„Kein Tabu“: Metall-Arbeitgeber wollen mehr Arbeit für gleichen Lohn – IG Metall stellt sich quer

Stand: 22.09.2026, 14:15 Uhr

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Maschinenbau

Auf Arbeitnehmer der Metall-Industrie kommen vielleicht bald längere Arbeitszeiten zu. (Archivbild) © Bernd Weißbrod/dpa

Südwestmetall bringt vor der neuen Tarifrunde eine Verlängerung der Arbeitszeit bei gleichem Lohn ins Gespräch. Die IG Metall lehnt eine Aufweichung der 35-Stunden-Woche bislang ab.

Berlin – Arbeitgeber der Metall- und Elektroindustrie drängen vor der kommenden Tarifrunde auf längere Arbeitszeiten. Peter Sebastian Krause vom Arbeitgeberverband Südwestmetall erklärte, eine Diskussion über eine Verlängerung der Arbeitszeit bei gleichem Lohn dürfe „kein Tabu sein“, berichtet die Frankfurter Allgemeine.

„Wir brauchen Kostensenkungen, um den Produktionsstandort zu stabilisieren“, sagte Krause. Längere Arbeitszeiten dürften deshalb in den Gesprächen „Kein Tabu sein“. Tarifverträge sollten Unternehmen Spielräume geben, um dort Kosten zu senken, wo dies notwendig sei.

IG Metall hält an 35 Stunden fest

Die IG Metall will am Mittwoch ihre Forderungen für die anstehende Tarifrunde festlegen. Bislang lehnt die Gewerkschaft eine Aufweichung der 35-Stunden-Woche in der Branche ab, berichtet Die Welt.

Arbeitgeberverbandsvertreter Krause begründet den Vorstoß mit dem zunehmenden internationalen Wettbewerb und steigenden Arbeitskosten. Besonders Baden-Württemberg stehe vor großen Veränderungen. Dort seien rund 140.000 Beschäftigte im Antriebsbereich direkt vom Übergang zu Elektrofahrzeugen bis 2035 betroffen. Eine von Krause angeführte Studie des Fraunhofer-Instituts warnt davor, dass Baden-Württemberg bis 2040 Wertschöpfung in Höhe von 12,7 Milliarden Euro verlieren könnte. Zudem könnten bis zu 100.000 Arbeitsplätze wegfallen.

Arbeitgeber verweisen auf Produktivität

Auch bei möglichen Lohnerhöhungen fordert Krause Zurückhaltung. Diese sollten sich an Produktivitätssteigerungen orientieren. Seit 2019 habe es jedoch kein Produktivitätswachstum gegeben, während die Löhne gestiegen seien, um Beschäftigte vor der Inflation zu schützen. Investitionen hingen von der Profitabilität der Unternehmen ab. Tarifverträge müssten deshalb nach Ansicht Krauses faire Arbeitsbedingungen und die internationale Wettbewerbsfähigkeit miteinander vereinbaren.

Die Debatte über längere Arbeitszeiten hatte bereits im August neue Aufmerksamkeit erhalten. Mercedes-Aufsichtsratschef Martin Brudermüller brachte in einem Interview mit dem Handelsblatt eine Rückkehr zur 40-Stunden-Woche bei gleichem Lohn ins Gespräch.

40-Stunden-Woche sorgt für Streit

Bei tarifgebundenen Autoherstellern wie Mercedes-Benz gilt die 35-Stunden-Woche als Standard, obwohl sie nicht gesetzlich vorgeschrieben ist. Die IG Metall reagierte auf Brudermüllers Vorstoß mit Protesten an Mercedes-Standorten und lehnt eine Aufweichung der Regelung bislang ab.

Hinter dem Streit über Arbeitszeit und Löhne steht eine umfassendere Krise der deutschen Industrie. Seit 2019 hat die Branche nahezu 600.000 Arbeitsplätze abgebaut. Nach einer kurzen Erholung nach der Pandemie geht die Beschäftigung seit dem Energiekrisenjahr 2022 wieder zurück. Derzeit sinkt sie um rund 15.000 Stellen pro Monat, berichtet Makronom.

Der Arbeitsplatzabbau geht demnach weniger auf große Entlassungswellen zurück als darauf, dass deutlich weniger neue Stellen geschaffen werden. Neue Beschäftigungsverhältnisse in der Industrie liegen inzwischen auf einem Niveau nahe dem Tiefpunkt während der Pandemie. Auch Wechsel zwischen Arbeitsplätzen innerhalb der Industrie haben einen Tiefstand erreicht. (Redaktion)