Kassette rein, Handy zu: Diese App macht das iPhone Duo zum Walkman – mit Play per Scharnier
Stand: 17.10.2026, 06:28 Uhr
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Die App Duo-Man macht aus dem neuen iPhone Duo einen Walkman und entfacht Nostalgie: Zuklappen startet die Wiedergabe.
Rom – Eine App, die einen Walkman imitiert, hat innerhalb weniger Tage mehr als 1,8 Millionen Aufrufe auf X gesammelt – auf einem Telefon, das noch niemand in der Tasche hat. Sie heißt Duo-Man und wurde vom unabhängigen Entwickler Vidit Bhargava für das iPhone Duo entwickelt, Apples erstes Falt-Smartphone. Vorgestellt wurde es am 9. September zusammen mit dem iPhone 18 Pro und Pro Max. Vorbestellungen sind ab dem 16. Oktober möglich.
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Dieser Artikel von Saverio Alloggio entstand in Kooperation mit Corriere della Sera.
Das Projekt entstand an einem Wochenende bei einem von Bitrig organisierten Hackathon, einem kreativen Gemeinschaftsmarathon zur Entwicklung einer Idee, und belegte dort den zweiten Platz. Zur gleichen Zeit wurden bei einer Analyse des Codes von iOS 27.1 fünf neue Uhrendesigns für den StandBy-Modus entdeckt, eigens für das zur Hälfte gefaltete Telefon. Zwei unterschiedliche Hinweise, die dasselbe nahelegen: Das Interessanteste am iPhone Duo könnte nicht der große Bildschirm sein, sondern das Scharnier, das ihn teilt.
Bhargavas Idee geht auf eine fast banale Beobachtung zurück. Auf der Suche nach einer Anregung für den Hackathon ging der Entwickler verschiedene physische Gegenstände mit einem Scharnier durch und blieb beim Walkman hängen, dessen Klappe man zum Einlegen der Kassette öffnen musste. Die Übertragung auf das Duo ist unmittelbar: Bei aufgeklapptem Telefon wählt man auf dem 7,6 Zoll großen Innendisplay die Musik aus und „legt“ die Kassette „ein“. Beim Zuklappen startet die Wiedergabe, und das 5,4 Zoll große Außendisplay wird zur Vorderseite des Players samt Tasten.
Zuklappen wird zum Wiedergabebefehl
Das Zuklappen des Telefons, das bei jedem anderen Smartphone dem Weglegen gleichkommt, wird hier zum Befehl „Play“. Darin liegt der Unterschied zwischen einer Benutzeroberfläche, die sich an zwei Bildschirme anpasst, und einer, die die Bewegung des Gegenstands zum Bestandteil des Nutzungserlebnisses macht. Bhargava erzählt, dass er noch einen Walkman besitzt und gelegentlich damit Musik hört. Seine Liebe zum Detail ging so weit, dass er das Klicken der Tasten und das Hintergrundrauschen eines echten Geräts aufnahm und in die App einbaute.
Nach dem Erfolg des Videos mit fast 10.000 „Gefällt mir“-Angaben soll aus dem Prototyp eine vollwertige App werden. Sie wird Apple Music und lokale Dateien unterstützen; eine Spotify-Integration könnte später folgen. Der Entwickler hat außerdem versprochen, dass sich Vor- und Zurückspulen an der Funktionsweise des Originals orientieren werden, ohne sofortige Sprünge zum nächsten Titel. Bhargava ist kein Neuling: Zu seinem Angebot gehören das Wörterbuch LookUp, die Filmempfehlungs-App Movie Buzz und die Zeitzonen-Anwendung Zones.
Kassettennostalgie mit dem Apple Pencil
Ein Detail von Duo-Man wird jeder sofort wiedererkennen, der seine Jugend im analogen Zeitalter verbracht hat. Mit dem Apple Pencil soll sich die Kassettenspule in der App von Hand drehen lassen – eine Erinnerung an den alten Trick, einen Kugelschreiber in die Spulenöffnung zu stecken und das Band zurückzuspulen, ohne die Batterien zu beanspruchen. Diese nostalgische Spielerei berührt allerdings eine offene Frage: Apple hat nicht klargestellt, wann die erst später erwartete Pencil-Unterstützung für das iPhone Duo kommt. Die App nimmt also eine Funktion vorweg, die dem Telefon zum Verkaufsstart fehlen könnte.
Duo-Man fügt sich in einen Trend ein, der über ein einzelnes Produkt hinausgeht. Unter jüngeren Verbrauchern wächst das Interesse an Technik vergangener Jahrzehnte: von kompakten Digitalkameras über Klapphandys bis zu CDs und Musikkassetten. Apples Falt-Smartphone bietet sich schon durch sein Format für solche Anspielungen an. Ein Gegenstand, der sich auf- und zuklappen lässt, erinnert zwangsläufig an andere Gegenstände mit derselben Eigenschaft: von der Puderdose über den Game Boy Advance SP und den Nintendo DS bis zu den Klapphandys der frühen 2000er-Jahre.
StandBy funktioniert auch ohne Ladegerät
Während Duo-Man eine gestalterische Spielerei ist, betrifft die zweite Entdeckung eine potenziell alltäglichere Nutzung. Bei herkömmlichen iPhones wird der StandBy-Modus, der den Bildschirm in eine Uhr oder eine Informationsanzeige verwandelt, nur aktiviert, wenn das Telefon geladen wird und im Querformat aufgestellt ist. Beim iPhone Duo funktioniert er den Erkenntnissen aus dem Code zufolge auch ohne Stromversorgung: Es genügt, das Gerät halb zusammengefaltet hochkant auf eine Fläche zu stellen, ganz ohne zusätzliche Halterung. Das Scharnier dient als Ständer.
Die im Simulator entdeckten Lokalisierungseinträge verweisen auf fünf Uhrendesigns, die bei der Präsentation nicht gezeigt wurden. Home Camera würde es ermöglichen, den Livestream einer einzelnen Überwachungskamera oder eine Rasteransicht mit bis zu neun gleichzeitigen Aufnahmen anzuzeigen. Home Modular scheint die Bedienelemente für Smart-Home-Zubehör bündeln zu sollen. Flow ist mit einer animierten Illustration verknüpft, die reagiert. Snoopy dürfte den bereits von Apple TV bekannten Bildschirmschoner aufgreifen, während zu Fade nur sehr wenige Einzelheiten vorliegen.
Mindestens 13 Designs und vertraute Anpassungsmöglichkeiten
Hinzu kommen die acht von Apple bereits bestätigten Uhrendesigns: Analog, Digital, Klassischer Kalender, Wetter, Fotos, Rückblicke, Geteilte Alben und Modular. Insgesamt sind es also mindestens 13 Optionen. Allerdings scheint die Arbeit noch nicht abgeschlossen zu sein. Rushmore, die App, in der die überarbeiteten Uhrendesigns untergebracht werden sollen, ist in der Simulator-Version nicht enthalten. Das deutet darauf hin, dass einige dieser Funktionen möglicherweise erst nach dem Verkaufsstart erscheinen werden.
Das System zur individuellen Anpassung orientiert sich an den Zifferblättern von watchOS. Farben, Schriftarten, Stile und Flächen für Widgets lassen sich ändern, indem man durch die verfügbaren Alternativen wischt. Fünf unterschiedliche Anordnungen stehen zur Verfügung, um die Informationen auf dem Bildschirm zu organisieren. Diese Gestaltungssprache ist Besitzern einer Apple Watch bestens vertraut. Auf einen größeren Bildschirm übertragen, eröffnet sie konkrete Einsatzmöglichkeiten.
Vom Nachttisch bis zur Smart-Home-Steuerung
Auf dem Nachttisch kann das halb zusammengefaltete Duo als Wecker mit Wetter- und Kalenderanzeige dienen. Auf Reddit wurde Apple deshalb bereits vorgeschlagen, gleich einen Radiowecker zu produzieren. In der Küche oder im Eingangsbereich kann es das Bild der Kamera an der Türsprechanlage oder der auf das Babybett gerichteten Kamera anzeigen. Auf dem Schreibtisch kann es als Bedienfeld für Beleuchtung, Thermostat und Rollläden eingeschaltet bleiben, ohne den Computermonitor zu belegen.
Für solche Anwendungen brauchte man bislang ein eigenes Gerät, ein kleines Smart-Display oder ein Tablet mit einer Halterung. Hier lassen sie sich dagegen mit dem Telefon verwirklichen, das man ohnehin schon in der Tasche hat. Es ist daher kein Zufall, dass viele Nutzer fordern, die neuen Möglichkeiten zur individuellen Anpassung auch auf herkömmlichen iPhones verfügbar zu machen.
Bekannte Ideen und neue Möglichkeiten für Entwickler
All das ist nicht grundsätzlich neu. Samsung führte den sogenannten Flex Mode bereits mit den ersten Galaxy Z Flip und Z Fold ein: Ist das Telefon im 90-Grad-Winkel gefaltet, werden Apps in zwei Hälften geteilt – oben das Bild, unten die Bedienelemente. Das für einen Videoanruf auf den Tisch gestellte oder als Stativ für ein Gruppen-Selfie verwendete Telefon zählt seit Jahren zu den Verkaufsargumenten faltbarer Android-Geräte. Schon zuvor hatte Microsoft mit dem Surface Duo von 2020 versucht, ein ganzes Bedienkonzept um zwei nebeneinanderliegende Bildschirme aufzubauen, mit bescheidenem kommerziellem Erfolg.
Der Unterschied liegt allenfalls in der Entwicklergemeinschaft. Wer Apps für iOS entwickelt, experimentiert häufig zuerst dort, dank eines Ökosystems mit ausgereiften Werkzeugen zur Entwicklung, Verbreitung und Monetarisierung von Software. Nicht zufällig sorgte die erste „Scharnier-App“ schon vor dem Verkaufsstart des Telefons für Gesprächsstoff. Sie entstand an einem Wochenende mithilfe KI-basierter Werkzeuge, wie Bitrig sie zum Programmieren in Swift anbietet. Sollte das Auf- und Zuklappen zu einem von Apps erkannten Befehl werden, könnte das Duo rasch ein breites Spektrum an Anwendungen ansammeln, die bei anderen Falt-Smartphones bislang eine Randerscheinung geblieben sind.
An Anregungen mangelt es nicht: ein E-Book-Reader, der Seiten wie in einem echten Buch umblättert, ein Notizblock, der sich wie ein Notizbuch öffnet, eine Foto-App, die die untere Hälfte als Griff nutzt, oder ein Spiel, das den Doppelbildschirm alter Handheld-Konsolen nachbildet. Viele dieser Ideen werden davon abhängen, wie weit Apple Entwicklern Zugriff auf die Scharnierdaten gewährt. Ob das Gerät offen oder geschlossen ist, lässt sich bereits nutzen, wie Duo-Man zeigt. Zum Öffnungswinkel liegen dagegen noch keine offiziellen Informationen vor.