Ernährungsinitiative: Was soll auf Schweizer Äckern wachsen?

Die Ernährungsinitiative fordert mehr pflanzliche Produktion. Der Bauernverband ist dagegen, wenige sehen Chancen.

07.09.2026, 06:47

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Die Schweiz soll bis in zehn Jahren einen Selbstversorgungsgrad von 70 Prozent aufweisen. Dies fordert die Ernährungsinitiative, über die die Schweiz Ende September abstimmt. Aktuell liegt der Netto-Selbstversorgungsgrad bei etwa 45 Prozent.

Zum letzten Mal einen Selbstversorgungsgrad von 70 Prozent hatten wir im 2. Weltkrieg.

Der Bauernverband bekämpft die Initiative. Bauernpräsident Markus Ritter hält die 70 Prozent für utopisch. So hoch sei der Selbstversorgungsgrad seit 80 Jahren nicht mehr gewesen.

Anbauschlacht

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  • Bild 1 von 2. Die Idee zur Anbauschlacht geht auf Bundesrat Friedrich Wahlen zurück. Sogar vor dem Bundeshaus wurden Kartoffeln angebaut (1944).

    Bildquelle: Keystone / Photopress Archiv.

    Drei Männer arbeiten im Freien neben einem historischen Gebäude mit einer Kuppel.
  • Bild 2 von 2. Kartoffeln ernten statt «Böögg» verbrennen. Der Sechseläutenplatz, damals noch Tonhalleplatz, wurde zur Ackerfläche (1942).

    Bildquelle: Fotostiftung Schweiz / Hans Staub.

    Menschen ernten auf einem Feld in einer Stadt, Pferde ziehen einen Pflug.

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«Damals lebten nur halb so viele Leute in der Schweiz wie heute, 4.5 Millionen und wir hatten noch 200'000 Hektar Kulturland, das mittlerweile verbaut wurde, mehr», sagt der höchste Schweizer Landwirt.

Mann mit Brille steht in einem Stall.
Legende:

Der Bauernpräsident ist gegen weniger Tiere und mehr Selbstversorgung.

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Will man den Selbstversorgungsgrad erhöhen, «müssen wir mehr düngen, mehr Pflanzenschutz austragen und viel weniger Biodiversitätsförderflächen bewirtschaften», so Markus Ritter.

Tierfutter ist eine Vernichtung der Produktion.

Biobäuerin Gertrud Häseli widerspricht. Sie weiss, was es braucht für einen höheren Selbstversorgungsgrad: «Wir müssen weniger Mais als Tierfutter anbauen. Dort können wir dann mehr Hülsenfrüchte wie Linsen anbauen oder Gemüse und Getreide für die menschliche Ernährung.»

Frau in blauem Oberteil sitzt neben Korb mit Äpfeln auf Tisch.
Legende:

Gertrud Häseli ist eine von wenigen Bäuerinnen, die sich für die Initiative stark machen.

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«Das grosse Problem in der Tierhaltung ist der Gülleüberschuss. Es gibt zu viel Methan, zu viel Phosphor», so die Biobäuerin, die selbst zehn Mutterkühe mit Kälbern hält. Die Initiative kritisiert, dass 60 Prozent der Ackerflächen für die Produktion von Tierfutter genutzt werden – hauptsächlich für Kunstwiesen, Futtergetreide oder Silo- und Grünmais.

Die gesamte Ackerfläche in der Schweiz sank seit Beginn des Jahrtausends nur minimal. Die Getreideproduktion ist stark rückläufig. Sowohl Futtergetreide für die tierische Produktion als auch Brotgetreide für uns Menschen wird weniger angebaut.

Es brauche die Tierfutterproduktion auf Ackerflächen, sagt der Bauernpräsident. «Das ist wichtig für die Fruchtfolge, dass sich die Böden erholen können, gesund bleiben und die Schädlinge bekämpft werden können», so Markus Ritter.

Mehrere Kühe fressen Heu in einem Stall.
Legende:

37 Milchkühe leben auf dem Bauernhof des Bauernpräsidenten. Mittlerweile hat er ihn an seine Söhne übergeben.

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Des Weiteren ist der Bauernpräsident überzeugt, dass die Leute in der Schweiz Fleisch essen wollen und an der Nutztierhaltung interessiert sind: «Im Moment stellen wir fest, dass Eier, Milch und Fleisch sehr beliebt sind. Die Leute wollen sich ausgewogen ernähren.»

Grasbewachsene Obstwiese mit Bäumen.
Legende:

25 Hektaren bewirtschaftet das Ehepaar Häseli auf ihrem Betrieb im Aargau.

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«Ich glaube, wenn die Leute wüssten, woher das Fleisch kommt und wie es produziert wird, würden viele ihren Menüplan umstellen», erwidert Gertrud Häseli.

Initiative im bäuerlichen Gegenwind

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  • Der Schweizer Bauernverband ist gegen die Initiative.
  • Bio Suisse und die Kleinbauernvereinigung haben Stimmfreigabe erteilt.
  • Weitere landwirtschaftliche Verbände wie der Obstverband, der Getreideproduzentenverband oder die Vereinigung der Kartoffelproduzenten sind dagegen.
  • Unterstützung erhält die Initiative von einzelnen Landwirtinnen und Landwirten.

Ein Ja zur Ernährungsinitiative hätte grosse Auswirkungen auf die Schweizer Landwirtschaft und was diese künftig produzieren würde, unabhängig davon, was die Leute kaufen und essen wollen.

Abstimmungsdossier

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