Emotionaler Fußball-Schlager für Klopp: Wie reagiert der Bundestrainer?
Stand: 24.09.2026, 19:13 Uhr
Deutschland gegen die Niederlande ist seither ein umkämpftes Duell. Wie geht der für seine Ausbrüche bekannte Jürgen Klopp mit der Situation um?
Amsterdam – Deutschland gegen die Niederlande – es ist wohl eines der brisantesten Duelle, das man auf Nationalmannschaftsebene finden kann. 48 Mal trafen die beiden Länder aufeinander, 18 Duelle gewann die DFB-Auswahl und deren zwölf die Elftal. Doch in vielen dieser Spiele ging es nicht nur um das Sportliche, sondern um deutlich mehr. Das belegt allein ein Blick auf Wikipedia, bei der es einen Eintrag zu eben dieser Konkurrenz gibt.

Der Beginn dieser Rivalität nahm besonders 1974 an Fahrt auf, als Deutschland bei der Heim-WM die Niederlande, die als großer Favorit galt, im Finale mit 2:1 bezwang und Legende Johan Cruyff und seinen Teamkollegen die Krönung verwehrte. Noch heute gilt es für viele Niederländer als die „Mutter aller Niederlagen“. Doch erst danach gingen die Auseinandersetzungen auf dem Platz richtig los.
Heftige Eskalationen: Zahlreiche Ausraster zwischen Deutschland und den Niederlanden
Bei der WM 1978 prügelten sich Bernd Hölzenbein und Dick Nanninga, nachdem Letzterer Hölzenbein in den Magen geboxt hatte. Zwei Jahre später kam es bei der EM zum erneuten Duell, bei dem unter anderem Toni Schumacher einen Tritt von Johnny Rep in die Magengrube hinnehmen musste. Nachdem die Niederländer bei der EM 1988 auf ihrem Weg zum Titel das DFB-Team ausgeschaltet hatten und ihre Rachgelüste gestillt hatten, wurde es jedoch nicht ruhiger.
Bei einem versuchten Friedensgipfel samt Länderspiel ein Jahr später prügelten sich die Hooligans beider Länder vor dem Spiel in Rotterdam. Während des Spiels wurde sogar ein Banner hochgezogen, das Lothar Matthäus mit Adolf Hitler verglich. Den wohl bekanntesten Aufreger gab es im WM-Achtelfinale 1990, als Frank Rijkaard Rudi Völler zweimal anspuckte und kurioserweise beide Spieler die Rote Karte bekamen.
Zwar hat sich seither das Verhältnis der Fußballer beider Länder merklich entspannt und auch die Auseinandersetzungen sind quasi verschwunden, dennoch umgibt jedes Aufeinandertreffen immer eine besondere Magie. Die große Frage, die sich daher stellt: Wie geht der für seine Wutausbrüche bekannte Jürgen Klopp damit um?
In seiner gesamten Trainerkarriere war er immer wieder tobend an der Seitenlinie zu sehen. Die Gazzetten gaben ihm daher den Spitzenamen „Wütterich“ oder „Rumpelstilzchen“, denn genau wie diese Figuren war er an der Seitenlinie zu erkennen. So beleidigte er den früheren Schiedsrichter Thorsten Kinnhöfer 2007 als „Idiot“, ein Jahr später nahm er sich Jochen Drees zur Brust und folgte ihm gar bis in die Kabine.
Einer seiner legendärsten Ausbrüche war wohl im Champions-League-Spiel gegen den SSC Neapel 2013. Dort wurde der damalige BVB-Trainer bereits nach 30 Minuten auf die Tribüne verbannt, nachdem er zuvor wie wild an der Seitenlinie getobt und dem vierten Offiziellen aus nächster Nähe ins Gesicht geschrien hatte. „Ich mach‘ da draußen ‚nen Affen, das geht nicht. Ich bin übers Ziel hinausgeschossen, das war völlig doof“, gestand er im Nachgang immerhin seinen Fehler ein.
Klopp rastet in England mehrfach aus: Beherrscht sich gegen die Niederlande?
Doch wirklich gelernt hat er aus seinen Fehlern auch in England nicht. Wie der Mirror kurz vor seinem Abschied beim FC Liverpool 2024 zusammengerechnet hat, musste er in seinen neun Jahren in der Premier League 158.000 Pfund, umgerechnet rund 183.000 Euro, an Strafen zahlen. Kurios: Rund die Hälfte der Summe musste er für verbale Auseinandersetzungen mit Paul Tierney zahlen.
Bei einem Spiel gegen die Tottenham Hotspur 2021 soll Klopp einst gesagt haben: „Ich habe kein Problem mit Schiedsrichtern, nur mit dir.“ In jenem Spiel legte zudem seinen legendären Sprint zum Siegtorschützen Diego Jota hin, nachdem dieser in letzter Sekunde das 4:3 erzielt hatte. Dabei rief Klopp in Richtung Tierney: „Ohne dich, ohne dich.“ Der englische Verband FA sperrte ihn daraufhin für zwei Spiele und verpasste ihm eine Geldstrafe in Höhe von 75.000 Pfund.
„Ich bin ein Gerechtigkeitsfanatiker“, nennt Klopp als Grund für seine Ausraster. „Es fällt mir bis heute schwer, das Gefühl der Ungerechtigkeit hinzunehmen. Da helfen auch keine Argumente wie: ‚Das passiert den anderen auch‘ oder ‚Das gleicht sich irgendwann wieder aus‘. Ich bin ein emotionaler Mensch. Wenn mir etwas wichtig ist, dann investiere ich alles, und man sieht das.“
Daher wird man den gebürtigen Schwaben wohl auch weiterhin als aktiven Begleiter an der Seitenlinie wahrnehmen, auch wenn er laut eigener Aussagen während seiner Zeit bei Red Bull ruhiger geworden ist. Mit Anpfiff wird sich zeigen, ob Klopp seine Emotionen im Griff hat oder es das nächste Kapitel in der legendären Rivalität zwischen Deutschland und den Niederlanden (alle TV-Infos) gibt. (smu)