Enorme Investitionen England-Boom sorgt FCB-Frauen: "Deutschland muss aufpassen"
Stand: 03.08.2026 • 19:29 Uhr
Die Sorge um die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Fußballs macht angesichts enormer Investitionen in England auch vor der Frauen-Bundesliga nicht Halt. Selbst beim FC Bayern tut man sich mit der finanzstarken Konkurrenz schwer.
Von Leopold Grünwald
Dass Titel in Deutschland nur über den FC Bayern München gehen, ist im Männer-Fußball schon seit Jahrzehnten eine Regel, die sich durch die Dominanz des deutschen Rekordmeisters in den vergangenen Jahren beinahe schon zum Gesetz entwickelt hat.
Bayern-Frauen werden zum Maß der Dinge
Vergleichsweise neu ist der Umstand, dass die Bayern-Frauen der nationale Maßstab sind. Seit der ersten Deutschen Meisterschaft in der 1997 eingeführten "eingleisigen Frauen-Bundesliga" vor elf Jahren haben die Münchnerinnen noch sechs weitere Meisterschalen an die Isar geholt.
Waren die Titelrennen in der Vergangenheit oft ein enger Zweikampf mit dem VfL Wolfsburg hat sich die Lücke zuletzt vergrößert. 2021 setzten sich die FCB-Damen noch mit zwei Punkten Vorsprung auf die Niedersächsinnen durch.
Frauen-Bundesliga verliert im internationalen Vergleich
Im Jahr darauf betrug der Rückstand auf Wolfsburg vier Zähler. 2023 standen die Bayerinnen erneut zwei Punkte vor dem VfL an der Tabellenspitze. In den vergangenen drei Spielzeiten wurde der Abstand zwischen den Bayern-Teams ganz oben und den Wölfinnen auf Rang zwei dann aber kontinuierlich größer. Erst sieben, dann acht und schließlich 16 Punkte trennten die Münchnerinnen vom Rest der Liga.
Während die Wettbewerbsfähigkeit der nationalen Konkurrenz abgenommen hat, verschlechterte sich aber auch das Abschneiden der deutschen Klubs auf dem internationalen Parkett. Waren deutsche Vertreter bis Mitte der 2010er Jahre Stammgast im Champions-League-Finale und brachten regelmäßig die europäische Krone nach Hause, hinkt die Frauen-Bundesliga mittlerweile hinterher.
Frauen-Fußball in England holt massiv auf
Wolfsburg konnte die deutsche Fahne mit vier Endspiel-Teilnahmen seit 2016 hochhalten, scheiterte aber dreimal gegen Olympique Lyon sowie zuletzt 2023 am FC Barcelona. Eine Entwicklung, die sich zu verschlimmern droht, nachdem England dank großer Investitionen massiv aufholt.
Der FC Arsenal konnte 2025 als erster englischer Klub seit 19 Jahren die Königsklasse gewinnen. Zudem verließ die mehrmalige Weltfußballerinnen Alexia Putellas im Sommer den FC Barcelona und heuerte bei den London City Lionesses an.
Auch Linda Dallmann bleibt das nicht verborgen. "England investiert eine Menge. Ich glaube, da ist seit der EM 2022 England einfach am meisten vorangegangen und das ist auch noch immer so", sagte die Deutsche vom FC Bayern gegenüber BR24Sport am Rande des Testspiels gegen den 1. FC Nürnberg am Samstag.
Es brauche eine deutsche Reaktion, erklärte die 31-Jährige: "Ich weiß nicht, ob England da wirklich schon international die Spitze erreicht hat. Von daher glaube ich, dass Deutschland aufpassen muss, dass die anderen Ligen nicht wegziehen."
Sogar Bayern mit Braindrain nach England
Auch wenn sich die Finanzkraft der englischen Klubs bislang nicht in internationaler Dominanz niederschlägt, unterstreicht ein Blick auf die jüngere Transfer-Historie des FC Bayern, wie schwierig es selbst für das deutsche Schwergewicht geworden ist, sich gegen die Finanzkraft aus dem Mutterland des Fußballs zu behaupten.
Seit Sommer 2025 verließen sieben Spielerinnen um Lea Schüller, Sydney Lohmann und Georgia Stanway die Münchnerinnen nach England. Der Strom von Neuzugängen aus England nach München ebbte dagegen vollständig ab, obwohl der FCB bis 2025 regelmäßig Spielerinnen von der Insel in die bayerische Landeshauptstadt gelockt hatte.
Rech: "Schon auch schwierig für den FC Bayern"
Der neuen Realität ist man sich in der Vereinsführung durchaus bewusst. "Wir haben vorher auch nicht alles bekommen, was wir wollten. Wenn man sich anguckt, was da momentan los ist, ist das schon auch schwierig für den FC Bayern", gestand Bianca Rech, Direktorin der Frauenfußball-Abteilung der Bayern.
Die 45-Jährige sieht die Bundesliga in der Pflicht. "Es liegt gar nicht so sehr an uns, sondern es geht eher darum, die Attraktivität der Liga zu steigern. Spielerinnen wollen Wettbewerb haben. Spielerinnen wollen in einer attraktiven Liga spielen", forderte Rech.
Holt die nationale Konkurrenz auf?
Ein erster Schritt könnte sogar gemacht sein. Gegen giftige Nürnbergerinnen kam das FCB-Ensemble am Wochenende nicht über ein 2:2 hinaus, wie Dallmann bemerkte. "Wir haben gegen Nürnberg nicht gewonnen", grinste sie und schob fast zuversichtlich hinterher: "Ich glaube schon, dass wir dieses Jahr national gefordert werden."
Quelle: BR24 03.08.2026 - 07:54 Uhr