-Jahres-Hersteller-Garantie bis zu einer Laufleistung von 150.000 Kilometern dazu. Fakt ist: Ein voll ausgestatteter PV5 kostet weniger als ein VW ID. Buzz in der Basiversion, der ab 52.000 Euro startet. Klar: Beim VW handelt es sich eher um ein Lifestyle-Mobil – aber ob man diesen Aufpreis bezahlen will, muss man eben gut abwägen.

Was ebenfalls für den Kia spricht: Wer für seinen Unfallschaden irgendwann einmal selbst aufkommen muss, dürfte beim Kia PV5 einigermaßen günstig wegkommen. Denn er stammt von der Cargo-Variante ab, die oft von Lieferdiensten genutzt wird – und die ecken im hektischen Arbeitsalltag bekanntermaßen öfter mal an. Daher sind außen statt großer Außenteile relativ kleine Einzelteile verbaut. Das soll den Tausch günstiger machen. Dazu kommt eine schwarze Kunststoffbeplankung, die leichte „Stupser“ abfangen sollte.

Mein Fazit in drei Emojis:

  • 👑 (Krone – weil man sich auf dem hohen Fahrersitz vorkommt wie der König der Landstraße)
  • 🕵️ (Detektiv – weil nur der das gut versteckte Geheimfach unter der Fußmatte findet)
  • 🐘 (Elefant – weil auch der gefühlt in den Kia PV5 passt, ohne die Sitze umzuklappen)

Wer Kinder hat, viel mitnehmen möchte und kein unbegrenztes finanzielles Budget für einen elektrischen Kleinbus hat, kommt am Kia PV5 kaum vorbei. Der Koreaner bietet ein wirklich starkes Paket. Natürlich ginge immer mehr: bei Reichweite, Leistung, Ladetempo und Materialien. Aber dann muss man eben ein paar Scheinchen drauflegen.