Schmerzen durch Endometriose: Warum Schweigen die Beziehung gefährdet

Endometriose in der Beziehung: Warum Scham und Schmerzen nicht das letzte Wort haben müssen

Stand: 09.08.2026, 18:00 Uhr

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Chronisch Erkrankte schämen sich oft so sehr, dass sie dankbar sind, überhaupt eine Partnerschaft zu führen, sagt eine Paartherapeutin. Wenn Bedürfnisse kaum kommuniziert werden, belastet dies auch die Beziehung.

Bonn – Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, aber bloß nichts sagen: So geht es vielen Betroffenen von Endometriose. Der Grund: „Es ist so viel Scham da, dass Betroffene das Gefühl haben, sie können selbst mit der Beziehungsperson nicht darüber sprechen“, sagt Paartherapeutin Naila Rediske. Sie ist auf Paare spezialisiert, bei denen eine Person an Endometriose erkrankt ist.

Artikel der KNA

Dieser Beitrag von Madita Steiner stammt von der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Endometriose ist eine chronische Krankheit, bei der Gewebe aus der Gebärmutter auch in anderen Organen wächst. In Deutschland sind rund eine halbe Million Frauen diagnostiziert. Nach Schätzungen könnten sogar über zwei Millionen betroffen sein.

Eine Frau sitzt auf einem Sofa und verschränkt ihre Arme vor dem bauch.

Nur weil Endometriose für immer bleibt, heißt das nicht, dass das bei den Symptomen genauso sein muss, sagt Paartherapeutin Naila Rediske. © Madita Steiner/KNA

In Rediskes Praxis kommen rund ein Fünftel als Paar in die Therapie, der Rest ohne Beziehungsperson. Viele schilderten das Gefühl: „Ich bin nicht genug, ich bin keine gute Beziehungsperson, mein Körper funktioniert nicht, ich kann meinem Beziehungsmenschen nicht das geben, was es braucht in einer Beziehung“, sagt sie.

Daraus entstehe bei manchen Betroffenen der Gedanke, besser keine weiteren Bedürfnisse zu äußern, weil sie dankbar sein sollten, überhaupt in einer Partnerschaft zu sein.

„Beide müssen irgendwie funktionieren“

„Das gesellschaftliche Bild auf Beziehung ist, dass man sagt: Beide müssen irgendwie funktionieren“, beklagt Rediske. Der betroffenen Frau nur dann zu erklären, dass sie sich nicht schämen muss, sei wenig hilfreich.

Besser sei das Signal: „Von meiner Seite aus müsstest du dich nicht schämen. Aber wir reden jetzt darüber: Was brauchst du in der Scham?“ Der nicht betroffenen Person fehle aber häufig die Fähigkeit, der Traurigkeit der Partnerin Raum zu geben.

Stattdessen gingen viele davon aus, dass sie nichts tun können, weil sie die Krankheit nicht heilen können. Neben dem Zuhören könnten sie in schwierigen Phasen aber auch Aufgaben im Haushalt übernehmen und beispielsweise anti-entzündlich kochen, weil „das den Endobelly nicht triggert“. Der sogenannte Endobelly ist eine schmerzhafte Bauchschwellung.

Es gibt auch Gründe gegen eine Operation bei Endometriose

Konflikte entstünden oft, wenn betroffene Frauen nicht unterstützt werden, sagt die Expertin – vor allem dann, wenn sie sich gegen eine Operation entscheiden. Operative Eingriffe werden teilweise gemacht, um das Gewebe außerhalb der Gebärmutter zu entfernen. Ebenfalls ein wiederkehrendes Streitthema: wenn der Geschlechtsverkehr selten wird. Betroffene verbinden ihn oft mit emotionaler Belastung und Schmerzen.

Partnern, die das Leid nicht nachempfinden können, erklärt Rediske: „Stell dir mal vor, jedes Mal, wenn es intim wird, sticht dir jemand zwei Nadeln so richtig tief rein, und du sollst einfach weitermachen. Dann geht’s weiter, und dann sticht dir jemand zwei Nadeln in den Unterbauch.“

Sie betont auch: „Schmerzen beim Sex sind wirklich niemals normal, auch nicht bei Endometriose.“ Dies sei jedoch ein Gesellschafts- und Aufklärungsproblem. Anatomische Aufklärung sei notwendig – also das Wissen darüber, was einem selbst Lust bereitet oder aber Schmerzen auslöst.

Nach einer solchen Entdeckungsreise gelinge es vielen betroffenen Frauen, eine schmerzfreie Sexualität zu entwickeln – mit individuellen Wegen.

Endometriose-Symptome können sich ändern

Wichtig ist laut Rediske: Nur weil die Krankheit für immer bleibt, heißt das nicht, dass das bei den Symptomen genauso sein muss. So könnten Schmerzen beim Geschlechtsverkehr oder auch Unverträglichkeiten teilweise oder sogar vollständig zurückgehen. Das zu verstehen, bedeute Selbstwirksamkeit im Umgang mit Endometriose – und sei das Ziel der Therapie.

Paaren rät die Therapeutin, die Krankheit als gemeinsame Aufgabe zu begreifen. Man habe sich für diese Beziehung entschieden, von der die Endometriose ein Teil ist. Entsprechend versorge man sie am besten gemeinsam. Das könne im Alltag bedeuten, etwa für die betroffene Person die Vereinbarung eines Arzttermins zu übernehmen.

Gleichzeitig gelte aber auch: „Man lebt 24/7 mit dieser Erkrankung – und man kann nicht 24/7 immer Menschen um sich herum haben, die einen begleiten und unterstützen.“ Deshalb brauche es auch Selbsthilfe im Alltag, etwa durch Vorkochen oder das Bereithalten bequemer Kleidung.