Endstation Regenwald: Ein ungewöhnlicher Bahnhof in Australien

Eine gusseiserne Lokomotive im rhythmischen Rattern der Schienen, mit weichen Sitzbänken und schmalen Tischen. So einen Zug verortet man auf den wuchtigen Steinbrücken Schottlands, vor den schroffen Bergspitzen der Schweiz oder auf der historischen Schmalspurbahn im steirischen Murtal.

Kaum würde man sie mit der drückenden Schwüle Cairns an der ostaustralischen Küste verbinden. Und das kann man nicht wirklich verübeln, richtet sich in Cairns der Blick doch vordergründig auf die blaue Weite, die wild schwappenden Wellen, die es zu überqueren gilt, wenn man an das Great Barrier Reef gelangen möchte.

Doch tags darauf, vielleicht von den Wellen noch leicht wackelig, empfiehlt es sich, Plattform 2 der Cairns Railway Station aufzusuchen, um den historischen Waggon zu besteigen, der mit seinem Rostbraun und Cremeweiß den perfekten Kontrast zur grünen Umgebung darstellt.

Die Strecke mag dann nur siebenunddreißig Kilometer zählen, doch die gewundene Fahrt vom Meeresniveau durch das Dickicht stetig bergauf ist von zahlreichen Aussichtshighlights geprägt. Die wuchtigen Barron Falls, die sanften Regenwaldhügel dahinter das Korallenmeer.

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Zug zum Gold

In den fünf Jahren zwischen 1886 und 1891 bauten 1.500 Männer mit Pickel, Schaufel und Dynamit insgesamt 15 Brücken, 55 Tunnel und 98 Kurven, um die Versorgung künftig sicher zu machen und zügig von der Küste zu den Goldfeldern im Regenwald zu kommen. Die Arbeiter mussten dabei durch unpassierbare Sümpfe und Dschungel, vorbei an tödlichen Kreaturen und am tosenden Wasserfall – eines der ambitioniertesten Zugprojekte Australiens.

Top 3

Barron Falls Eindrucksvoller Wasserfall des Barron River. Von Kuranda zu Fuß  in etwa einer Stunde erreichbar.

Butterfly Sanctuary Die größte Freiflugvoliere und Ausstellung für Schmetterlinge auf der südlichen Hemisphäre, in Kuranda. 
australianbutterflies.com

Petit Café Stilvolles Bistro in Kuranda, Crêpes untertags, Pizza am Abend, stets köstlicher Eiskaffee. 
petitcafekuranda.com.au

Die Endstation – damals wie heute – ist Kuranda, das „Dorf im Regenwald“, mit einem Bahnhof, den man so noch nicht gesehen hat: halb botanischer Garten, halb Bilderbuch. Üppige Hängepflanzen, wuchtige Monsterae, feine Philodendronarten und Farne tummeln sich unter rostbraunem Wellblech und vor dem cremeweißen Stationsgebäude, das mit seinen Holzplanken an Alpenchalets erinnert. Im Kiosk gibt es englische Scones und Heißgetränke, für die es zu warm ist, und hinter den Schienen die üppigen Palmen des Regenwalds. So eindrucksvoll ist diese Station, dass man nicht gleich weiterhastet, sondern den Zwischenstopp zum eigentlichen Ziel erklärt.

Anna-Maria Bauer

Über Anna-Maria Bauer

Schreibt seit 2021 als freie Autorin aus London für den KURIER über Politik, Royals und Lifestyle. Zuvor acht Jahre in der Wien-Chronik.