„Saudi-Arabien steckt in einer ziemlichen Zwickmühle“: Nahost-Experte über Trumps Golfgipfel im Iran-Krieg

„Enorm vertrackte Gemengelage“: Trump sucht Iran-Ausweg – Experte warnt vor ernster Treibstoffkrise

Stand: 22.09.2026, 14:14 Uhr

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Trump trifft die Golfstaaten – mitten im Iran-Krieg. Ein Experte warnt: Ohne Einigung droht Europa eine ernste Treibstoffkrise bei Diesel und Kerosin.

Washington, DC – Am Rande der UN-Generalversammlung in New York trifft US-Präsident Donald Trump in dieser Woche die Staats- und Regierungschefs sowie Außenminister der sechs Mitgliedstaaten des Golf-Kooperationsrats (GCC): Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar, Bahrain, Kuwait und Oman. Im Mittelpunkt des Gesprächs sollen laut dem US-Portal Axios, das sich auf drei mit den Planungen vertraute Personen beruft, die nächsten Schritte im aktuellen Iran-Krieg sowie eine mögliche Nachkriegsordnung stehen.

US-Präsident Donald Trump steigt auf der Joint Base Andrews in Maryland in die Air Force One ein. Nun plant er ein Treffen mit den Verantwortlichen der Golfstaaten.

US-Präsident Donald Trump steigt auf der Joint Base Andrews in Maryland in die Air Force One ein. Nun plant er ein Treffen mit den Verantwortlichen der Golfstaaten. © Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa

Der Zeitpunkt des Treffens fällt in eine Phase erhöhter Spannungen. Der Iran erklärte, Geheimdienstinformationen erhalten zu haben, wonach die USA eine erneute Bombardierungskampagne gegen die Islamische Republik planen. Das US-Außenministerium erließ laut eines Berichts des Guardian zeitgleich eine Sicherheitswarnung für alle amerikanischen Staatsbürger im Nahen Osten und mahnte zur „erhöhten Wachsamkeit“ angesichts eines „komplexen Sicherheitsumfelds mit dem Potenzial für unvorhergesehene Eskalationen“. Trump selbst brach am Sonntag einen Wochenendaufenthalt in Camp David ohne offizielle Erklärung vorzeitig ab.

Aktuelle Lage im Iran-Krieg: Trump droht Teheran – und trifft Golfstaaten

Gegenüber Fox News skizzierte Trump drei Optionen im Umgang mit dem Iran: das Land „auszulöschen, den Iran wirtschaftlich verrotten zu lassen oder ein Abkommen zu schließen“. Gleichzeitig äußerte sich der US-Präsident zuletzt mit Blick auf den aktuellen Iran-Krieg in der vergangenen Woche vorsichtig optimistisch: „Hoffentlich nähern wir uns dem Ende des Krieges.“ Washington habe entsprechende Signale direkt aus Teheran erhalten, erklärte Trump, ohne nähere Angaben zu den Kontakten zu machen.

Für Andreas Böhm, Nahost-Experte an der Universität St. Gallen, findet das Treffen in einer „enorm vertrackten Gemengelage“ statt. Saudi-Arabien stecke dabei in einer „ziemlichen Zwickmühle“: Die Straße von Hormus war zeitweise blockiert, nun kontrollieren die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen den Zugang zum Roten Meer – und ihre wichtigste Pipeline in die Region wurde getroffen.

„Wenn die Houthi nun Raketen Richtung Riad schießen, testen sie die strategische Tiefe der Saudis, was für diese nicht hinzunehmen ist“, sagte Böhm gegenüber der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. Am vergangenen Samstag hatten die Houthis nach eigenen Angaben die saudi-arabische Hauptstadt angegriffen. Erstmals seit dem Zusammenbruch des Waffenstillstands im Juni wurden dabei Aramco-Ölanlagen in Riad Ziel eines solch anhaltenden Beschusses. Das Königreich betonte, die Raketen abgefangen zu haben; lokale Fotos zeigten jedoch Rauch über dem Aramco-Gelände. Auch der für saudische Ölexporte strategisch wichtige Hafen Yanbu wurde attackiert.

Houthi eskalieren Krieg in Nahost – auch Iran droht mit „schmerzhaften Angriffen“

Die Houthi agierten dabei im Kontext des Golfkriegs, nutzten ihre Verbindung zum Iran – ohne jedoch dessen Befehlsempfänger zu sein, betonte Böhm. „Für den Iran ist diese Konstellation vorteilhaft, da sie den Gegnern erhebliche Kosten auferlegt, ohne selbst tätig sein zu müssen.“ Der Islamische Revolutionsgarde-Korps (IRGC) warnte seinerseits, dass im Falle eines US-Angriffs „alle US-Stützpunkte und Interessen in der Region zu Zielen kontinuierlicher, wirksamer und schmerzhafter Angriffe ohne Einschränkungen werden“.

Der iranische Chefunterhändler Mohammad Ghalibaf betonte im Parlament, sein Land sei nicht an einem Dauerkrieg mit den USA interessiert. Mohsen Rezaei, der neue Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrats, bestand gegenüber Al Jazeera jedoch auf sieben Vorbedingungen für Frieden, darunter die Aufhebung der US-Blockade iranischer Ölhäfen, die Freigabe eingefrorener Vermögenswerte und die Abschaffung von Sanktionen auf iranische Ölexporte.

Aktueller Iran-Krieg: US-Strategie unklar – Experte warnt vor drastischen Folgen für Europa

Auch wenn Trump weitere Militärschläge folgen lasse, sei das strategische Ziel weiterhin unklar, sagte Böhm mit Blick auf das US-Vorgehen im aktuellen Iran-Krieg: „Um die Straße von Hormus zu öffnen, braucht es eine diplomatische Lösung, wie das Übereinkommen von Oman und Iran andeutet. Denn allein die Drohung eines Angriffs kann den Schiffsverkehr lahmlegen, während die militärische Präsenz, um sie offenzuhalten, extrem aufwendig und kostenintensiv ist.“ Die Straße von Hormus ist de facto bereits für westlichen Verkehr gesperrt; der Druck auf die europäische Energieversorgung wächst täglich, Frankreich hat bereits Notmaßnahmen gegen drohende Treibstoffengpässe eingeleitet.

Böhm sieht die Golfstaaten zwar grundsätzlich vereint in ihrem Wunsch, den Konflikt schnell beizulegen – „sie müssen schließlich damit leben“ –, betont aber zugleich unterschiedliche, teils konträre Interessen, insbesondere zwischen den VAE und Saudi-Arabien, auch mit Blick auf den Jemen. Neben den GCC-Staaten könnten laut Axios weitere arabische und muslimische Führer an dem Treffen teilnehmen. Auch Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bemüht sich um ein Gespräch mit Trump in New York; ein solches sei bislang jedoch nicht angesetzt worden.

Böhm mahnte, die verschiedenen Konfliktherde zusammenzudenken: „Iran, Libanon, Jemen, Sudan sind eng verknüpfte Schauplätze. Man kann nicht einen Konflikt angehen, ohne die anderen im Auge zu haben.“ Und er gab eine klare Warnung aus: „Wenn nicht bald etwas passiert, haben wir eine ernste Treibstoffkrise, insbesondere bei Diesel und Kerosin.“ (Quellen: dpa, AFP, Axios, Guardian, Fox News, Al Jazeera, eigene Recherche) (fbu)