Ukraine-Krieg: Russland nennt Trump-Vorstoß eine „sehr gute Idee“ – und schiebt neue Forderungen hinterher

Stand: 15.09.2026, 21:06 Uhr

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Trump verkündet eine Einigung im Ukraine-Krieg, doch Selenskyj widerspricht. Russland lobt den Vorstoß – und stellt gleich weitere Forderungen für eine Waffenruhe.

Kiew/Moskau – Während ukrainische Streitkräfte am Dienstagmorgen die Syzran-Ölraffinerie des russischen Staatskonzerns Rosneft angegriffen haben und Russland zeitgleich Kiew mit Drohnen beschoss, hat der Kreml den Vorschlag von US-Präsident Donald Trump begrüßt, gegenseitige Angriffe auf Energieinfrastruktur zu stoppen.

Donald Trump und Wladimir Putin nach ihrem Treffen in Alaska im August 2025.

Das Alaska-Treffen zwischen Donald Trump und Wladimir Putin ist inzwischen mehr als ein Jahr her. © Drew Angerer/AFP

Von einer echten Waffenruhe sind beide Seiten jedoch weit entfernt. Russland knüpft seine Zustimmung wieder einmal an Bedingungen, die eine Einigung weiter erschweren.

Putin-Sprecher bezeichnet Trumps Ukraine-Vorschlag als „sehr gute Idee“

Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte in Moskau, man habe Trumps Initiative zu einer Energie-Waffenruhe zur Kenntnis genommen. „Wir halten das insgesamt für eine sehr gute Idee“, sagte er laut der Nachrichtenagentur Interfax. Man sei mit den Amerikanern in Kontakt. Eine klare Zusage, dem Vorschlag zuzustimmen, gab Peskow jedoch nicht.

Russland knüpft seine Bereitschaft an weitere Forderungen. Es gehe nicht nur darum, Angriffe auf russische Raffinerien zu stoppen, sagte Peskow. Russland müsse sein Öl auch ungehindert exportieren dürfen. Die Ukraine sei aber nicht bereit, eine sichere Schifffahrt zu garantieren, so der Kremlsprecher weiter.

Trump hatte am Vorabend auf seinem Netzwerk Truth Social geschrieben, die Ukraine habe zugestimmt, russische Energieanlagen nicht mehr anzugreifen – und Russland ebenso. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj widersprach dieser Darstellung. Er sprach nicht von einer geltenden Abmachung, sondern von einem „starken Vorschlag“ der USA. Selenskyj äußerte zudem Zweifel, ob Russland sich an eine solche Vereinbarung halten werde.

Lawrow beschuldigt USA und Europa: Laufender Ukraine-Krieg sei nicht Russlands Schuld

Russlands Außenminister Sergej Lawrow erhob am Dienstag derweil schwere Vorwürfe gegen Washington. Die USA hätten den Krieg um ein Jahr verlängert, indem sie sich von den sogenannten „Anchorage-Vereinbarungen“ zurückgezogen hätten. Dabei bezieht sich Lawrow auf ein angebliches Abkommen, das beim Treffen zwischen Trump und Putin in Alaska im Jahr 2025 getroffen worden sein soll. „Wenn die Amerikaner nicht von den Anchorage-Vereinbarungen abgerückt wären, würden wir jetzt seit einem Jahr ohne Krieg leben“, behauptete Lawrow.

US-Vertreter bestreiten, dass solche Vereinbarungen jemals existiert haben. Lawrow behauptete zudem, Europa habe die USA von einer möglichen Einigung „weggezogen“. Die Existenz und der Inhalt der angeblichen Vereinbarungen sind nicht öffentlich bekannt und bleiben damit eine einseitige russische Darstellung.

Trotz der Vorwürfe signalisierte Lawrow Gesprächsbereitschaft. „Wir haben Verhandlungen nie abgelehnt, und alle bisherigen Gespräche wurden nicht auf unsere Initiative hin unterbrochen. Wenn unsere Kollegen bereit sind, ist eine Wiederaufnahme durchaus möglich“, sagte er.

UN-Vollversammlung als nächster Prüfstein: Treffen zwischen Selenskyj und Trump geplant

Die diplomatischen Aktivitäten verdichten sich rund um die UN-Vollversammlung in New York, die vom 21. bis 23. September stattfindet. Selenskyj plant, mögliche begrenzte Waffenruhen mit Trump zu besprechen – darunter einen Stopp der Angriffe auf Energieinfrastruktur und im Schwarzen Meer.

Auch Lawrow will die Gelegenheit nutzen. Er plant laut der Kyiv Independent ein Treffen mit US-Außenminister Marco Rubio am Rande der Vollversammlung. Trumps Schwiegersohn Jared Kushner sowie der Ukraine-Gesandte Steve Witkoff hatten Anfang September sowohl Moskau als auch Kiew besucht, um die festgefahrenen Friedensgespräche wieder in Gang zu bringen. Das greifbarste Ergebnis dieser Reise war eine Vereinbarung zur Wiederaufnahme trilateraler Verhandlungen zwischen den USA, Russland und der Ukraine. Frühere Gesprächsrunden hatten zwar kaum politischen Fortschritt gebracht, aber humanitäre Initiativen ermöglicht – darunter Gefangenenaustausche.

Russland besteht weiterhin darauf, dass die Ukraine Teile des Donbas abtritt – Gebiete, die russische Truppen militärisch nicht vollständig unter Kontrolle haben. Kiew lehnt das ab und fordert einen Waffenstillstand entlang der aktuellen Frontlinie sowie Sicherheitsgarantien gegen künftige russische Angriffe. (Quellen: dpa, Kyiv Independent) (nak)