Immer mehr Menschen betroffen: Die Amigos verarbeiten schweren Schicksalsschlag – „War ganz schlimm“

Stand: 24.09.2026, 19:16 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Die Amigos verarbeiten das Schicksal eines demenzkranken Freundes in einem neuen Song. Eine persönliche Erfahrung, die Millionen Familien betrifft.

Lingen – In Deutschland leben nach aktuellen Zahlen der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e. V. derzeit rund 1,78 Millionen Menschen mit einer Demenzerkrankung. Ein Großteil von ihnen ist von der Alzheimer-Krankheit betroffen, und bis zum Jahr 2050 könnte die Zahl der Erkrankten auf bis zu 2,6 Millionen ansteigen, wie der gemeinnützige Verein auf seiner Website deutsche-alzheimer.de schreibt. Die neurokognitive Störung entwickelt sich damit immer mehr zu einem Thema, das breite Teile der Gesellschaft betrifft. Auch die Musiker des Schlager-Duos Die Amigos sind im eigenen Umfeld mit den Folgen der Krankheit konfrontiert worden.

Die Brüder Bernd (l) und Karl-Heinz Ulrich, bekannt als Schlagerduo „Die Amigos“.

Die Brüder Bernd (l) und Karl-Heinz Ulrich, bekannt als Schlagerduo „Die Amigos“. © Christian Lademann/dpa

Nach einem Konzert im niedersächsischen Lingen sprachen Bernd und Karl-Heinz Ulrich im Interview mit dem ARD-Magazin „Brisant“ über das emotionale Schicksal eines langjährigen Weggefährten. Mit dem früheren Freund verbrachten die Brüder einst viel Zeit im Heimatdorf, spielten gemeinsam Fußball, besuchten die Kirmes oder feierten in der heimischen Kellerbar. Doch mit dem Fortschreiten der Demenz gingen diese gemeinsamen Erinnerungen verloren.

Amigos verarbeiten persönliche Tragödie: Neuer Song beleuchtet Demenz-Schicksal

Für die beiden Schlagerstars war das Verschwinden dieser Verbundenheit eine ebenso prägende wie schockierende Erfahrung, die sie nun in ihrem Song „Manchmal ist es nur ein Lied“ thematisieren. „Für uns war klar, dass wir über dieses Thema ein Lied singen, weil wir auch eigene Erfahrungen damit haben“, erklärte Bernd Ulrich im Gespräch mit dem Fernsehmagazin. Das Erleben, wie ein vertrauter Mensch sich schleichend verändert, hinterließ bei den Musikern Spuren.

Karl-Heinz Ulrich schilderte die Begegnungen mit dem erkrankten Freund und die damit verbundene Hilflosigkeit entsprechend eindringlich: „Da hast du gesehen, der ist vorbeigegangen, der hat dich gar nicht mehr erkannt. Da denkst du: Also jetzt wird’s aber ernst, die ganze Geschichte. Und das hat mich damals so bewegt. Das war ganz schlimm, weil wir so dick befreundet waren, und wenn dann einer dich nicht mehr kennt, (…) dann denkst du: Das kann doch gar nicht sein.“

Unterstützung erhält das Duo auf seinen Tourneen von Bernd Ulrichs Tochter Daniela Alfinito. Die ebenfalls sehr erfolgreiche Schlagersängerin (u. a. fünf Nummer-eins-Alben in Deutschland) arbeitet bis heute als gelernte Altenpflegerin und bringt durch ihren beruflichen Alltag einen geschulten Blick auf das Thema mit. Sie schilderte unter anderem, wie eine eigentlich stumme Patientin beim Erklingen alter Volksmusik wieder begonnen habe, die Lippen zu bewegen.

Trotz der Schwere der Diagnose plädiert Alfinito für einen mitfühlenden Umgang mit den Betroffenen und betont die verbleibenden Lebensmomente. „Das Leben kann auch mit Demenz so schön sein, auch wenn du wirklich gar nichts mehr weißt“, betonte die 55-Jährige gegenüber „Brisant“. Mit ihrem neuen Titel möchten die Amigos das Thema weiter im öffentlichen Bewusstsein halten. Das Duo hat nach etlichen Chart-Erfolgen mittlerweile längst deutsche Musikgeschichte geschrieben. Verwendete Quellen: „Brisant“ (Das Erste/ARD; Ausgabe vom 24. September 2026), brisant.de, deutsche-alzheimer.de